Dreharbeiten bei der Deutschen Bank
Dreharbeiten im New Yorker Handelssaal Bild © hr/Ingo Nathusius

Wie riskant sind die Geschäfte der Großbanken? Die Deutsche Bank wurde vom Internationalen Währungsfonds als größter Risikoträger fürs Finanzsystem bezeichnet. Ein Jahr lang haben hr-Journalisten für ihren Film, den Das Erste am 7. August zeigte, dort recherchiert.

Da, wo die Macht sitzt, kann es sehr banal zugehen. Auf der Toilette im 33. Stock der Deutschen Bank, wo Aufsichtsratschef Paul Achleitner sein Büro hat, hängt ein Katzenbild mit dem Hinweis: "Für dies stille Örtchen nur ein kleines Wörtchen, verlasse diesen Platz so sauber wie die Katz". Zettel wie dieser finden sich auf vielen Bürotoiletten, in der Chefetage der größten deutschen Bank hätte man ihn eher nicht erwartet. Beim Gedanken daran schüttelt Wirtschaftsredakteur Ingo Nathusius immer noch amüsiert den Kopf. Nathusius hat mehrere Monate an einem Film über die Deutsche Bank gearbeitet – zusammen mit seinen Kollegen Julia Klüssendorf und Stefan Jäger. Auf seinem Schreibtisch stehen mehrere Aktenordner mit Material.

"Wie gefährlich ist die Deutsche Bank?" – so lautet der Filmtitel und diese Frage stellt sich: Auch Jahre nach der Finanzkrise ist immer noch unklar, wie riskant die Geschäfte genau sind, die in den Büchern des Instituts stehen. Und weil die Deutsche Bank mit den Finanzmärkten auf der ganzen Welt vernetzt ist, kann sie schnell Auslöser einer neuen Krise werden. Der Film beschäftigt sich deshalb mit der Frage, ob und wie die Deutsche Bank mit ihrer Führungsriege den Neustart schafft. Einschätzungen dazu geben unter anderem Analysten, Professoren und Politiker.

Als die Journalisten ihre Recherchen begannen, hatte der Internationale Währungsfonds (IWF)der Bank das höchste systemische Risiko bescheinigt, Grundlage für die Schlagzeile "gefährlichste Bank der Welt". Schlecht fürs ohnehin angekratzte Image. Außerdem drohte aus den USA eine gigantische Strafzahlung von 14 Milliarden Dollar wegen fragwürdiger US-Immobiliengeschäfte. "Die Anspannung bei den Mitarbeitern haben wir deutlich wahrgenommen", sagt Nathusius.

Einfach waren die Dreharbeiten nicht

Sie bekamen Zugang zur Vorstandsetage – als erstes Filmteam seit Jahren. Einfach waren die Dreharbeiten dann allerdings nicht: "Das Misstrauen war mit Händen zu greifen", sagt der hr-Redakteur. So kam es etwa, dass das Team zu einem verabredeten Dreh nach Berlin reiste, zum Risikozentrum der Bank. Nur leider wollte dort plötzlich kein Mitarbeiter bei der Arbeit gefilmt werden, geschweige denn vor der Kamera sprechen. Alle Bildschirme waren ausgeschaltet. Die erstaunten Journalisten bekamen dann schließlich ein einziges Interview – mit dem Leiter des Zentrums, dessen Auskünfte wenig konkret blieben.

Vorstandssitzung bei der Deutschen Bank
Zum ersten Mal darf das Fernsehen rein: Vorstandssitzung bei der Deutschen Bank Bild © hr/Ingo Nathusius

Während der gesamten Recherchen habe das Unternehmen versucht, die Berichterstattung zu steuern. "Wir sollten ganz offensichtlich den erfolgreichen Neuanfang dokumentieren", sagt Ingo Nathusius. So habe ein Pressesprecher einmal gesagt: "Sie können das drehen, was wir Ihnen zeigen wollen." Ein Ansinnen, auf das sich das Team natürlich nicht eingelassen habe: "Wir hatten ja vorher schon klargestellt, dass wir den Film in jedem Fall machen – mit oder ohne die Mitwirkung der Deutschen Bank".

Den braungebrannten Managertyp von früher gibt es nicht mehr

Auf Vorstandschef John Cryan und seiner Führungsriege lastet die Erwartung, das Unternehmen endlich aus der Krise zu führen. Den braungebrannten Managertyp von früher, wie ihn noch Ex-Vorstandschef Rolf Breuer verkörperte, den gebe es nicht mehr, so Nathusius: "Heute sind das eher Technokraten, zupackende Leute." Einige hätten sogar einen Koffer inklusive Zahnbürste neben dem Schreibtisch, falls sie mal spontan wohin fliegen müssen. Entsprechend sähen auch die Büros aus. Groß, funktional und eher kalt. Vorstandschef Cryan sei nicht der Typ, der Grünpflanzen aufstelle und Fotos von den Lieben.

Lange Drehzeiten wurden dem hr-Team meist nicht zugestanden. Aber: Man bekommt einen Eindruck, wie die Vorstände miteinander umgehen, sagt Nathusius. Und unter welcher Anspannung sie stehen. Auch scheinbar Nebensächliches wirkte zuweilen wie eine Inszenierung. Die beiden Vize-Chefs Christian Sewing und Marcus Schenck beispielsweise hätten sich in lockerer Runde einmal gegenseitig überboten mit Fußballgeschichten und gar nicht wieder aufgehört – demonstrative Bodenständigkeit.

Der Katzenzettel auf der Toilette in der Chefetage kommt zwar nicht im Film vor, im Gedächtnis ist er trotzdem geblieben. Auch Banalitäten gehören dazu, wenn man wissen will, wie ein Unternehmen tickt.

Sendung: Das Erste, "Wie gefährlich ist die Deutsche Bank?", 7.8.2017, 23.30 Uhr