Die Startseite von Twitter wird auf einem digitalen Gerät angezeigt. (AP)

Der Kurznachrichtendienst Twitter kommt nicht zur Ruhe - das beschäftigt auch die Bundesregierung. Sie schließt einen Rückzug von der Plattform nicht aus. Der Massenexodus bei Twitter geht unterdessen weiter.

Seit drei Wochen spielen sich bei der Firma Twitter chaotische Entwicklungen ab. Die Bundesregierung sieht das mit Unbehagen - und könnte Konsequenzen ziehen. Noch sei keine Entscheidung getroffen worden, ob die Ministerien weiter auf Twitter präsent bleiben wollten, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit.

"Wir beobachten die Entwicklung bei Twitter mit wachsender Sorge", sagte er aber. Etliche Ministerien haben bereits Konten bei dem konkurrierenden Kurznachrichtendienst Mastodon.

3700 Beschäftigte mussten gehen

Ende Oktober hatte der Tech-Milliardär und Tesla-Chef Elon Musk Twitter für 44 Milliarden Dollar (rund 43 Milliarden Euro) übernommen. Seitdem kommt der Kurznachrichten-Dienst, der vor allem bei Regierungen und Journalisten beliebt ist, nicht zur Ruhe. So feuerte Musk nach der Übernahme die damaligen Vorstände und übernahm den Chefposten.

Wenig später entließ er rund die Hälfte der 7500 Angestellten, um anschließend einige von ihnen um eine Rückkehr zu bitten. Kurz darauf schaffte er die Möglichkeit zum Arbeiten im Homeoffice ab. Am Mittwoch forderte der neue Twitter-Eigner die Beschäftigten in einem Memo ultimativ auf, "lange Arbeitszeiten mit hoher Intensität" zu akzeptieren oder mit einer Abfindung zu gehen. Musk setzte den Angestellten ein Ultimatum bis Donnerstag.

"Nicht mehr genug technische Expertise"

Das Silicon-Valley-Portal "The Verge" berichtete nun, dass daraufhin Hunderte Twitter-Beschäftigte lieber das angebotene Abfindungsangebot akzeptiert hätten. Ehemalige Twitter-Mitarbeiter äußerten die Befürchtung, dass der weitere Betrieb von Twitter gefährdet sei.

Die Daten-Wissenschaftlerin Melissa Ingle, die von Musk bereits in der ersten Entlassungsrunde gefeuert wurde, sagte dem Portal "Technology Review", es gebe "nicht mehr genug technische Expertise, um die Seite am Laufen zu halten". Größere technische Störungen traten allerdings bislang nicht auf.

Unklar ist aber, ob Twitter seinen gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen kann, Hassrede und Bedrohungen auf der Plattform zu löschen. Die Büros blieben heute geschlossen, die Zugangskarten wurden deaktiviert. Laut dem Sender BBC sollen die Büros aber am Montag wieder geöffnet werden.

Volkswagen setzt Werbung aus

Ungeachtet der Kündigungswelle bei Twitter erlebt der Kurznachrichtendienst nach Aussage von Musk Nutzungsrekorde. Doch seine Umbaupläne verlaufen äußerst chaotisch. Erst am Dienstag verschob der Twitter-Chef das neue gebührenpflichtige Abo-Modell mit dem blauen Verifizierungssymbol auf den 29. November. Er reagierte damit auf eine Flut von gefälschten Profilen auf Twitter.

Mehrere große Konzerne haben wegen Bedenken über die Entwicklung von Twitter inzwischen ihre Werbung in dem Netzwerk ausgesetzt - darunter sind Volkswagen oder die Fluggesellschaft United Airlines. Werbung ist bislang die Haupteinnahmequelle von Twitter.

Musk bringt Pleite ins Spiel

Der selbsternannte "Absolutist der Meinungsfreiheit" Musk wirbt daraufhin um Vertrauen. Er wolle die Plattform zu einer Kraft der Wahrheit machen und Fake-Accounts stoppen. In einer Betriebsversammlung warnt er jedoch vor einer möglichen Pleite des Kurznachrichtendienstes.

Die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Vera Jourova, kritisierte Musk und warnte vor einem "digitalen wilden Westen". Er habe "sehr erfahrene Mitarbeiter gefeuert, die über Jahre der Beratungen verstanden haben, was wir in Europa wollen", sagte Jourova dem ZDF. Sie fügte hinzu: "Wir wollen soziale Medien, die den Menschen dienen und keine schädlichen Inhalte verbreiten."

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