Dreiertreffen der Außenminister Russlands, der Türkei und der Ukraine. (picture alliance / AA)

Die Erwartungen an das Treffen der Außenminister Lawrow und Kuleba in der Türkei waren bereits im Vorfeld gering: Bei dem Gespräch gab es nach Angaben beider Seiten keine Fortschritte, die Bemühungen sollen aber weitergehen.

Zum ersten Mal seit Kriegsbeginn haben die Außenminister Russlands und der Ukraine direkt miteinander gesprochen: Auf Initiative des türkischen Außenministers Mevlüt Cavusoglu trafen sich Sergej Lawrow und Dmytro Kuleba in Antalya. Dabei gab es nach Angaben Kulebas keine entscheidenden Fortschritte. Es sei auch nicht gelungen, humanitäre Korridore für die Stadt Mariupol zu vereinbaren, sagte Kuleba nach dem Treffen.

Er sei bereit zu einem erneuten Gespräch in diesem Format, sein Land sei für eine ausgewogene diplomatische Lösung. Moskau werde "von der Ukraine keine Kapitulation bekommen". Sein Eindruck sei, dass Russland derzeit nicht in der Position sei, eine Waffenruhe herzustellen. Die schwierigste Situation sei derzeit in Mariupol. Er hoffe, dass Fluchtkorridore für die Stadt erlaubt würden.

Das Gespräch mit seinem russischen Amtskollegen nannte Kuleba leicht und schwierig zugleich: leicht, weil Lawrow an seiner traditionellen Rhetorik festgehalten habe, schwierig, weil er selbst sein Bestes gegeben habe. Die Gespräche sollten fortgesetzt werden.

Lawrow kritisiert den Westen

Auch Lawrow sagte nach dem Treffen, Russland wolle die Verhandlungen mit der Ukraine fortsetzen. Präsident Wladimir Putin habe auch nichts gegen ein Treffen mit seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj. Dafür sei aber "Vorbereitungsarbeit" erforderlich.

Er habe in dem Gespräch mit Kuleba auf die Vorschläge seines Landes verwiesen. Man wolle dazu eine Antwort haben. Zudem sei über humanitäre Fragen gesprochen worden. Der Militäreinsatz seines Landes in der Ukraine verlaufe nach Plan, so Lawrow weiter.

Dem Westen warf er gefährliches Verhalten vor: Die Ukraine werde mit tödlichen Waffen versorgt, und es sei unklar, wem die gelieferten Raketenwerfer in die Hände fallen könnten. "Wir sehen, wie gefährlich unsere westlichen Kollegen, einschließlich der Europäischen Union, jetzt handeln."

Kuleba trug bei dem Treffen nach Angaben seines Ministeriums drei Hauptforderungen der Ukraine vor: "Einen sofortigen Waffenstillstand, eine Verbesserung der humanitären Lage in Mariupol, Charkiw, Sumy, Wolnowacha und anderen ukrainischen Städten, einen Rückzug der russischen Truppen aus der Ukraine." Die genannten Städte stehen alle unter schwerem Beschuss der russischen Streitkräfte, viele Zivilisten sind dort eingeschlossen.

Selenskyj betonte Kompromissbereitschaft

Die russische Regierung hatte zuletzt von "Fortschritten" in Verhandlungen mit der ukrainischen Seite gesprochen und anders als vorher versichert, nicht den Sturz der Regierung in Kiew anzustreben. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj machte seinerseits seine Kompromissbereitschaft deutlich und rückte von der Forderung nach einem NATO-Beitritt seines Landes ab.

Eskalation verhindern

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich wiederholt als Vermittler in dem Konflikt zwischen Moskau und Kiew angeboten. Die Türkei sei nach wie vor in der Lage, "sowohl mit der Ukraine als auch mit Russland" zu sprechen, hatte Erdogan am Mittwoch betont.

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