Analyse eines PCR-Tests im Labor (dpa)

Die Inzidenz in Deutschland steigt - vor allem im Norden. Heute wird der Expertenrat tagen und sich auch mit der Frage beschäftigen, ob angesichts der sich schnell verbreitenden Omikron-Variante die Quarantäne-Regeln geändert werden sollten.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat erneut einen Anstieg der offiziellen bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz gemeldet. Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Morgen mit 239,9 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der bundesweite Inzidenzwert bei 232,4 gelegen, vor einer Woche bei 215,6 (Vormonat: 432,2)

Die Inzidenz steigt seit dem 30. Dezember von Tag zu Tag, wobei das RKI davon ausgeht, dass viele Fälle in der Statistik derzeit nicht sofort erfasst werden. Als Gründe dafür werden unter anderem genannt, dass rund um die Feiertage weniger getestet wird und die Meldungen nur verzögert erfolgen.

Omikron dominiert im Norden

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 30.561 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.19 Uhr wiedergeben. Vor genau einer Woche waren es 21.080 Ansteckungen.

Einen deutlichen Anstieg gibt es derzeit vor allem in Norddeutschland, was mit der Omikron-Variante zu tun haben dürfte. Den höchsten Inzidenzwert aller Bundesländer verzeichnet aktuell Bremen (516,4). Auch Hamburg liegt laut RKI-Zahlen mit 390,2 inzwischen deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Und selbst Schleswig-Holstein - das Bundesland, das über Wochen die niedrigsten Werte hatte - kommt auf 295,9. Nach Angaben von Ministerpräsident Daniel Günther ist die ansteckendere Omikron-Variante in Schleswig-Holstein inzwischen die vorherrschende. Experten führen das auch auf die Nähe zu Dänemark zurück. Mit einer Inzidenz von fast 2000 ist Dänemark derzeit so stark wie kaum ein anders Land der Welt von der Omikron-Variante betroffen.

Erstes Treffen des Expertenrats im neuen Jahr

Der Corona-Expertenrat der Bundesregierung wird sich heute mit der Frage beschäftigen, ob angesichts der veränderten Lage durch Omikron Quarantäne- und Isolationszeiten für Infizierte bzw. Kontaktpersonen verkürzt werden sollen. Ob der Expertenrat dazu eine Stellungnahme abgeben wird, ist aber offen. 

Es gibt Befürchtungen, dass es wegen Omikron zu personellen Engpässen bei Polizei oder Feuerwehr kommen könnte. Zur Frage der Quarantäne-Zeit wird für die laufende Woche auch eine Stellungnahme des RKI erwartet, bevor am Freitag die nächste Bund-Länder-Runde zur Pandemie tagt. Omikron ist hoch ansteckend, es gibt aber Anzeichen dafür, dass die Variante weniger schwere Krankheitsverläufe auslöst als die bislang dominierende Delta-Variante. 

Laut Statistik inzwischen 7.238.408 Fälle

Deutschlandweit wurden den neuen RKI-Angaben zufolge binnen 24 Stunden 356 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 372 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 7.238.408 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Montag mit 3,07 (Sonntag 3,12) an. Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Dienstag mit 6.531.900 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 112.579.

Virusvariantengebiete zurückgestuft

Unterdessen hat die Bundesregierung - wie angekündigt - die wegen der starken Ausbreitung der Omikron-Variante verhängten Einreisebeschränkungen für Großbritannien, Südafrika, Namibia und sechs weitere afrikanische Staaten gelockert. Hintergrund ist offenbar, dass sich die Variante inzwischen in vielen Ländern und auch in Deutschland mehr und mehr durchgesetzt hat.

Die neun Länder, zu denen auch Botswana, Swasiland, Lesotho, Malawi, Mosambik und Simbabwe gehören, werden ab heute von Virusvariantengebieten zu Hochrisikogebieten zurückgestuft, teilte das Robert Koch-Institut mit. Fluggesellschaften durften zuletzt aus den betroffenen Ländern nur noch deutsche Staatsbürger oder in Deutschland lebende Personen nach Deutschland befördern.

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