Luther-Denkmal in Möhra (Thüringen)
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Als Martin Luther im Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablassmissbrauch veröffentlicht, ahnt er nicht, welche Veränderungen in der Welt er damit befördert. Im Zeitalter der Reformation und der Renaissance verändert sich alles: die Religion, die Wissenschaft, die Kunst und der Alltag der Menschen.

Das Renaissance-Experiment

Als Martin Luther im Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablassmissbrauch veröffentlicht, ahnt er nicht, welche Veränderungen in der Welt er damit befördert. Im Zeitalter der Reformation und der Renaissance verändert sich alles: die Religion, die Wissenschaft, die Kunst und der Alltag der Menschen. Die Sendereihe widmet sich dieser Epoche der großen Umbrüche, die religiöse, gesellschaftliche und wissenschaftliche Weltbilder des Mittelalters in Frage stellt und durch das Wirken von Menschen wie Luther, Melanchton, Kepler geprägt wird. Für Schüler wird die Reihe diese komplexen historischen Entwicklungen in anschaulichen Experimenten, Reenactments und Rekonstruktionen beleben und verdeutlichen. Und so die Einordnung von Ereignissen und Phänomenen in den Gesamtzusammenhang dieser wichtigen historischen Epoche erleichtern.

Montag, 18.12.2017, 06:15 Uhr

1/6 Kampf um den richtigen Glauben
SWR 14'58''

„Sobald der Gulden im Becken klingt im huy die Seel in Himmel springt“. So ging ein bekannter Werbespruch für Ablassbriefe, mit der die Kirche sich gute „Nebenverdienste“ erwirtschaftete. Für den jungen Mönch Martin Luther hatte die Geld- und Prunksucht der Kirche nichts mit wahrem Christentum zu tun. Allein durch die Gnade Gottes könne der Mensch die Vergebung seiner Sünden und das ewige Leben erlangen. Er vertritt somit Thesen von enormer Sprengkraft. Und er ist ein Meister in der Handhabung der damals neuen Medien, vor allem in der massenhaften Verbreitung von Flugblättern. Auch deshalb werden seine Thesen rasch bekannt und er findet bald treue Anhänger wie Johannes Brenz und Philipp Melanchton. Doch wie funktionierte dieser neuartige Buchdruck? Und wie stellte man billig und massenhaft Papier her? Und die nötige Druckerschwärze, um die Botschaften der Reformatoren unter das Volk zu bringen? In eindrucksvollen Experimenten zeigen wir, wie das vor 500 Jahren gemacht wurde.

um 06:40 Uhr:
2/6 Die Zeit der Entdecker
SWR 14'38"

Die Zeit der Renaissance ist auch eine Zeit der Entdeckungen. Kolumbus entdeckt Amerika, doch seinen Namen gab ein anderer dem neu entdeckten Kontinent: Amerigo Vespucci. Zu verdanken ist dies dem badischen Kartografen Martin Waldseemüller. Der erstellte 1507 die erste Weltkarte mit dem neuen Kontinent. Obwohl er ein Zeitgenosse Christoph Kolumbus' war, nannte er den neu entdeckten Kontinent nach dem Seefahrer Amerigo Vespucci. Dessen Reiseberichte hatten Waldseemüller einfach mehr begeistert und überzeugt. Waldseemüller fertigte auch die ersten Globen – natürlich mit Amerika darauf. Leider ist kein einziger erhalten. In einem Experiment wird nach originaler Karten-Projektion ein Waldseemüller-Globus nachgebaut.
Ob Ambrosius Ehinger aus der Nähe von Ulm diesen Globus kannte, als er in Diensten des Handelshauses der Welser nach Südamerika aufbrach, ist nicht bekannt. Gewiss ist jedoch, dass der schwäbische Konquistador das legendäre Goldland Eldorado finden sollte. Denn die Entdeckung der neuen Welt diente vornehmlich einem Zweck: der Ausbeutung von Ressourcen. Gold, Silber und Sklaven sollten die Prunksucht der Renaissance-Herrscher finanzieren. Für Ehinger endete das skrupellose Abenteuer 1533 mit dem Tod. Es erwischte ihn ein Giftpfeil der Indios.

Dienstag, 19.12.2017, 06:25

3/6 Der Bauernkrieg  
SWR 14'57''  

Anfang des 16. Jahrhunderts braut sich etwas zusammen: Die Reformation erschüttert die kirchliche und die weltliche Macht. Hoffnung auch für die meist leibeigenen Bauern auf dem Land. Sie wollen sich nicht mehr in ihr Schicksal fügen. In Memmingen legen die Bauern in zwölf Artikeln ihre Forderungen schriftlich nieder. Diese zwölf Artikel gelten heute, fast 500 Jahre später, als erste Menschenrechtserklärung der Welt. Doch damals will die kirchliche und weltliche Macht den Forderungen nicht nachgeben. Und Luther, Melanchton, Brenz? Sie alle verurteilen die Aufständischen. Die Bauern haben wohl die proklamierte „Freiheit des Christenmenschen“ zu wörtlich genommen. Es kommt zu blutigen Auseinandersetzungen, in denen die Bauern hoffnungslos unterlegen sind, sie kommen nicht an gegen die hochgerüsteten Söldnerheere und vor allem die neuen Kanonen. Diese Hightech-Waffe der Ritter interessiert Bastian Asmus. Der Bronzegießer und promovierte Archäologe versucht mit historischen Mitteln eine spätmittelalterliche Kanone nachzubauen, die im Bauernkrieg zum Einsatz kam. Wir begleiten dieses einmalige Experiment auf all seinen Stationen.

um 06:40 Uhr:
4/6 Ein neuer Blick auf die Welt

SWR 14'45''

