Aufmacher Die mit den Händen tanzt
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Ein Grönemeyer-Konzert mitzurocken, ohne etwas davon hören zu können? "Ja, das geht!", sagt Online-Redakteurin Klaudija Schnödewind. Das beweist sie mit ihrem nun Grimme-Preis-nominierten Special über eine "Musik-Gebärderin". Noch bis 22. Juni 2017 kann für den Publikumspreis des Grimme-Online-Award 2017 gevotet werden.

Den Bass spürt man im Bauch. Das Schlagzeug vibriert im ganzen Körper. Klickt man sich durch das hr2-Online-Special "Die mit den Händen tanzt"“, spürt man via Bild und Ton Laura Schwengbers Leidenschaft für die Musik. Und das nicht nur dank ihrer gefühlvollen Beschreibungen und Übersetzungen, was Musik für sie und für Gehörlose bedeutet und wie sie sich anfühlt. Die ausgebildete Gebärdensprachdolmetscherin steht in ganz Deutschland auf Konzertbühnen und übersetzt für Zuschauer und Zuhörer Konzerte. hr2-kultur-Autorin Klaudija Schnödewind hat diese beeindruckende Frau getroffen und über sie und ihre Kunst ein Online-Spezial konzipiert und produziert – und das so gut, dass dieses nun besondere Ehre durch die Nominierung zum Grimme-Online-Award erfährt.

Laura Schwengber und Klaudija Schnödewind
Laura Schwengber und Klaudija Schnödewind (von links) Bild © Arkadiusz Goniwiecha/Grimme-Institut

Frau Schnödewind, worin lag für Sie die besondere Herausforderung, das Thema Gehörlosigkeit online zu übersetzen?

Wir wollten das Thema Gehörlosigkeit, das sonst eher mit Schwere und Betroffenheit besetzt ist, mit einer Prise Humor und Leichtigkeit präsentieren. Das Special fängt mit einem Musik-Gebärden-Quiz an. Damit wollen wir spielerisch in das Thema reinziehen, Neugierde wecken aber auch alle User gleich in die Situation versetzen, nichts zu hören und zu interagieren. Wir wollten mit Klischees aufräumen und zeigen: Hören ist ein Geschenk aber die Gebärdensprache ist es auch! Man kann in Gebärdensprache Spaß haben, Witze erzählen und auf einem Konzert sogar mitsingen. 

Was hat Sie bei diesem Online-Projekt am meisten beeindruckt?

Ich hatte in der Zusammenarbeit mit Laura viele Aha-Effekte. Ich habe gelernt, dass gehörlose Menschen durchaus auf ein Konzert gehen können. Laura hat mir gezeigt, dass Musik nicht im Ohr, sondern im Herzen stattfindet und dass dank ihrer Arbeit gehörlose Menschen an einem gesellschaftlichen Ereignis teilhaben und Spaß haben können. Das Musik-Dolmetschen funktioniert wirklich – auch für Hörende! Es funktioniert bei jeder Musikrichtung, man kann es sehen und fühlen!

Was war für Sie beim Dreh die kniffligste Situation?

Laura und ich hatten wenig Zeit. Wir haben uns in einen dunklen Raum eingeschlossen, die Musik aufgedreht und gleich mit der Übersetzung in Gebärdensprache angefangen. Da war sofort eine Nähe und Intimität in der Zusammenarbeit, die man sich sonst bei der journalistischen Arbeit erst über längere Zeit hinweg aufbauen muss. Laura ist mit so viel Herzblut und Freude bei der Sache, dass man ganz schnell davon angesteckt wird. Laura schafft es, dass man die Gebärdensprache mag, obwohl man vorher keine Berührung damit hatte.

Was bedeutet die Nominierung für einen der wichtigsten deutschen Online-Medien-Preise für Sie persönlich?

Das ist der absolute Hammer. Als ich im Dezember mit dem Thema um die Ecke kam, haben alle gesagt: "Musik in Gebärdensprache übersetzt, das hab ich ja noch nie gesehen. Kann das Thema denn funktionieren? Klickt überhaupt jemand in so ein Special rein?". Es wurde eher als ungewöhnliches Außenseiter-Thema angesehen. Es hat sich aber gezeigt, dass gerade der Online-Kanal mit seinen Interaktionsmöglichkeiten ideal ist, ein solches Projekt umzusetzen. Laura hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, dass auch Musik barrierefrei für alle zugänglich wird. Ich würde mir wünschen, dass auch Sie beim nächsten Konzertbesuch darauf achten, ob ein Gebärdensprachdolmetscher da ist und wenn nicht, dass Sie sich fragen: "Verdammt, warum eigentlich nicht?!"


Die Fragen stellte Sylvia Georgi.

Weitere Informationen

Voting und weitere Informationen

Noch bis 22. Juni 2017, 23:59 Uhr, kann für den Publikumspreis des Grimme-Online-Award 2017 gevotet werden:
Direkt zum Publikumsvoting

Weitere Links:
Zum Online-Special
Zur Internetseite von Laura Schwengber

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