Amazon Web Services (picture alliance / photothek)

Massive Lieferprobleme lassen Amazons Gewinn mit dem Online-Versandhandel einbrechen. Möglicherweise verdient der US-Konzern damit bald kaum noch Geld. Umso besser läuft dafür das Cloudgeschäft.

Der weltgrößte Online-Händler Amazon wird von Personal-Engpässen und hohen Kosten für die Konzernlogistik belastet. Vor allem der Faktor Arbeit habe die Kapazitäten des Unternehmens in den drei Monaten bis Ende September eingeschränkt, sagte Amazon-Finanzchef Brian Olsavsky. Eine "schwankende Personalausstattung" an seinen Standorten führe zu gestiegenen Kosten.

Die Folge: Amazon hat im abgelaufenen dritten Quartal deutlich weniger verdient. Der Gewinn sank gegenüber dem vom Internetshopping-Boom in der Corona-Krise beflügelten Vorjahreswert um fast 50 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar. Zugleich warnte der Konzern angesichts von Lieferproblemen vor weiteren hohen Kosten.

Nur eine schwarze Null im Weihnachtsquartal?

Der Umsatz stieg zwar um 15 Prozent auf 110,8 Milliarden Dollar. Das Wachstum fiel aber deutlich schwächer aus als im Vorjahresquartal. Damals lag das Plus bei 37 Prozent. Auch der Ausblick hat sich verdüstert: Vorstandschef Andy Jassy warnte aufgrund von höheren Löhnen, weltweiten Problemen in der Lieferkette und gestiegenen Frachtkosten zudem vor "Milliarden" an Zusatzausgaben im Schlussquartal.

Das macht das Versandgeschäft von Amazon derzeit erheblich weniger profitabel. Wegen zunehmender Kosten werde man im vierten Quartal im operativen Geschäft schlimmstenfalls an der Gewinnschwelle landen, teilte das Management mit. Im besten Fall gebe es einen Betriebsgewinn von drei Milliarden Dollar.

Beim Ausblick für das laufende Vierteljahr dämpfte Amazon die Markterwartungen erheblich und stellte lediglich einen Umsatz zwischen 130 Milliarden und 140 Milliarden Dollar in Aussicht. Für das traditionell starke Weihnachtsquartal ist das an Amazons Verhältnissen gemessen eine schwache Prognose - Analysten hatten mit ambitionierteren Zielen gerechnet. Das zeigt sich auch an der Reaktion am Aktienmarkt: Die Titel geben deutlich nach.

 

Speicherplatz-Angebot hochprofitabel

Ein Blick auf die Bilanz zeigt, wie sehr Amazon vom Ausbau der Cloud-Plattform profitiert. Die Konzerntochter AWS bietet als Infrastruktur-Service vielen Unternehmen und Apps IT-Dienste und Speicherplatz im Netz an. Der hochprofitable Geschäftsbereich erhöhte den Quartalsumsatz um 39 Prozent auf 16,1 Milliarden Dollar, das stärkste Wachstum seit Anfang 2019.

Auch das Geschäft mit Online-Werbung florierte, die entsprechende Sparte steigerte die Einnahmen um 49 Prozent auf 8,1 Milliarden Dollar. Ohne den Erfolg der Service-Sparten von Amazon hätte der Konzern in diesem Quartal Verluste gemacht.

   

Konzern muss investieren

Um insbesondere auch im Weihnachtsgeschäft alle Waren pünktlich auszuliefern, will das Unternehmen investieren. Amazon steckt schon seit geraumer Zeit sehr viel Geld in den Ausbau seiner Liefer- und Lagerinfrastruktur, zudem hat der Konzern angesichts der gestiegenen Nachfrage in der Pandemie die Mitarbeiterzahl stark erhöht. "Es wird kurzfristig teuer für uns sein, doch es setzt die richtigen Prioritäten für unsere Kunden und Partner", so Jassy.

 

Dem Quartalsbericht zufolge beschäftigte Amazon weltweit zuletzt knapp 1,5 Millionen Voll- und Teilzeitkräfte - rund 30 Prozent mehr als vor einem Jahr. Allerdings gibt es beispielsweise in den USA einen verschärften Wettbewerb der Unternehmen um die verfügbaren Arbeitskräfte. Höhere Löhne bedeuten für den Konzern steigende Arbeitskosten. Bei Personal-Engpässen an bestimmten Standorten muss das Unternehmen zudem die Warenlogistik in andere, besser ausgestattete Regionen verlegen - was zusätzliche Ausgaben für den Transport zur Folge hat.

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