Vias-Krisenhelfern Sybille Diehl und Thomas Pfeifer
Sybille Diehl und Thomas Pfeifer kümmern sich nach Schienensuiziden um die Lokführer. Bild © hr/Anikke Fischer

Wenn sich Menschen vor einen Zug werfen, dann helfen die Krisenberater von Vias. In einem solchen Fall ist der Lokführer das Opfer, sagt einer von ihnen im Interview mit hessenschau.de.

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Bis zu fünf Selbstmorde gibt es pro Jahr auf der Strecke der Odenwaldbahn zwischen Frankfurt und Michelstadt. Nach jedem Fall kümmern sich auch die Krisenberater des Eisenbahnunternehmens Vias um die Lokführer. „Beim Schienen-Suizid ist der Lokführer das Opfer“, sagt der Lokführer und Krisenberater Thomas Pfeifer im Interview mit hessenschau.de. „Die Menschen, die sich vor einen Zug werfen, haben vielleicht ein hartes Schicksal gehabt, das tut uns allen leid, aber der Lokführer ist derjenige, der es ausbaden muss. Manche Lokführer sind danach für den Rest ihres Lebens fertig.“ Suizide lassen sich nicht verhindern, sagt Pfeifer. „Mit einem 78 Tonnen schweren Koloss und einem Bremsweg von 1.000 Metern hat man keine Chance.“

Zugführer muss wieder an der Unfallstelle vorbeifahren

Die häufigsten Folgen für Zugführer nach einem Selbstmord auf ihrer Strecke seien Unruhe, Schlafstörungen und ein veränderter Konsum von Kaffee, Zigaretten und Alkohol. Wichtig sei aber, dass die Betroffenen schnell wieder selbst Zug fahren, spätestens nach drei Tagen. „Der Lokführer muss noch einmal genau an der Unfallstelle vorbeifahren, egal was es kostet. Es ist nötig, dass er es noch einmal durchlebt, damit er damit abschließen kann. Entweder er packt es, oder er packt es nicht. Wenn er es nicht schafft, müssen wir Schritte einleiten wie eine Behandlung in einer Traumaklinik und Betreuung durch einen Psychologen“, sagt Pfeifer. Manche Lokführer verkraften einen solchen Vorfall dennoch nicht und müssen ihren Beruf aufgeben.

Das Vias-Krisenteam gibt es seit 2012 und besteht aus fünf Ehrenamtlichen. Sie werden bei Unfällen und Selbstmorden auf den Strecken der Odenwaldbahn gerufen. Dabei handelt es sich nicht um Seelsorger, sondern um Kollegen, die den Betroffenen bei traumatischen Ereignissen helfen und sie begleiten.

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Michael Draeger
Bild © hr/Ben Knabe

Pressereferent hr-fernsehen und hessenschau
Michael Draeger
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