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„Ja, so etwas macht einen stolz. Es ist eine große Ermutigung. Man braucht eine Weile, das einzuordnen, und das Glück sickert langsam ein.“ Das sagte Jan Wagner im Gespräch mit Catherine Mundt im „hr2-Kulturcafé“. Am Samstag, 28. Oktober, erhält der 1971 in Hamburg geborene Lyriker, Essayist und Übersetzer in Darmstadt den mit 50.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis 2017.

Hauptsache, im Gedicht passiert etwas Aufregendes

Auf die Frage, was seine Gedichte mit seiner Person zu tun hätten, sagte Jan Wagner: „Das ist das Schöne am Schreiben von Gedichten: Es geht nicht darum, jedenfalls bei mir nicht, Gedichte zu gebrauchen, um irgend etwas auszudrücken, was mit mir selbst oder meinen Gefühlen oder Gedanken zu tun hätte. Sondern darum, dass im Gedicht etwas Aufregendes geschieht, mit Sprache, mit Welt. Das Ich, das im Gedicht natürlich auftaucht, hat in der Regel wenig mit dem Autoren-Ich zu tun, sondern ist im Grunde eine herrliche Maske, die man aufsetzen kann.“ So könne man zum Beispiel sprechen als ein längst gestorbener Naturwissenschaftler oder ein Dichter der Tang-Dynastie.

Man weiß nie, wie man zu einem Text gelangt

In der Jurybegründung heißt es unter anderem, die Gedichte von Jan Wagner ließen Augenblicke entstehen, in denen sich die Welt zeige, als sähe man sie zum ersten Mal. Über die Art und Weise, dies zu erreichen, sagte Jan Wagner: „Es gibt kein Geheimrezept, weil jedes Gedicht einen neuen Weg bietet. Das ist das Herrliche beim Schreiben von Gedichten, dass man nie weiß, auf welchen Wegen man beim nächsten Mal zu einem Text gelangt, der einen selbst überrascht und begeistert, und der einen selbst die Sprache und die Welt neu wahrnehmen lässt.“

Zuviel Performance hilft Gedichten nicht

Jan Wagner begrüßte es, dass es die Lyrik in den vergangenen Jahren immer öfter auf die Bühne gezogen hat, etwa bei Poetry-Slams. „Ich glaube, man sollte Gedichte so gut wie möglich vortragen, weil man nur beim Vortrag auch die Sprachmusik wahrnimmt und Dinge, die nur im Klang angelegt sind“, so der mehrfach ausgezeichnete Wahl-Berliner im Gespräch mit hr2-kultur. „Aber es kann auch überhand nehmen. Und wenn die Performance den Text überdeckt, ist dem Gedicht auch nicht geholfen.“

Seit 1951 verleiht die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung den Georg-Büchner-Preis an herausragende Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Er wird finanziert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Stadt Darmstadt.

Das Gespräch mit dem Büchner-Preisträger 2017 Jan Wagner steht auf www.hr2-kultur.de als Podcast zur Verfügung.

Hanni Warnke
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