Harald Brandes
Harald Brandes, Vorsitzender des Rundfunkrats Bild © hr/Ben Knabe

Seit rund zwei Monaten ist Harald Brandes als Vorsitzender des Rundfunkrats im Hessischen Rundfunk im Amt. Mit Blick auf die in diesem Jahr anstehende Strukturreform der ARD und die wichtigen Weichenstellungen bezieht er zu zentralen medienpolitischen Fragen Stellung.

Ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch im 21. Jahrhundert unverzichtbar? Die Frage mag Sie überraschen, aber sie beschäftigt mich seit einiger Zeit sehr. Es gibt den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, weil er nach dem Zweiten Weltkrieg als demokratiebildender Faktor in die Verfassung geschrieben wurde. ARD, ZDF und Deutschlandradio haben den Auftrag, unabhängig zu informieren, als gesellschaftliche Kraft zu integrieren und demokratische Werte zu vermitteln. Doch die jüngere Generation hierzulande kennt gleichgeschaltete Medien (und die Folgen) nur aus dem Geschichtsbuch.

Wie also vermitteln die Landesrundfunkanstalten, dass sie nach wie vor gebraucht werden? Noch wichtiger: Wie kann der Auftrag, zu informieren und integrieren für möglichst alle Teile unserer Gesellschaft erfüllt werden? Ich denke, das geht nur, wenn die ganze Themenpalette angeboten wird, von Information über Bildung und Ratgeber bis hin zu Unterhaltung und Sport. Ja, Sportrechte sind teuer, und Unterhaltung können viele. Aber es dürfen nicht nur Nischen bedient werden, um auch bei unbequemen aber gesellschaftlich relevanten Themen möglichst viele Menschen erreichen zu können.

Da kommen wir zu einem weiteren entscheidenden Punkt, der mir ebenso wichtig ist: Es bedarf dringend der Modernisierung des veralteten Telemedienauftrags. Die Digitalisierung prägt auch in Deutschland die Entwicklung der Medienlandschaft. Technologien und Rezeptionsgewohnheiten ändern sich. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss sich diesen Entwicklungen anpassen, um auch weiterhin seinen durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts konturierten Funktionsauftrag erfüllen zu können. Er darf nicht an der Grenze zum Internet enden. Denn wer sein Publikum erreichen will, muss dorthin gehen, wo es sich aufhält. Darüber hinaus hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk gerade auch in den digitalen Medien mit den journalistischen Qualitäten von glaubwürdiger und zuverlässiger Information eine wichtige Rolle zu erfüllen. Er muss – wie Fake News und Social Bots zeigen – auch dort gesellschaftlich relevant sein können und wichtige Impulse und Orientierung geben.

Harald Brandes
Vorsitzender des Rundfunkrats des Hessischen Rundfunks