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Die Bemühungen der Bundesregierung um die Rückkehr von deutschen IS-Anhängerinnen aus Syrien sind ins Stocken geraten. Nach Recherchen von hr-iNFO ist davon auch die Frankfurter IS-Anhängerin Nadja R. betroffen. Sie hatte öffentlich an Kanzlerin Angela Merkel appelliert, sie mit ihren Kindern nach Deutschland zu holen.

Nadja R. und mehrere andere deutsche IS-Anhängerinnen sitzen nach Informationen von hr-iNFO mit ihren Kindern weiter in einem Lager der kurdischen Selbstverwaltung in Nord-Syrien. Der Grund ist offenbar, dass die Bundesregierung die faktische Regierung der kurdischen Miliz YPG bislang nicht als offiziellen Gesprächspartner akzeptiert. Wie hr-iNFO aus dem Umfeld der YPG erfuhr, erwartet die Miliz im Gegenzug für die Übergabe der Frauen und Kinder von der Bundesregierung ein Zeichen der politischen Aufwertung. Dem Vernehmen nach könnte dies in einer offiziellen Kontaktaufnahme bestehen. Dazu scheine die Bundesregierung aber bislang nicht bereit. Anfragen dazu hat das Auswärtige Amt bislang nicht beantwortet.

Nach Angaben der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ (GfbV) nimmt die Bundesregierung dabei Rücksicht auf die Türkei. Der Nahost-Experte der GfbV, Kamal Sido, meint: „Die Bundesregierung hat große Angst vor dem Zorn des türkischen Präsidenten Erdogan und vermeidet jeden Kontakt mit den Kurden in Nord-Syrien.“ Sogar bei humanitärer Hilfe halte sich die Bundesregierung deswegen zurück. Die YPG ist politisch eng mit der PKK verbunden. Die Türkei sieht in ihr eine Terrororganisation.

Nach Recherchen von hr-iNFO erwartet Nadja R. in Deutschland ein Verfahren wegen einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt teilte auf Anfrage mit, dass ein Verfahren zwar Anfang 2015 wegen unbekannten Aufenthalts vorläufig eingestellt wurde. Es werde aber fortgesetzt, sobald sie für die deutsche Justiz erreichbar sei.

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