ARD-ZDF-Onlinestudie
Bild © hr/Ben Knabe

1997 heißt der Bundeskanzler Helmut Kohl, der hr-Intendant Klaus Berg, und das Internet steht noch am Anfang einer rasanten Entwicklung: Nur 4,1 Millionen Deutsche sind online. Jetzt sind es 62 Millionen. Die ARD/ZDF-Onlinestudie hat diese Entwicklung seit damals begleitet.

Die Zahlen der ARD/ZDF-Onlinestudie 2017 sind beeindruckend: Neun von zehn Deutschen nutzen das Internet, im Durchschnitt verbringen die Menschen knapp 2,5 Stunden im Netz. Noch einmal deutlich größer ist die Bedeutung des Internets bei den 14- bis 29-Jährigen. Sie nutzen es 4,5 Stunden pro Tag – davon entfallen fast zwei Stunden auf mediale Inhalte wie Nachrichtenseiten oder Videoplattformen. Bei den 30- bis 49-Jährigen ist es immerhin noch fast eine Stunde. "Wer für diese Generationen relevant bleiben will, muss ihnen attraktive Informations- und Unterhaltungsangebote auf ihren Plattformen machen - und dabei inhaltlich und gestalterisch mit den Erwartungen des Publikums und den Standards des Marktes Schritt halten", sagt hr-Intendant Manfred Krupp.

Ein Online-PC für 4.630 D-Mark

Rückblickend erscheint der Siegeszug des Internets selbstverständlich, aus dem Alltag ist es nicht mehr wegzudenken. Doch das war nicht immer so, sagt Wolfgang Koch aus der Medienforschung.

"1997 war überhaupt nicht abzusehen, welche Bedeutung das Medium Internet im Laufe der Zeit einnehmen würde. Es ist auch sehr viel Bewegung in dem Markt. Etliche Plattformen sind gekommen und teilweise wieder verschwunden, denken Sie nur an AOL, Myspace oder Yahoo." Wie viel sich in den vergangenen 20 Jahren getan hat, zeigt ein Blick ins Archiv der ARD/ZDF-Onlinestudien, eine der ältesten kontinuierlichen Bevölkerungsstudien zu diesem Thema überhaupt. Von Anfang an dabei: der Hessische Rundfunk. In der Medienforschung wird die Studie ausgewertet und aufbereitet.

1997 war das Internet noch eine kostspielige Sache: Der zu Hause eingesetzte Durchschnitts-PC eines Onliners kostete 4.630 D-Mark. Vor allem Unternehmen hatten damals ihre Arbeitsplätze ans Netz angeschlossen. Vier Jahre später hatten schon 78 Prozent der Internetnutzer zu Hause einen Onlinezugang.

Die Studien bieten noch weitere Höhepunkte: Noch 2005 hatte sich ein Viertel der Internetnutzer per Modem ins Netz eingewählt, 2013 gab es dann in jedem Haushalt schon 5,3 internetfähige Geräte. 2015 nutzten 35 Prozent der Deutschen Dienste wie WhatsApp täglich.

Steigende Bedeutung von Videostreaming

Ziel der Studien ist es, die großen Linien der Internetnutzung zu beschreiben. Aktuell zeigt sich, dass Streamingdienste wie Netflix immer beliebter werden. Knapp ein Viertel der Deutschen nutzen sie mindestens einmal pro Woche. Die Gesamtreichweite für Onlinevideos stagniert dagegen. Die meisten Anwendungen, wie Videoportale, allen voran YouTube, Mediatheken der Fernsehsender oder Facebook, können ihre Bedeutung gegenüber dem Vorjahr nicht weiter steigern. Im Vergleich zum klassischen Fernsehen spielen die Streamingdienste in der Gesamtbevölkerung jedoch eine geringe Rolle.

Auch Audio im Netz wird beliebter, was vor allem auf Musik-Streamingdienste zurückzuführen ist. Gleichzeitig erfährt aber auch das Online-Radiohören einen  Zuwachs.

In ihrem 20. Jahr gibt es auch eine inhaltliche Neuerung der Onlinestudie. Die Forscher haben die Methode etwas verändert und fragen nun nicht mehr pauschal, ob das Internet genutzt wird. Stattdessen wird die Internetnutzung jetzt über eine Auswahlliste von 15 Tätigkeiten erfasst – vom klassischen Surfen über das Schauen von Filmen in Online-Mediatheken bis hin zum Schreiben von Textnachrichten bei WhatsApp. So gerüstet kann die ARD/ZDF-Onlinestudie in die nächsten 20 Jahre gehen.

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