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„Es war wie der Ausstieg aus einer Sekte. Es war eine Befreiung“, sagt Heidi Benneckenstein, die in einer Familie mit nationalsozialistischer Ideologie aufgewachsen ist, über das Ende ihres Lebens im rechten Milieu. Am Sonntag, 22. Oktober, um 10 Uhr berichtet sie im hr3-Talk mit Bärbel Schäfer über ihren Werdegang und ihr Buch „Ein deutsches Mädchen – Mein Leben in einer Neonazi-Familie“.

Heidi Benneckenstein und ihre Schwester sind in einem bayerischen Dorf im Raum München aufgewachsen und von ihrem Vater im Sinne der Nazi-Ideologie erzogen worden: „Zu Hause gab es fast nur Bücher von nationalsozialistischen Verlagen“, sagt sie. Der autoritäre Vater übte physisch und psychisch Gewalt aus. „Für mich war die psychische Gewalt schlimmer. Der permanente Druck der Ausgrenzung. Er hat uns bei Fehlverhalten aus der Familie ausgeschlossen.“

Völkisches Brauchtum und altes Liedgut im Ferienlager

In hr3 erzählt die Aussteigerin von konspirativen Ferienlagern der mittlerweile verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) Ende der 90er-Jahre.  „Es ist ein geschlossener Kreis, in den man nicht einfach hineinkommt. In der HDJ wurden NS-Inhalte bis ins Detail vermittelt, das Dritte Reich wurde noch einmal aufgearbeitet, mit sämtlichen Führungspersönlichkeiten und Wehrmachtssoldaten, die sich ein Abzeichen verdient hatten. Es wurde altes Liedgut gelernt und völkisches Brauchtum gepflegt. Alle Strophen des Deutschlandlieds musste man auswendig lernen.“

Benneckenstein weiter: „Ziel ist es, die Kinder zu Neonazis zu erziehen, und am besten zur Elite der Neonazis. […] Viele ehemalige Mitglieder der HDJ oder der Wiking-Jugend sind heute führende Köpfe und haben ein weltweit hohes Ansehen innerhalb der Neonazi-Szene.“ Das HDJ-Verbot werde umgangen. „Es hält die Leute nicht davon ab, sich weiterhin in solchen Ferienlagern zu treffen“, erklärt sie.

„Es hat mich wütend gemacht, dass es keiner weiß“

„Mir ist nach meinem Ausstieg aufgefallen, dass sich ganze viele Leute unter der rechten Szene nichts vorstellen können. Es gibt niemanden in der Gesellschaft, der nur ahnt, dass es diese völkischen Kreise gibt, die sich so komplett verschließen und doch mitten in der Gesellschaft sind. Es hat mich wütend gemacht, dass es keiner weiß und es sich keiner vorstellen kann. Ich hoffe, ich kann zeigen, was da so abgeht.“

Für ihren Ausstieg, den sie gemeinsam mit ihrem damaligen Freund und heutigen Ehemann schaffte, gab es kein Schlüsselerlebnis. „Es war ein Prozess. […]  Wir haben lange gedacht, wir schaffen es alleine.“ Dann fanden beide Hilfe bei der staatlich finanzierten Aussteiger-Organisation „Exit“.

Der Talk als Sendung und Podcast

Das gesamte Gespräch mit Heidi Benneckenstein und Bärbel Schäfer ist am Sonntag, 22. Oktober, ab 10 Uhr in hr3 zu hören und steht nach der Sendung unter www.hr3.de als Podcast zur Verfügung.

Sebastian Huebl, Pressereferent
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Pressereferent hr3 und YOU FM
Sebastian Hübl
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