Live-Gespräch hessen-extra am 3.9.
Live-Gespräch "Hessen Extra" vor der Feuerwache in Frankfurt. Bild © hr

Normalerweise berichten wir von Ereignissen in ganz Hessen – großen und kleinen. Wir planen und senden in der Regel aus dem Funkhaus, unserer Basis. Aber bei dieser Bombe mussten auch wir unser Gelände räumen und improvisieren.

"Einen historischen Tag für den Hessischen Rundfunk", nannte TV-Moderatorin Kristin Gesang das gestrige Ereignis und die Evakuierung des Senders. In der Tat: Noch nie hat der hr im Fernsehen eine Live-Strecke von über 15 Stunden bewältigt, ohne auf die technische Infrastruktur des Funkhauses zurückgreifen zu können. Noch nie wurde aus drei völlig unterschiedlichen Radioprogrammen für einen Tag ein ganz neues gemeinsames Hörfunkangebot – statt aus Frankfurt aus Kassel und mit einer einzigartigen Musikmischung. Und noch nie wurde in so freundschaftlich-kollegialer Atmosphäre und Hand in Hand eine solch logistische Meisterleistung aller beteiligten Gewerke bewältigt.

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hr-Sonderprogramm sehr erfolgreich

Das Sonderprogramm ist bei den Hessen auf riesiges Interesse gestoßen. [Pressemeldung]

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Carsten Staudt, Produktionsleiter und Leiter der Task-Force: "Über 300 Mitarbeiter haben am Wochenende die Produktion unserer Hörfunk-, Fernseh- und Onlineangebote sichergestellt. Dies war eine überaus beeindruckende Teamleistung." Manfred Krupp, Intendant des hr, zog ebenfalls ein positives Fazit: "Es war beeindruckend, mit welchem Einsatz die Kolleginnen und Kollegen mit dieser Ausnahmesituation umgegangen sind und den ganzen Tag für eine umfangreiche Berichterstattung gesorgt haben."

Evakuierung wegen Bombenentschärfung: hr meistert Ausnahmezustand
"Krisenzentrale" in einem Frankfurter Hotel. Bild © hr

Eine der größten Aufgaben war, all die eingespielten Prozesse auch außerhalb des hr an verteilten Standorten sicherzustellen. Die Programmverbreitung konnte nicht aus der Betriebszentrale am Dornbusch gesteuert werden. Es erfolgte ein Umzug mit den wichtigsten technischen Gerätschaften zum Feldberg. Michael Kesselring (Programmverbreitung): "Es war eine echte Herausforderung, in der Kürze der Zeit die Verbreitung all unserer Programme auf die verschiedenen Plattformen zu gewährleisten. Es konnten alle erforderlichen Anwendungen an allen Außenstudios und im Krisenzentrum zur Verfügung gestellt werden." "Dies war eine tolle Teamleistung, da wir übergreifend fast alle Herausforderungen dieser besonderen Situation erfolgreich meistern konnten", so Thomas Treichel, Abteilungsleiter IT-Applikationsservice, für die IT Vertreter im Krisenstab. "Ich bin wirklich stolz, dass wir es geschafft haben."

Der Knotenpunkt der ARD-weiten Sendeabwicklung musste auf den Havarie-Stützpunkt nach Mainz (ZDF) ausweichen. "Der Umstieg erfolgte reibungslos und lief auch inklusiv der Rückschaltung auf die Systeme am Dornbusch fehlerfrei. Ganz nebenbei mussten wir ja auch um 20:15 Uhr das Kanzler-Duell über unser Sendezentrum abwickeln", sagte Stephen Wagner, Leiter ARD-Sternpunkt.

Evakuierung wegen Bombenentschärfung: hr meistert Ausnahmezustand
Werner Reinke (hr1) bei der Moderationsübergabe in Kassel. Bild © hr

Auch bei den Hörfunkwellen mussten kreative Lösungen gefunden werden. Der Sendebetrieb wurde von Kassel über den ferngesteuerten Schaltraum im hr organisiert. hr-iNFO lieferte aktualisierte Informationen in Nachrichten und Reporterstücken, unterstützt von Kolleginnen und Kollegen in Wiesbaden am "Desk Information".

