Sommerinterview 2017 Tarek Al-Wazir
Tarek Al-Wazir wurde von Ute Wellstein im Offenbacher Boxclub Nordend interviewt. Bild © hr

Für das von der Schließung bedrohte Landgestüt in Dillenburg besteht noch Hoffnung. Im hr-Sommerinterview nahm Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (B´90/Die Grünen) die Stadt Dillenburg in die Pflicht.

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zum Download Foto: Tarek Al Wazir im hr-Sommerinterview

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Bisher wird die beabsichtigte Schließung damit begründet, dass die Pferde des Gestüts nicht ausreichend oft auf der Weide frei laufen können. Das forderten die Tierschutzgesetze, lautet die Begründung der Landesregierung. „Es gab auch Debatten mit der Stadt, städtisches Gelände zur Verfügung zu stellen, das dann aber auch nicht mehr für die Bürgerinnen und Bürger nutzbar ist. Das wollte die Stadt nicht. (…) Wir müssen die Tierschutzgesetze einhalten. Wenn uns die Stadt erklärt, dass sie bereit dazu ist, dann kann man darüber reden“, sagte Al-Wazir im hr-fernsehen. Das erfordere aber auch jährliche Millionen-Subventionen. Wenn die Mehrheit das so sehe, könne man das so machen. Der Rechnungshof sehe es allerdings anders. 

Die Ergebnisse des Diesel-Gipfels beurteilt Al-Wazir kritisch. Das dort Beschlossene sei nicht falsch, aber vermutlich nicht ausreichend: „Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, Kontrolle ist dringend nötig. Es muss real gesehen werden, was die Nachrüstungen bringen, ob Software-Updates reichen. Ich bin da sehr skeptisch. Ich glaube, am Ende muss man an der Hardware der bestehenden Fahrzeuge etwas verändern.“ Das sehe er auch deutlich skeptischer als sein Koalitionspartner, Ministerpräsident Volker Bouffier.

Für den Flughafen Kassel Airport (Kassel-Calden) wird dieser Sommer der Sommer der Wahrheit werden. Der Koalitionsvertrag zwischen B´90/Die Grünen und CDU sieht vor, dass in diesem Jahr über die Zukunft des Flughafens entschieden werden soll. Verkehrsminister Al-Wazir fordert, nicht nur das Defizit zu reduzieren, sondern auch eine erfolgreiche Fluggesellschaft dort zu haben. „Es ist auch kein Geheimnis, dass die Fluggesellschaft, die jetzt von dort aus fliegt, Erfolg haben muss. Der Flughafen hat noch mal eine Chance bekommen. Aber es ist auch völlig klar, wenn das wieder nichts wird, ist auch eine Abstufung nicht ausgeschlossen. Langfristig muss auch eine Perspektive da sein. Ein Verkehrsflughafen, der auf die Dauer keine Passagierflüge hat, der muss kein Passagierflughafen sein. Deswegen kommt es sehr darauf an, was diesen Sommer passiert.“

Sein eigener Lebensweg vom „Offenbacher Bub mit Migrationshintergrund“ zum Hessischen Minister macht ihn nicht stolz, sagt er im Sommerinterview. „Aber ich finde schon, dass es ein Beispiel ist, dass wir eine funktionierende Demokratie sind. Als ich geboren wurde, war nicht klar, wo mein Weg endet. Ich finde, wenn wir uns allein die letzten beiden Bundeskanzler angucken: Weder Gerhard Schröder noch Angela Merkel wussten ja, dass sie „mal oben landen“. Manchmal muss man darauf hinweisen, was für eine tolle Einrichtung die Demokratie ist.“

Sprachlos machte den sonst so wortgewaltigen Al-Wazir die Frage in der Schnellfragerunde: Was ihm lieber sei, FDP oder Linke? „Oh Gott, weder noch…“, lachte er.

Das Interview führte Ute Wellstein, Leiterin des hr-Fernsehstudios im Landtag. Eine Zusammenfassung des Gesprächs zeigt die „Hessenschau“ am heutigen Sonntag um 19.30 Uhr. Das gesamte Interview strahlt das hr-fernsehen am Montag, 7. August, um 22.45 Uhr aus.

Christian Bender
Christian Bender Bild © hr/Ben Knabe

Pressereferent hr-fernsehen und Das Erste
Christian Bender
Telefon: +49 (0)69 155-2290
E-Mail: christian.bender@hr.de