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Der Skandal um die Recyclingfirma Woolrec wird nun auch die Strafgerichte beschäftigen, wie der Hessische Rundfunk (hr) erfahren hat. Hintergrund ist die Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt (OLG), das bereits am 29. März 2017 die Anklage zugelassen und damit der Beschwerde der Staatsanwaltschaft Gießen Recht gegeben hatte.

Zuvor hatte das Gießener Landgericht im September 2016 die Anklage sowohl gegen Woolrec-Gründer Edwin F. als auch gegen Gutachter Stefan G., Professor an der Universität Gießen, mit der Begründung abgelehnt, „der Anklagevorwurf“ sei „nicht konkret genug umrissen“. Dem widerspricht das OLG dezidiert. In dem elfseitigen Beschluss heißt es, „die prozessuale Tat sei hinreichend konkret umrissen“. Die Frankfurter Richter fordern nun die Kollegen in Gießen dazu auf, den Prozess zu eröffnen. Den beiden Angeklagten wird vorsätzlicher, unerlaubter Umgang mit Abfällen in mehr als 50 Fällen vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft Gießen geht in ihrer Anklage von besonders schweren Fällen aus, weil die Beschuldigten aus Gewinnsucht gehandelt hätten.

Die mittlerweile geschlossene Firma Woolrec hatte krebserzeugende, künstliche Mineralfasern zu einem angeblich harmlosen Produkt namens „Woolit“ recycelt, das bei der Herstellung von Ziegeln eingesetzt wurde. Der Gießener Professor hatte Proben von „Woolit“ allmonatlich – über Jahre hinweg – als unbedenklich eingestuft.

Recherchen des hr-Fernsehmagazins „defacto“ hatten ergeben, dass „Woolit“ nicht harmlos, sondern krebserzeugend ist. Gutachten hatten diesen Verdacht bestätigt. Daraufhin hatte das Regierungspräsidium Gießen als zuständige Kontrollbehörde den Betrieb geschlossen. Die Staatsanwaltschaft Gießen leitete 2012 ein Ermittlungsverfahren ein.

Die 7. Große Strafkammer des Landgerichtes Gießen kündigt nun eine möglichst zeitnahe Prozesseröffnung an. Derzeit würden mit den Verfahrensbeteiligten Termine abgestimmt, erklärt der Sprecher des Landgerichtes Gießen, Dr. Patrick Liesching, dem hr.

Marco Möller
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