Rosa von Praunheim
Rosa von Praunheim Bild © hr/Master Patrick

Der 75. Geburtstag von Filmemacher und Schwulenikone Rosa von Praunheim, eine Wiesbadener Ausstellung der Künstlerin Renate Bühn und ein denkwürdiges Kunstwerk in Kassel – das sind unter anderem die Themen der aktuellen Ausgabe von „Hauptsache Kultur“ am kommenden Donnerstag, 23. November, um 22.45 Uhr im hr-fernsehen.

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Filmemacher und Gallionsfigur der Schwulenbewegung: Rosa von Praunheim wird 75

Streitbar, radikal, provokativ, gut gelaunt und immer auf der Suche nach neuen Geschichten: Rosa von Praunheim. Der Filmemacher, Maler und Aktivist gilt als Pionier des sogenannten queeren, also homosexuellen Kinos. In seinen über 150 – zum Teil sehr eigenwilligen – Filmen gelingt es ihm immer wieder, Menschen, die an den Rändern der Gesellschaft leben, in den Mittelpunkt zu rücken. 1970 löst er mit dem Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ in Deutschland einen solchen Skandal aus, dass er quasi über Nacht berühmt wird. Seither gilt er als Kultfigur der deutschen Schwulenszene und provoziert immer wieder gerne. Etwa als er 1991 Hape Kerkeling und Alfred Biolek gegen ihren Willen in einer RTL-Talkshow als homosexuell outet. Nun wird der Bürgerschreck 75 Jahre alt. Zeitgleich kommt sein neuer Film („Überleben in Neukölln“) in die Kinos, erscheint ein Buch („Wie wird man reich und berühmt“), wird eine Ausstellung eröffnet – und es soll noch ein Theaterstück geben! Wie macht er das alles? Woher nimmt er die Energie? „Hauptsache Kultur“ hat Rosa von Praunheim getroffen und mit ihm über die prägenden Ereignisse in seinem Leben gesprochen: das Coming-out in Praunheim, einem Stadtteil von Frankfurt, wo er als Jugendlicher aufwuchs, das Geständnis seiner Mutter, als sie ihm mit 94 Jahren offenbarte, dass er nicht ihr leiblicher Sohn ist – und natürlich sein künstlerisches Schaffen.

Anne Frank: Wie die Erinnerung an das Mädchen aus Frankfurt immer häufiger beschmutzt wird

Ihr Tagebuch wurde in mehr als 70 Sprachen übersetzt und ist eines der meistgelesenen Bücher der Welt: Anne Frank. Doch der Name und das Bild des in Frankfurt geborenen jüdischen Mädchens werden in jüngster Zeit immer häufiger in geschmacklose Zusammenhänge gebracht. So missbrauchte ein Bäcker aus Wetzlar das Konterfei des Mädchens, das im Konzentrationslager Bergen-Belsen ums Leben kam, für eine antisemitische Fotomontage auf einem Pizzakarton. In Italien verhöhnten Hooligans des italienischen Fußballclubs Lazio Rom ihre Gegner vor kurzem mit einem retouchierten Foto von Anne Frank. Auch in deutschen Stadien kursierten Aufkleber mit der perfiden Botschaft: Wer sich mit Anne Frank identifiziere, sei ein Opfer. Für einen Eklat sorgte auch die Deutsche Bahn. In einer Pressemitteilung verkündete sie, einen ihrer neuen ICE-Züge nach Anne Frank benennen zu wollen. Der gut gemeinte Vorschlag offenbarte einen seltsamen Mangel an Geschichtsbewusstsein: Schließlich wurde Anne Frank 1944 mit ihrer Familie deportiert  – in einem Zug der deutschen Reichsbahn. Geschichtsvergessenheit auf der einen Seite, wachsender Antisemitismus auf der anderen? Verschiebt sich da gerade etwas? Wie steht es um die Erinnerungskultur? Und wie kann das Gedenken an Anne Frank vor Missbrauch bewahrt werden? Wie kann man junge Menschen heute für ihre Geschichte sensibilisieren? „Hauptsache Kultur“ spricht darüber mit der stellvertretenden Leiterin der Anne-Frank-Bildungsstätte, Deborah Krieg, und der Direktorin des jüdischen Museums Frankfurt, Mirjam Wenzel.