Das neue Bild vom Menschen führt zusammen mit den Schul- und Bildungsreformen der Reformatoren zu einem Aufbruch in der Wissenschaft und bringt auch in Deutschland große Denker hervor. So wird zum Beispiel einem kleinen, eher kränklichen Jungen aus Weil der Stadt eine gute Schul- und Universitätsbildung auf Kosten der Landeskasse ermöglicht. Pfarrer wird Johannes Kepler – wie eigentlich geplant – zwar nicht, dafür aber ein berühmter Astronom, der mithilfe der Wissenschaft Gottes Bauplan entschlüsseln will. Seine bahnbrechenden astronomischen Gesetze haben bis heute ihre Gültigkeit. Oder der Mathematiker Wilhelm Schickhard, der eine Rechenmaschine, die alle vier Grundrechenarten mechanisch ausführen konnte, erfand. Eine Weltneuheit. Im Stadtmuseum Tübingen schicken wir den Wissenschaftsmoderator Dennis Wilms ins Rennen, um diesen „Renaissance-Computer“ zu testen. Er besteht das Experiment mit Bravour.

Mittwoch, 20.12.2017, 06:25  

5/6 Die neue alte Kunst  
SWR 14'52''  

Unter Renaissance – zu Deutsch: Wiedergeburt – versteht man die Wiederentdeckung der Antike im 15. und 16. Jahrhundert. In Kunst und Architektur bewunderte man wieder antike Formen. Diese neue Kunst kam damals von Italien nach Deutschland. Der Ottheinrichsbau im Heidelberger Schloss ist ein Paradebeispiel für diese neue Renaissance-Architektur – der Film lässt die Schlossanlage in einer aufwändigen 3D-Rekonstruktion wiedererstehen.
In der Kunst arbeitet man nun mit der Zentralperspektive, die dem räumlichen Sehen in der realen Welt nun immer näher kommt. Das gilt für Gemälde, aber auch für den in Mode kommenden Kupferstich. Wir zeigen im Experiment diese Drucktechnik, die heute nur noch wenige beherrschen. Damals boomte die Kupferstecherei, denn die relativ preisgünstigen Druckwerke konnten sich nun auch „normale Menschen“ leisten. Der geschäftstüchtige Protestant Matthäus Merian baut mit seinen Werkstätten in Oppenheim und Frankfurt mit der Kupferstecherei ein Imperium auf. Er setzt konsequent die „Medienrevolution“ fort, die Gutenberg mit dem Buchdruck begonnen hatte.

um 06:40 Uhr:
6/6 Neue Städte für neue Bürger
 
SWR 14'44''

Nicht im Mittelmeer, sondern am alten Rhein bei Roxheim spielte sich vor 450 Jahren ein Flüchtlingsdrama ab. Männer, Frauen und Kinder, vertrieben aus ihrer Heimat, landeten hier in überfüllten Booten. Es waren protestantische Glaubensflüchtlinge, die in den katholischen Niederlanden um ihr Leben fürchten mussten. Der pfälzische Kurfürst Friedrich III. hatte um 1560 in der gesamten Kurpfalz den protestantischen Calvinismus eingeführt. Die Flüchtlinge kamen ihm gerade recht, brachten sie doch neues technisches Knowhow und protestantische Arbeitsmoral in die Kur-Pfalz. Sie waren hervorragende Gold- und Silberschmiede und Textilspezialisten. Berühmt waren ihre Gobelinmacher.Gobelins, Bildteppiche, waren in den Schlössern der Renaissance sehr beliebt und so zeigen wir in einem Experiment ihre aufwändige Herstellung.
Aus dem aufgelassenen Kloster Frankenthal machten die Glaubensflüchtlinge eine prosperierende Handwerker- und Händlerstadt. Bis der Dreißigjährige Krieg das Glück der Flüchtlinge zerstörte. Es war eine kurze Blüte in Frankenthal. Die Stadt ist ein Beispiel für protestantische Stadtgründungen – aber auch für das fragile politische System dieser Epoche. Die Spaltung durch die Reformation und Gegenreformation hat am Ende ganz Europa zerrissen.

Donnerstag, 21.12.2017, 06:25

Dossier: Himmel
hr 29'12''  

"Dossier" präsentiert in jeder Folge ein spannendes Thema aus vier verschiedenen Blickwinkeln. Dieses Mal dreht sich alles um das Thema Himmel. Die Sendung zeigt, was passiert, wenn der Himmel zum Sportplatz wird, wie in der Wetterküche gekocht wird, was den Himmel zum Sitz der Götter macht und dass die Freiheit auch im Himmel nicht grenzenlos ist.
"Dossier" stellt das Thema facettenreich und alltagsnah unter möglichen Aspekten wie Technik, Jugendkultur oder Geschichte dar.

Freitag, 22.12.2017, 06:25

Weihnachten in Sibirien
WDR 28'47''

Juri Rescheto ist in Tomsk in Sibirien aufgewachsen. Voller Sehnsucht nach dieser einzigartigen Schneelandschaft kehrt er wieder an die Orte seiner Kindheit zurück. Die Weihnachts- und Neujahrszeit war auch zu Sowjetzeiten etwas Besonderes – und es gab viele regionale Traditionen. Der Kirchgang war damals verboten und das Kloster eine Lagerhalle für landwirtschaftliches Gerät.Welche Bedeutung hat das Weihnachtsfest heute in Sibirien? Am 6. Januar wird das orthodoxe Weihnachtsfest gefeiert, und die Gesellschaft hat sich grundlegend verändert. Das „westliche“ Weihnachtsdatum, der 24./25. Dezember, ist vor allem eine kommerzielle Veranstaltung. Eine Reportage aus persönlicher Perspektive mit Besuchen bei sibirischen Familien, in den Gemeinden und den Waldarbeitern in der Taiga.