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In den vergangenen Jahren sind allein in Hessen mehr als ein halbes Dutzend Menschen gestorben, weil sie im Straßenverkehr durch Handy oder Kopfhörer abgelenkt waren, wie Recherchen von hessenschau.de ergaben.

In Babenhausen starb ein 16-jähriges Mädchen an einem Bahnübergang, vermutlich, weil sie den Zug überhörte. In Frankfurt wurde ein Mädchen trotz roter Ampel von einem Auto schwer verletzt. Beide trugen wahrscheinlich Kopfhörer. Nur zwei Beispiele aus den vergangenen Tagen. Auch die Frankfurter Polizei hat eine Zunahme solcher Unfälle registriert. „Die Ablenkung im Straßenverkehr spielt eine immer größere Rolle“, sagte ein Polizeisprecher dem Nachrichtenportal des Hessischen Rundfunks.

Ablenkung im Straßenverkehr: Gefahren werden ignoriert

Studien zeigen: Schon das Hören leiser Musik mit Kopfhörern im Straßenverkehr birgt Gefahren. Das Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG) hat herausgefunden, dass sich die Reaktionen unter Musikbeschallung deutlich verlangsamen. Dennoch radelt fast jeder Zweite bis zu einem Alter von 34 Jahren regelmäßig oder manchmal mit Knopf im Ohr, wie eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos ergab. Unter jungen Fußgängern liegt der Anteil der Kopfhörerträger sogar deutlich über 50 Prozent. Zwei Drittel der Unfälle mit Stöpseln im Ohr oder Kopfhörern passieren Jugendlichen, fast 90 Prozent davon im städtischen Bereich.

Experten stehen Kopfhörerverbot kritisch gegenüber

Obwohl das Unfallrisiko mit Kopfhörern im Straßenverkehr massiv steigt - ein Kopfhörerverbot ist umstritten. „Wir sind nicht der Meinung, dass der Gesetzgeber gefordert ist, hier unbedingt etwas zu machen. Der Problemdruck ist auch nicht so groß, dass wir den allergrößten Handlungsdruck sehen“, erklärte Bertram Giebeler, der verkehrspolitische Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Frankfurt.

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) steht einem Verbot, das vom Bund beschlossen werden müsste, ebenfalls skeptisch gegenüber. „Ein Verbot macht ja nur Sinn, wenn es entsprechend kontrolliert wird“, sagte ein DVR-Sprecher hessenschau.de. Der Verkehrssicherheitsrat setze eher auf Präventionsarbeit statt auf strikte Reglementierung. „Man kann nur appellieren, im Straßenverkehr keine Kopfhörer und Handys zu benutzen.“

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Hartmut Hoefer
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