Christian Saehrendt
Kasselaner und Kunsthistoriker Christian Saehrendt Bild © hr/Helena Saehrendt

Am Donnerstag, 8. Juni, berichtet „Hauptsache Kultur“ um 22.45 Uhr im hr-fernsehen von der documenta 14, begleitet in seiner Sonderausgabe unter anderem den Künstler Olaf Holzapfel, der Holzskulpturen im Kasseler Auepark aufstellt, und erkundet mit dem Kasselaner Christian Saehrendt die morbiden Seiten der documenta-Stadt. Das Kulturmagazin mit Moderatorin Cécile Schortmann lässt außerdem noch einmal die Tops und Flops der documenta-Geschichte Revue passieren und Anekdoten, Stars und Skandale von einst wieder aufleben.

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Wie die wichtigste Schau moderner Gegenwartskunst Kassel bewegt

Am 10. Juni geht es – nach dem April-Start in Athen – endlich offiziell los, es ist die große Stunde der 200.000 Einwohner zählenden Stadt. Wie bereitet sich Kassel auf die 14. documenta vor? Und was bewegt die Einwohner neben dem großen Ereignis? Auf dem Weg durch Kassel entdeckt „Hauptsache Kultur“ documenta-Kunstwerke auf Schritt und Tritt. Der Illustrator Markus Lefrançois erkundet die Heimat der Brüder Grimm, deren Märchen er künstlerisch illustriert hat. Er führt unter anderem in die Südstadt, das aktuelle Szeneviertel, in dem sich Künstler, Kuratoren und Kreative treffen. Nicht weit entfernt hat der Bildhauer Stephan Balkenhol sein Atelier. Vor fünf Jahren sorgte er mit seiner Skulptur auf dem Turm der Sankt-Elisabeth-Kirche für Streit und wurde damit quasi zum populärsten documenta-Künstler des Jahres, ohne jemals von der documenta eingeladen worden zu sein. „Hauptsache Kultur“ zeigt, wie sich Kassel auf die weltweit bedeutendste Ausstellung für zeitgenössische Kunst vorbereitet.

Butter bei die Fische – Was zeigt die documenta 14?

35 Ausstellungsorte können die Besucher in Kassel ansteuern, an öffentlichen Institutionen, Plätzen, Kinos und Universitätsstandorten stellen mehr als 160 internationale Künstler ihre Arbeiten vor. Vom KulturBahnhof über den Friedrichsplatz bis zur eigens für die documenta verhüllten Torwache – die Ausstellungsorte sind täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Vor allem im öffentlichen Raum zeichnen sich schon seit Wochen einige Highlights ab: allen voran der „Parthenon der Bücher“ der Argentinierin Marta Minujin auf dem Friedrichsplatz, für den jeder Bücher spenden konnte. Weitere spektakuläre Außenkunstwerke sind schon jetzt die Verhüllung der beiden Torwachen-Gebäude mit Jutesäcken durch den Ghanaer Ibrahim Mahama und das aus Abwasserröhren nachgebaute Flüchtlingscamp des Deutsch-Irakers Hiwa K. an der documenta-Halle. „Hauptsache Kultur“ zeigt die documenta 14 in Fakten und gibt Tipps für die Highlights einer der größten Kunstausstellungen der Welt.

„Schneewittchen und der kopflose Kurator“ – Ein Dark-Wave-Reiseführer für documenta-Besucher weist den Weg zu Kassels morbider Seite

Kassel: Die schaurig-schöne im Norden Hessens. Angefangen hat ihre documenta-Berühmtheit ganz düster: Inmitten von Schutt und Asche, nach dem Krieg, als 1955 einige Kunstenthusiasten um Arnold Bode in der fast völlig zerstörten Stadt eine einmalige Schau zeitgenössischer Kunst organisierten. „Seither führt Kassel das Leben eines Maikäfers: fünf Jahre lang als weißgrauer Wurm in Dunkelheit wühlen, um ein paar kurze Wochen durchs schimmernde Sonnenlicht zu flattern“, schreibt der Kunsthistoriker und Kasselaner Christian Saehrendt in seinem neuen Buch „Schneewittchen und der kopflose Kurator“. Es ist eine Art Reiseführer, in dem der Autor den morbiden Charme der nordhessischen Provinzmetropole herausschält, gedacht als Wegweiser für documenta-Besucher, Romantiker und Horrorfans, die sich nicht scheuen, die schaurige und düstere Seite der documenta-Stadt kennenzulernen. Eine Liebeserklärung an seine Stadt auf die harte Tour, sagt Saehrendt, und er liefert nicht die üblichen Sightseeing-Tipps, sondern fordert den Leser auf, sich zu bewegen und auf die schaurig-schöne Seite seiner Heimatstadt Kassel einzulassen. „Hauptsache Kultur“ begibt sich mit dem Autor Christian Saehrendt auf Reise und muss auf dem Weg zum documenta-Märchen zunächst das hessische Bergland durchqueren.

Vom Kopfschütteln und Jubeln – Die Geschichte der documenta in Tops und Flops

Genz ehrlich: Niemand muss alle Kunstwerke der documenta verstehen. Manchmal darf auch herzhaft gelacht werden. Manchmal darf auch über die gelacht werden, die über die Kunstwerke lachen - und manchmal berührt uns die Kunst und macht einfach sprachlos. „Hauptsache Kultur“ nimmt die Zeitmaschine und reist zurück zu den Merkwürdigkeiten, den Skurrilitäten und Skandalen der vergangenen Jahrzehnte. Über Joseph Beuys und seine 7000 Eichen von 1982 haben viele zum Beispiel damals den Kopf geschüttelt, heute ist ganz Kassel stolz auf dieses außergewöhnliche Kunstwerk, das sich über die komplette Stadt verteilt. Wir schlendern mit fröhlichen Putzfrauen über die documenta 6 im Jahr 1977 und fragen, wie es Catherine David – die Kuratorin der documenta X – geschafft hat, die komplette Ausstellung zum Gesamtkunstwerk werden zu lassen.

Olaf Holzapfel – Der Künstler, der das Holz sprechen lässt

Wenn er nicht gerade die Welt bereist in ihre entferntesten Winkel und Kulturen, dann steht er in seinem Atelier, denkt genau darüber nach, über seine Erfahrungen, Erlebnisse, und stellt diese in ganz neue künstlerische Zusammenhänge. Olaf Holzapfel ist ein Denker, der seine Gedanken und Analysen in klare, strukturierte Kunst umsetzt. Das können dann nackte Dachstühle im Wald sein, kraft- wie kunstvoll geschlungene Bilder aus Heu oder auch Heuballen in der City. Auf der documenta 14 wird er mit Bildarbeiten vertreten sein und mit einer Holzskulptur im Kasseler Auepark. „Hauptsache Kultur“ begleitet den Künstler und dokumentiert den Entstehungsprozess der Skulptur von den ersten Ideen und Skizzen, die in seinem Atelier entstanden, über die Auswahl des Holzes – 54 Meter hohe Douglasien, geschlagen in der Nähe von Kassel – bis zu den Aufbauarbeiten am Ausstellungsort.

Marco Möller
Marco Möller Bild © hr/Ben Knabe

Pressereferent hr-fernsehen und Das Erste
Marco Möller
Telefon: +49 (0)69 155-4401
E-Mail: marco.moeller@hr.de