Moderator Philipp Engel
Freunde und Kollegen: Philipp Engel (rechts) und Kameramann Tom Jeffers haben sich vor 15 Jahren bei einem Dreh kennen gelernt. Bild © hr/Ben Knabe

"Engel fragt" heißt seine Fernsehsendung. "Fragen stellen, diese Rolle ist mir eigentlich lieber als zu antworten", räumt Moderator Philipp Engel beim Interview ein. Wir haben mit ihm über gute Freunde und gute Fragen gesprochen.

Herr Engel, wann haben Sie Ihren besten Freund zuletzt gesehen?

Philipp Engel: Ich habe gerade mit Steff, einem meiner besten Freunde, den ich jetzt schon seit 38 Jahren kenne, Geburtstag gefeiert. Wir haben zusammen ganz viele andere Freunde eingeladen und wiedergesehen. Das war sehr schön.


Wie sind Sie Freunde geworden?

Wir haben uns in den Ferien in Frankreich kennen gelernt, wo wir mit unseren Familien im Urlaub waren, und dann interessanterweise festgestellt, dass wir aus derselben Stadt kommen und auch noch auf dieselbe Schule gehen.

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Sendung im hr-fernsehen

"Engel fragt": dienstags, 21:45 Uhr, Wiederholung samstags, 17:45 Uhr
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Dort sind wir uns vorher nie über den Weg gelaufen. Seitdem haben sich unsere Lebenswege eng verzahnt. Meinen allerältesten Freund, Rainer, kenne ich sogar schon, seit ich sechs bin. Wir sind quasi zusammen aufgewachsen. Entweder war ich bei ihm oder er bei mir. Wir sind ein bisschen wie Brüder.


Was haben Sie damals zusammen gemacht?

Uns die Welt erschlossen, würde ich sagen. Alles ausprobiert. Abgehangen, Fahrradtouren gemacht, Matchbox-Autos in die Luft gesprengt, über Politik diskutiert, uns gefragt, wie man mit dem anderen Geschlecht umgeht, über Lebenskrisen geredet. Grenzen ausgetestet. Wir sind zusammen gewachsen. Es ist toll, wenn man sich so lange kennt, dass der andere weiß, woher man kommt. Und der weiß vielleicht, wo Macken bei einem herkommen.


Können im Erwachsenenalter geschlossene Freundschaften da überhaupt mithalten?

Ja, das denke ich schon. Ich habe auch sehr gute Freunde, die ich erst später kennengelernt habe. Aber die kenne ich mittlerweile auch schon lange. Ich denke, so eine Tiefe erreicht eine Freundschaft erst nach einer gewissen Zeit. Es hat natürlich schon etwas mit gemeinsam Erlebtem und Vertrauen zu tun.


Zu Ihrer Rolle als Moderator und Filmemacher gehört es, viel zu fragen – machen Sie das auch privat? Nervt das die anderen?

Gute Freundschaften zeichnen sich dadurch aus, dass man zusammen Spaß hat – das ist auch ganz wichtig – aber eben auch dadurch, dass man sich zusammen weiterentwickeln kann. Das setzt voraus, dass man sich Zeit füreinander nimmt und dass man auch Dinge bespricht, die vielleicht nicht so einfach sind für den anderen. Und dann eben auch nachfragt.


Wie viele gute Freunde braucht man?

Mindestens einen sehr, sehr guten.


Und wie viele "echte" Freunde haben Sie?

(lacht) Genug. Diese Frage habe ich ein bisschen befürchtet – wenn ich mich auf eine Zahl festlege, könnte der ein oder andere ja nachrechnen.


Was sind Ihre Stärken als Freund?

Ich glaube, ich bin ein einigermaßen verlässlicher und treuer Freund. Und ich hoffe, ich kann auch zuhören. Ich finde, das ist manchmal wertvoller, als den anderen ungefragt mit Ratschlägen zu überhäufen. Genau zuhören und nur die ein oder andere Nachfrage stellen, bringt dem anderen vermutlich mehr, als ihn zuzutexten.


Das machen Sie auch in Ihrer Sendung "Engel fragt". Sie sprechen mit Fremden über sehr persönliche Erfahrungen und Ansichten. Wie erreichen Sie diese tiefe Ebene so schnell?

