Die Schriftstellerin Julia Wolf
Die Schriftstellerin Julia Wolf Bild © Franziska Rieder

Die in Groß-Gerau geborene Schriftstellerin Julia Wolf, der abgebrannte Goetheturm, zwei Ausstellungen in Frankfurt und der morbide Charme Kassels – das sind unter anderem die Themen der aktuellen Ausgabe von „Hauptsache Kultur“ am kommenden Donnerstag, 19. Oktober, um 22.45 Uhr im hr-fernsehen.

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Von Schwimmbädern, Scheidungen und Strip-Clubs – Wie die Schriftstellerin Julia Wolf der bürgerlichen Kleinfamilie den Mittelfinger zeigt

Julia Wolf pflegt einen außergewöhnlichen, kunstvoll durchkomponierten Schreibstil. Und sie startet damit durch: Gleich ihr zweiter Roman hat es auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2017 geschafft. Er heißt „Walter Nowak bleibt liegen“. Darin versetzt sich die Mittdreißigerin in Kopf und Körper eines fast doppelt so alten Rentners, der nach einem Schwimmbad-Unfall im Badezimmer seiner Friedberger Villa auf sein gescheitertes Leben zurückblickt. Er ist geschieden, sein Sohn meidet ihn, und seine beiden Frauen, die Ex- und die Noch-Ehefrau, kommentieren seine wirren Eskapaden nur mit „Ach Walter“. Auch in ihrem ersten Roman „Alles ist jetzt“ ist die Hauptfigur einer Scheidung zum Opfer gefallen, auch hier trifft es die ganze Familie ins Mark. Die junge Tochter Ingrid zieht es ins Frankfurter Rotlichtviertel, sie wird Barkeeperin in einem Strip-und-mehr-Club. Menschen in der Krise, die sich selbst zu verlieren drohen, weil ihnen die Familie keine Stabilität mehr geben kann – das ist Julia Wolfs Thema. Die Schriftstellerin wurde 1980 in Groß-Gerau geboren – und ist selbst ein Scheidungskind. Warum in ihren Romanen die Eltern ihre Verwundungen an die Kinder weitergeben, fragt „Hauptsache Kultur“ begleitet Julia Wolf bei einem Streifzug durchs Freibad und das Frankfurter Rotlichtviertel.

Julia Wolf ist am Freitag, 20. Oktober, um 19.30 Uhr zu Gast beim „Heimspiel im Literaturland Hessen“ von hr2-kultur im Badehaus 2 in Bad Nauheim.

Unendlich traurig – Warum ist der Goetheturm abgebrannt?

Es gab einige Frankfurter, die ihre Tränen nicht zurückhalten konnten, als sie die Nachricht erreicht hatte: Der Goetheturm ist abgebrannt. Den Zweiten Weltkrieg hatte der Holzturm von 1931 überstanden, Stürme ausgehalten, jetzt ist er nur noch ein Haufen Asche. Am schlimmsten ist der Verdacht, dass das Wahrzeichen Opfer eines Brandstifters geworden sein könnte. Aber wer macht so was? Wer löscht einen Ort aus, der Generationen als Ausflugsziel galt, der für Vergnügen, Entspannung und einen großartigen Blick auf die Frankfurter Skyline und den Taunus stand? Die Kriminalpsychologin Michaela Schätz befasst sich mit der Psyche von Feuerteufeln, Menschen, für die es eine Sucht zu sein scheint, mit großen Bränden Aufmerksamkeit zu erreichen. Ist es für die Kriminalpsychologin schlüssig, die Brände des koreanischen Pavillons im Frankfurter Grüneburgpark, des chinesischen Pavillons im Bethmannpark sowie eines Aussichtsturms in Kelkheim im Taunus zusammenzubringen? Michaela Schätz erklärt in „Hauptsache Kultur“, was hinter dem mutmaßlichen Brandanschlag auf den Goetheturm stecken könnte.

Kassels morbider Charme – Von scheintoten Prinzessinnen und Hessens ältester Pathologie

Kassel, die Stadt in Nordhessen, wird ab und an belächelt. Schon Loriot machte seine Witze: „Kennen Sie Kassel? – Ach was.“ Das ist wohl auch das Problem. Kassel, die ewig Unterschätzte! Alle paar Jahre ist die Stadt der Nabel der Welt, wenn die documenta die Region belebt, den Rest der Zeit über wirkt die Stadt, nun ja, sehr beschaulich. Gemeine Zungen soll man sogar schon sagen gehört haben: „Hier liegt der Hund begraben, hier möchtest du nicht tot überm Zaun hängen ...“. Solche Menschen sind sicher schwer vom Gegenteil zu überzeugen. So ein Ruf lässt sich wahrlich schwer abschütteln. Aber warum nicht die Flucht nach vorne antreten? Vielleicht liegt genau darin eine Stärke? Vielleicht ist es gerade der morbide Charme, der die nordhessische Metropole zu etwas ganz Besonderem macht. Ist es nicht irgendwie schaurig schön in Kassel? Die Heimat der Brüder Grimm. Unter ihrer Feder starben Prinzen und Prinzessinnen! Hier hat der Tod gar sein eigenes Museum! Und im Sezieren von Leichen blickt Kassel auf eine lange Tradition! „Hauptsache Kultur“ besucht die älteste Pathologie Deutschlands am Klinikum Kassel, das Museum für Sepulkralkultur und die Grimmwelt.

