Szene aus dem Stück "Grenzen-Los", Velvets Theater/Wiesbaden
Szene aus dem Stück "Grenzen-Los", Velvets Theater/Wiesbaden Bild © hr/Velvets Theater

Nackte Tatsachen in Neu-Isenburg, ein verführerisches Museum in Offenbach, Deutschlands einziges Schwarzes Theater in Wiesbaden und eine Kochbuchsammlung der besonderen Art in Darmstadt – das sind unter anderem die Themen der aktuellen Ausgabe von „Hauptsache Kultur“ am kommenden Donnerstag, 4. Mai, um 22.45 Uhr im hr-fernsehen.

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Deutschlands einziges Schwarzes Theater – Die Velvets, seit 50 Jahren Magier der Puppen und des Lichts

Es ist die einzige feste Bühne mit Schwarzem Theater in Deutschland: Das Velvets Theater in Wiesbaden. Velvets – die Samtenen – nennen sie sich, denn die Darsteller tragen schwarzen Samt, während sie vor einem schwarzen Vorhang agieren und ihre Puppen zum Leben erwecken. Seit nunmehr 50 Jahren verzaubern Dana Buvková und Bedrich Hányš mit ihrem Schwarzen Theater ihr Publikum. In Prag, an der Akademie der Musischen Künste, hatten sie sich kennen gelernt, gründeten 1967 ihr eigenes Schwarzes Theater. Ein Jahr später, nachdem der Prager Frühling gescheitert war, verließen sie ihre Heimat, und nach Stationen in Italien, Frankreich, England, der Schweiz und den Bahamas, ließen sie sich in Wiesbaden nieder. Das Stück „Grenzen-Los“ erzählt ihre bewegte Geschichte. Dauerbrenner unter ihren poetischen Stücken sind „Der kleine Prinz“ und „Die Zauberflöte“. Darin vereinen sich Gestik, Masken, Marionetten und Effekte zu einem magischen Schein, der in Deutschland einzigartig ist. Tochter Barbara Naughton, ausgebildete Musicaldarstellerin, die schon am Staatstheater Kassel und im Fritz Rémond Theater spielte, hat jetzt die Geschäftsführung übernommen, die Zukunft des Theaters ist also gesichert. Zurzeit bereitet das Ensemble sein Jubiläumsstück „Der blaue Vogel“ vor, Premiere hat es im Mai.

Museumscheck: Wie verführerisch ist das Ledermuseum in Offenbach?

Leder zieht uns an, macht Lust: sein Geruch, seine Anschmiegsamkeit, seine Härte. Kaum ein anderes Material verführt und verschreckt zugleich. Seit tausenden von Jahren schreiben Menschen ihrer „zweiten Haut“ eine erotische Symbolkraft zu. Ob Schuhe, Gewänder, Taschen oder andere Gegenstände aus allen Zeiten und Teilen der Welt – im Deutschen Ledermuseum, das seit 100 Jahren in Offenbach besteht, sind sie zu bewundern. Aber wie faszinierend ist Leder mal nicht auf der Haut, sondern im Museum? „Hauptsache Kultur“ hat das Ledermuseum in Offenbach besucht und überrascht mit einer ganz besonders verführerischen Bewertung ...

Kann das weg? – Adam und Eva im Paradies in Neu-Isenburg

Ein jeder kennt sie, die kuriosen – und häufig amüsanten – Geschichten von Kunstwerken, die nicht als solche erkannt und so zum Opfer übereifriger Putzkräfte wurden. Joseph Beuys‘ berühmt berüchtigte „Fettecke“ ist sicherlich das prominenteste Beispiel dafür, was passieren kann, wenn Künstler mit ihren Werken an einem allgemeinen, klassischen und vielleicht auch massenkompatiblen Kunstverständnis anecken. Frei nach dem Motto „Ist das Kunst, oder kann das weg?“ begibt sich der Kunsthistoriker, Publizist und gebürtige Kasselaner Christian Saehrendt für „Hauptsache Kultur“ auf die Suche nach Kunstwerken im öffentlichen Raum. – In einem Teich im Bansapark von Neu-Isenburg stehen auf einer Insel zwei Nackte. Es sind die Skulpturen Adam und Eva. Eva räkelt sich auf dem Boden, Adam steht aufrecht vor ihr, nähert sich scheinbar vorsichtig und neugierig der liegenden Schönheit. Manche Parkbesucher sind vom Anblick irritiert: Was hat es auf sich mit den zwei freizügigen Holzfiguren? Es ist das Werk der Darmstädter Bildhauerin Susanne Auslender. Sie hatte das Paar „Adam und Eva“, 2004 der Siegerentwurf des Wettbewerbes „Kunst vor Ort“ im Landkreis Offenbach, in einer öffentlichen Aktion geschaffen. Passanten konnten der Künstlerin bei der täglichen Arbeit zusehen, wie sie mittels Motorsäge Adam und Eva erschuf. Beide sind aus dem gleichen Holz, wirken immer schön gebräunt. Und sie sind immer wieder Zielobjekt von Vandalismus. Ist das Kunst oder kann das weg? Kunstkenner Christian Saehrendt geht dem Fall nach.

Du bist, was du isst? – Eine Reise durch die deutsche Gesellschaft anhand von Kochbüchern

Es scheint ein Paradox zu sein: Noch nie war das Angebot an Lebensmitteln und nützlichen Küchengeräten so groß wie heute. Gleichzeitig wird immer weniger gekocht. Wie steht es um unsere Gesellschaft, wenn wir uns teure Hochglanz-Küchen kaufen, diese aber gar nicht benutzen? Sind wir alle nur Selbstblender, die im Internet lediglich schöne Essfotos posten? Oder suchen wir doch noch im Kochen eine Art Ruhepol? Mit solchen Fragen beschäftigt sich Jana Rückert-John. Die Ernährungssoziologin untersucht, wie sich unser Essverhalten in den Jahrzehnten verändert hat und welche Rückschlüsse auf unsere Gesellschaft gezogen werden können. Ein Hilfsmittel für sie: Kochbücher. Diese seien „ein Spiegel der Gesellschaft“, mit deren Hilfe man ablesen könne, wie gut es den Menschen geht. Selbst heute noch gelte das alte Credo: Du bist, was du isst. Davon kann auch der Lebensmittelchemiker Jürgen Budde berichten. In seinem Haus in Darmstadt hat der passionierte Hobbykoch rund 400 Kochbücher gesammelt. Originale und Faksimiles alter Werke, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. „Hauptsache Kultur“ hat sich mit Jana Rückert-John und Jürgen Budde auf eine kulturelle Zeitreise begeben und geschaut, wo sich unser heutiges Essen von den Kochgewohnheiten von früher unterscheidet. Und wo es Gemeinsamkeiten gibt.

„Hauptsache Kultur“ berichtet über Kulturhighlights in Hessen, über Trends und Tendenzen, über Skandale und Flops. Das aktuelle Kulturmagazin stellt aufregende Macher der hessischen Kulturszene vor, blickt hinter die Kulissen, mischt sich meinungsstark in Debatten ein: aktuell, überraschend, kontrovers. Präsentiert wird das Kulturmagazin von Cécile Schortmann.

Marco Möller
Marco Möller Bild © hr/Ben Knabe

Pressereferent hr-fernsehen und Das Erste
Marco Möller
Telefon: +49 (0)69 155-4401
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