Wie ich das mache, weiß ich auch nicht ganz. Es funktioniert aber erstaunlich gut. Ich empfinde das als wahnsinniges Geschenk, dass die Menschen mir so viel erzählen, weil es keine Selbstverständlichkeit ist. Ich fange meistens erst mal an und dann entwickelt sich das Gespräch. Plötzlich sind wir an sehr tiefen Punkten. Manchmal denke ich auch: "Was für eine Unverschämtheit, jemandem, den ich nicht kenne, so eine Frage zu stellen." Nach meiner Erfahrung funktioniert das aber, wenn derjenige, mit dem ich mich gerade unterhalte, merkt, dass ich mich wirklich für ihn und seine Antworten interessiere. Und das tue ich auch. Interessanterweise hat einmal ein Mann nach einem Gespräch zum mir gesagt: "Ich möchte mich bei Ihnen bedanken." Und ich habe gesagt: "Nein, nein, ich möchte mich bei Ihnen bedanken, Sie haben mir doch ganz viel erzählt!" "Aber durch Ihre Fragen haben Sie dazu beigetragen, dass ich über Dinge nachgedacht habe, über die ich so noch gar nicht nachgedacht habe." Wenn beim Zuschauen Ähnliches passiert, dann ist das großartig.


Was sind die richtigen Fragen?

Ich liebe Fragen, die viele Menschen beschäftigen und auf die ich selber auch noch keine Antworten habe, über die ich selbst nachdenke. Sonst ist es ja langweilig, wenn ich die Antworten für mich schon kenne.


Wenn zu Ihren Stärken das "leidenschaftliche Zuhören" gehört – worin sind Sie als Freund vielleicht weniger gut?

Wenn manche Sachen in einer Freundschaft nicht so laufen, wie ich mir das vorstelle. Als einer meiner Freunde jetzt zu der großen Geburtstagsfeier nicht kommen konnte, war ich zum Beispiel erst mal ein bisschen verschnupft. Er hat es mir erklärt, und dann habe ich zu mir gesagt, jetzt krieg dich wieder ein, er kann halt nicht. Manchmal hauen wir auch auf Whatsapp Bemerkungen raus und merken dann, der andere hat das in den falschen Hals bekommen. Das hat auch schon zu Verstimmungen geführt, die wir wieder geraderücken mussten. Selbst wenn man sich sehr gut kennt, muss man berücksichtigen, dass bestimmte Untertöne oder Ironie nicht rüberkommen.


Per Whatsapp funktioniert Freundschaftspflege also nur mittelprächtig. Wie halten Sie Ihre Freundschaften lebendig? Gerade wenn die Kumpel nicht mehr um die Ecke wohnen, jeder mit Job und Familie randvoll ist?

Ich habe eine Gruppe, mit denen gehe ich Skifahren, und alle vier bis sechs Wochen treffen wir uns. Mit drei anderen Freunden habe ich so ein lustiges Agreement, dass wir uns in regelmäßigen Abständen treffen, und reihum muss sich einer etwas überlegen. Es darf alles, nur nicht langweilig sein. Die anderen dürfen es auch nicht ablehnen, außer aus gesundheitlichen Gründen. Vom Besuch im buddhistischen Meditationszentrum bis zum Boxen haben wir schon so ziemlich alles gemacht. Sehr lustig.


Was kann man in einer Freundschaft lernen?

Wenn einer ähnlich tickt und vertraut ist und plötzlich etwas anders macht oder einen mutigen Schritt wagt in seinem Leben, dann gucke ich besonders hin und denke, der ist mir doch ähnlich und macht so etwas? Zum Beispiel haben sich zwei Freunde beruflich noch mal total umorientiert. Das zu beobachten, finde ich dann inspirierend. Wobei ich mit meinem Job gerade sehr zufrieden bin (lacht).


Was möchten Sie unbedingt noch (mal) mit einem Freund erleben?

Reisen wir früher. Mit dem Rucksack monatelang durch die Welt. Aber eigentlich muss es gar nicht so lang und so weit weg sein. Vor zwei Jahren bin ich mit sechs Freunden eine Woche quer durch die Pyrenäen geradelt. Das war spektakulär toll.

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Themen

  • "Tod! und dann?": 21. November
  • "Warum ist Veränderung so schwierig?": 28. November
  • "Wollen wir teilen?“: 5. Dezember

Die Sendung zum Thema "Was ist ein guter Freund?" wurde am 14. November 2017 ausgestrahlt.

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