Wenn das Gefühl das Wissen schlägt – Virtuelle Welten im Frankfurter Kunstverein

Wie ist es auf einem schmalen Brett hoch oben zwischen zwei Hochhäusern zu balancieren? Wie fühlt es sich an, um sein Leben zu rennen? Wie gruselig ist es, einen realen Tatort zu betreten? Solche Erlebnisse im Grenzbereich können im Kunstverein Frankfurt gemacht werden. Alles virtuell, aber täuschend echt. Die Künstler in der Ausstellung „Perception is Reality: Über die Konstruktion von Wirklichkeit und virtuelle Welten“ wollen zeigen, wie wir uns durch Computeranimationen täuschen lassen und wo sie uns im Leben helfen können. Kriminalermittler haben z. B. die Möglichkeit, digital erfasste Tatorte virtuell zu begehen, sie zeit- und ortsunabhängig zu untersuchen. Die Ausstellung ermöglicht zum ersten Mal für den Laien die Einsicht in diese Technik. Die Ausstellung will aber auch zum Nachdenken anregen, inwiefern der Betrachter auch manipuliert und beeinflussbar werden kann. Mit seinen Sinnen erfährt der Besucher die Grenzen zwischen wirklicher und künstlicher Welt, und das ganz exklusiv, denn der Kunstverein Frankfurt ist eines der ersten Ausstellungshäuser in Deutschland, die dieses neue Medium, Virtual Reality, in eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst integriert. „Hauptsache Kultur“ zeigt, wie täuschend echt sich die virtuelle Zukunft anfühlt, und fragt nach: Wer wird diese Technik weiterentwickeln und mit welcher Intention? Wie wird sich unsere Vorstellung von Wirklichkeit dadurch radikal verändern?

Die Ausstellung „Perception is Reality: Über die Konstruktion von Wirklichkeit und virtuelle Welten“ ist noch bis zum 7. Januar 2018 im Frankfurter Kunstverein zu sehen.

Ein Leben lang unzertrennlich: Matisse & Bonnard im Frankfurter Städel

Es war eine Freundschaft fürs Leben, die beiden Künstler Henri Matisse und Pierre Bonnard waren 40 Jahre lang befreundet. Sie waren fast gleich alt, beide erfolgreich, und trotzdem ist ihr Stil völlig unterschiedlich. Ihre Kunst wird sogar verschiedenen Epochen zugerechnet. Auch hatten die beiden Maler völlig unterschiedliche Charaktere. Bonnard, der zurückgezogene, Matisse der extrovertierte Lebemann. Und trotzdem ist diese tiefe Freundschaft und die große Bewunderung, die beide Künstler füreinander empfanden, in ihren Bildern zu spüren. Viele Werke beziehen sich aufeinander, häufig tauchen ähnliche Motive auf, und immer wieder ist es der pure Farbrausch, der den Betrachter fasziniert. Die Gegensätze und Gemeinsamkeiten, die diese Künstlerfreundschaft ausmachen, sind gerade im Städel Frankfurt zu sehen. „Es lebe die Malerei!“ hat Henri Matisse auf eine Postkarte geschrieben, die er an Pierre Bonnard 1925 geschickt hat. Und so heißt auch die Ausstellung. „Hauptsache Kultur“ hat sie besucht und zeigt, wie inspirierend eine Freundschaft fürs Leben sein kann.

Die Ausstellung „Es lebe die Malerei!" ist noch bis zum 14. Januar 2018 im Frankfurter Städel Museum zu sehen.

„Hauptsache Kultur“ berichtet über Kulturhighlights in Hessen, über Trends und Tendenzen, über Skandale und Flops. Das aktuelle Kulturmagazin stellt aufregende Macher der hessischen Kulturszene vor, blickt hinter die Kulissen, mischt sich meinungsstark in Debatten ein: aktuell, überraschend, kontrovers. Präsentiert wird das Kulturmagazin von Cécile Schortmann.

Marco Möller
Marco Möller Bild © hr/Ben Knabe

Pressereferent hr-fernsehen und Das Erste
Marco Möller
Telefon: +49 (0)69 155-4401
E-Mail: marco.moeller@hr.de