Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic

Fredi Bobic wird Eintracht Frankfurt im Sommer definitiv verlassen. Das bestätigte der Frankfurter Sportvorstand bei "Sportschau Thema".

Gerüchte ranken sich vor allem um ein mögliches Engagement bei Hertha BSC. Bobic' Vertrag bei der Eintracht wäre ursprünglich noch bis 2023 datiert gewesen.

"Es ist eine persönliche Sache"

Bobic verkündet bei "Sportschau Thema" (Dienstag, 02.03.2021 um 23:00 Uhr im Ersten), dass er ursprünglich sogar geplant hatte, den Verein bereits im Sommer 2020 zu verlassen. Die Pandemie habe ihn jedoch zum Umdenken bewegt: "Dann wurde ich gebeten, ob ich nicht noch die Corona-Saison durchziehen kann und ich habe gesagt, das mache ich, schon aus moralischen Gründen." Nach dieser Saison ist aber definitiv Schluss: "Ich habe gesagt, ich ziehe jetzt noch ein Jahr durch und jeder wusste eigentlich Bescheid. Man war vorbereitet darauf, dass die Situation kommt, dass ich im Sommer 2021 den Verein verlassen werde." Bobic bestätigt, dass der Aufsichtsrat alles versucht habe, ihn zu halten: "Aber es ist eine persönliche Sache und das haben Sie auch verstanden."

Zu den Gerüchten über einen möglichen Wechsel zu Hertha BSC erklärte er: "Ich will auf das Thema gar nicht mehr eingehen, denn leider kommen immer wieder zu viele Indiskretionen an die Öffentlichkeit."

Frankfurt reagiert irritiert

Die Eintracht reagierte irritiert. Der Aufsichtsratsvorsitzende, Philip Holzer, bestätigte zwar Gespräche - nicht aber, dass bereits eine Entscheidung gefallen sei. "Wir haben verabredet, entsprechende Gespräche über einen Verbleib oder einen vorzeitigen Wechsel zu führen und darüber im Sinne des sportlichen Erfolgs der Eintracht absolutes Stillschweigen zu wahren", sagte Holzer einer Club-Mitteilung zufolge. "Die Gespräche sind gegenwärtig noch nicht abgeschlossen und werden erst nach der nächsten Aufsichtsratssitzung Mitte März fortgesetzt."

Noch keine Reaktionen aus Berlin

Klassenerhalt, DFB-Pokalsieg 2018, Sturm ins Europa-League-Halbfinale und immer wieder erfolgreiche Transfers, die den Frankfurtern Millionen in die Kasse spülten. Bobic hat offenbar Begehrlichkeiten geweckt. Aus Berlin, wo der "Big-City-Traum" nach vielen Rückschlägen und der Beurlaubung von Langzeit-Manager Michael Preetz neu sortiert wird, gibt es noch keine offiziellen Statements.

Gutes Gespür bei Transfers

In Frankfurt hat Bobic, der zuvor bei dem bulgarischen Club Tschernomoretz Burgas und beim VfB Stuttgart Sportdirektor war, seine "Meisterprüfung" als Fußballmanager gemacht, mit einem Gespür für einstmals bezahlbare Spieler und Talente wie Ante Rebic, Sébastien Haller oder Luka Jovic, mit denen die Eintracht für Furore sorgte und beim Verkauf einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag erlöste.

Diese Personalpolitik bescherte den Frankfurtern große Erfolge. Den Österreicher Adi Hütter zu verpflichten, der nach dem Transfer der stürmenden Büffelherde und dem Abschied von Niko Kovac die Hessen auf Erfolgskurs hält, war ein weiterer Glücksgriff. In Stürmer André Silva oder Verteidiger Evan N'Dicka sind erneut zwei junge Profis gereift, deren Transfermarktwert immens gestiegen ist.

Nun "Aufbauarbeit" bei der Hertha?

Statt an der Fortsetzung der Erfolgsgeschichte weiterzuarbeiten, müsste Bobic bei Hertha BSC als Nachfolger von Preetz wieder Aufbauarbeit leisten. An Geld sollte es dank Windhorst nicht mangeln. Die Ablösesumme dürfte für die Berliner kein Problem sein.

Auf die Hessen verwies Millionen-Investor Lars Windhorst erst kürzlich. "Schauen sie sich Frankfurt an. Die haben keine externen Mittel gehabt und erreichen wahrscheinlich trotzdem die Champions League", sagte der Geldgeber. Genau da will Hertha auch hin. Und Bobic würde ins Muster passen.

Wird Spycher Bobics Nachfolger?

Die Eintracht muss sich nun neu aufstellen, da Sportdirektor Bruno Hübner auf jeden Fall zum Ende der Spielzeit aufhört. Als Nachfolger von Bobic ist Christoph Spycher ein Kandidat. Der frühere Frankfurter Kapitän ist Sportchef bei den Young Boys Bern und gewann mit dem heutigen Eintracht-Coach Hütter 2018 den Schweizer Meistertitel.

Den Originalbeitrag finden Sie auf sportschau.de