Evakuierung wegen Bombenentschärfung: hr meistert Ausnahmezustand
hr1/hr4-Musikchef Manfred Staiger und hr3-Moderator Mathias Münch in Kassel. Bild © hr

hr1, hr3 und hr4 sendeten erstmals ein gemeinsames Programm, das von der Hörerschaft liebevoll in "hr8" umbenannt wurde. Hörfunkdirektor Dr. Heinz Sommer: "Ich bin begeistert, welch einen tollen Empfang das Kasseler Studio den Frankfurter Kolleginnen und Kollegen bereitet hat. Die Stimmung war klasse!" In der Tat: Das Radioprogramm mit der Moderatoren-WG aus drei Wellen verbreitete schnell eine familiäre Atmosphäre. Mathias Münch legte um 6 Uhr los und übergab um 10 Uhr an Radiolegende Werner Reinke. Britta Lohmann (15 Uhr) und Andrea Losleben (19 Uhr) übernahmen den Staffelstab. Die für den ein oder anderen gewöhnungsbedürftige Musikmischung (auf "Anita" folgte "Despacito") wurde als einzigartiges Hörerlebnis in den Sozialen Netzwerken gefeiert. Eine Twitter-Nutzerin: "Der hr ist heute zusammengeschaltet, und es klingt, als hätte Casper besoffen mit Roberto Blanco geknutscht. Großartig. #Weltkriegsbombe." Allerdings wünschten sich viele Hörer das exotisch gemischte Programm auch nur für diesen einen Ausnahmetag und nicht für immer – und dies sehen sicher auch Manfred Staiger und Christian Bros so, die für das Musikprogramm verantwortlich waren. YOU FM und hr2-kultur sendete aufgrund der technischen Einschränkungen vollautomatisch ein vorproduziertes Programm.

Evakuierung wegen Bombenentschärfung: hr meistert Ausnahmezustand
Moderierten vor der Feuerwache in Frankfurt: Kristin Gesang und Andreas Gehrke. Bild © hr

Auch für das Fernsehen war der Tag eine besondere Herausforderung. Die Produktion wurde aus einem Ü-Wagen, der provisorischen Sendeabwicklung, von der Hauptfeuerwache in Frankfurt gesteuert. Katja Balzer hatte dort die Redaktionsleitung und koordinierte die Livesendung ab 6 Uhr morgens. Kristin Gesang und Andreas Gehrke moderierten den TV-Marathon beeindruckend eingespielt als Team. Aber das war nicht der einzige Standort, der nötig war, um die Herausforderung zu meistern.

Das Online-Team bezog in Wiesbaden das Landtagsstudio. Auf hessenschau.de konnte schon frühmorgens hohe Zugriffszahlen auf den Online-Angeboten und ein hohes Interesse der Hessen an der hr-Berichterstattung verzeichnen. Schon am Vormittag waren Nutzerzahlen erreicht, die sonst an einem durchschnittlichen Tag  innerhalb von 24 Stunden auflaufen. Auf hessenschau.de konzentrierte sich das Interesse besonders auf den Live-Ticker, in dem ständig mehrere Tausend Nutzer online auf neue Entwicklungen warteten. Stark abgerufen wurden auch die zusammenfassenden Artikel und der Livestream des hr-fernsehens.

Der Hörer-Zuschauer-Service (HZS)  ist ins Darmstädter Studio ausgewichen. Eine verstärkte Mannschaft von zehn Kolleginnen und Kollegen nahmen die Sorgen, Nöte und Fragen der Hessen entgegen. Ob es Fragen, Lob oder Kritik zum Programmangebot waren: Sehr vielfältig waren auch hier die Themen.

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Das Thema bei hessenschau.de

Die Bombe ist entschärft und Frankfurt kehrt zum Alltag zurück. [mehr auf hessenschau.de]

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Großes Lob für die Zusammenarbeit mit dem Hessischen Rundfunk gab es von der Frankfurter Polizei. Die Beamten des 12. Polizeireviers, zuständig für die Evakuierung der nördlichen Sperrzone, besuchten am Mittag das hr-Krisenzentrum im "Best Western"-Hotel. Das Team vom hr-Liegenschaftsservice um Lars Mertner stand seit Tagen in ständigem Kontakt mit den Behörden und konnte für den hr eine frühe Evakuierung melden. Sie waren gemeinsam mit dem stellvertretenden Intendanten Berthold Tritschler die letzten, die das hr-Gelände verließen – und die ersten, die nach Aufheben der Sperrung in einem Konvoi mit Sondergenehmigung wieder in den Sperrbezirk fahren und den hr betreten durften. Der Bereich Betriebsmanagement und Service um Maike Sawinski, Volker Arnold und Michael Köberle hatten das Krisenzentrum in Rekordzeit eingerichtet.

"Es ist klasse zu sehen, wie alle Kolleginnen und Kollegen diese Situation zusammen gemeistert haben. Überall konnte man das Wir-Gefühl spüren", lautete das Fazit von Berthold Tritschler im Namen der gesamten Geschäftsleitung.