„Immer noch – noch immer“: Renate Bühn macht mit ihrer Kunst das Grauen sexualisierter Gewalt sichtbar 

„Frühstück mit Papi“ heißt eines der Kunstwerke von Renate Bühn, und der Frühstückstisch wirkt auf den ersten Blick recht harmlos. Beim genaueren Hinsehen die Irritation: Die Brötchen sind mit Fliegen übersät. Renate Bühn versucht mit ihrer Kunst klar zu machen, was sexueller Missbrauch von Mädchen, Jungs und Frauen bedeutet. Denn trotz aktueller Kampagnen wie #metoo wird sexuelle Gewalt immer noch verdrängt. Renate Bühn hat selbst erlebt, wie es sich anfühlt, Opfer zu sein und von niemandem gehört zu werden, während der Täter – der eigene Vater – bis zu seinem Tod in der Familie lebte. In Darmstadt gründete sie daher eine Beratungsstelle des Vereins „Wildwasser“ – eine Anlaufstation für Betroffene. Das 30-jährige Bestehen von „Wildwasser“ wird jetzt in Wiesbaden gefeiert. Dazu gibt es eine Ausstellung in der Kulturstätte Montabaur: Unter dem Titel „Immer noch – noch immer“ zeigt Renate Bühn ihre Kunstwerke in Wiesbaden. „Hauptsache Kultur“ besucht die Künstlerin in ihrer Ausstellung. 

Ist das Kunst, oder kann das weg? – „Das über Pflanzen ist eins mit ihnen“ von Lois Weinberger in Kassel

Ein jeder kennt sie, die kuriosen – und häufig amüsanten – Geschichten von Kunstwerken, die nicht als solche erkannt und so zum Opfer übereifriger Putzkräfte wurden. Joseph Beuys‘ berühmt-berüchtigte „Fettecke“ ist sicherlich das prominenteste Beispiel dafür, was passieren kann, wenn Künstler mit ihren Werken an einem allgemeinen, klassischen und vielleicht auch massenkompatiblen Kunstverständnis anecken. Frei nach dem Motto „Ist das Kunst, oder kann das weg?“ begibt sich der Kunsthistoriker, Publizist und gebürtige Kasselaner Christian Saehrendt für „Hauptsache Kultur“ auf die Suche nach Kunstwerken im öffentlichen Raum. – Am Kasseler Hauptbahnhof, auch bekannt als Kulturbahnhof, ist inzwischen nicht mehr viel los, seit die Fernzüge in Kassel-Wilhelmshöhe halten. Von Gleis 1 fährt inzwischen gar nichts mehr ab. Stattdessen wachsen dort ungestört Büsche und Unkraut. Ein Schild mit der Aufschrift „Das über Pflanzen ist eins mit ihnen“ lässt aufmerksame Reisenden aber ahnen, dass dies kein gewöhnliches stillgelegtes Gleis ist. Es handelt sich um ein  Kunstwerk von Lois Weinberger. Zur documenta X hat der renommierte österreichische Künstler das Gleis mit Neophyten bepflanzt. Neophyten – das sind fremdländische, eingewanderte Pflanzen. Seither liefern sich die „Fremdlinge“ auf dem Gleisbett einen Wettstreit mit einheimischen Unkräutern und Sträuchern, die sich dort normalerweise breitmachen würden. Ein klarer Fall für Christian Saehrendt. Ist das Kunst, oder kann das weg?

„Hauptsache Kultur“ berichtet über Kulturhighlights in Hessen, über Trends und Tendenzen, über Skandale und Flops. Das aktuelle Kulturmagazin stellt aufregende Macher der hessischen Kulturszene vor, blickt hinter die Kulissen, mischt sich meinungsstark in Debatten ein: aktuell, überraschend, kontrovers. Präsentiert wird das Kulturmagazin von Cecile Schortmann.

Marco Möller
Marco Möller Bild © hr/Ben Knabe

Pressereferent hr-fernsehen und Das Erste
Marco Möller
Telefon: +49 (0)69 155-4401
E-Mail: marco.moeller@hr.de