Sinaida Thiel
Sinaida Thiel, Gleichstellungsbeauftragte des hr Bild © hr/ Ben Knabe

Was macht eigentlich eine Frauenbeauftragte? Und was hat sie mit dem Girls' Day zu tun? Das wollten fünf Mädchen herausfinden: Im Rahmen des Girls' und Boys' Day führten sie ein Interview mit der Frauenbeauftragten des hr, Sinaida Thiel.

Anica, Emily und Kim: Frau Thiel, was macht eigentlich eine Frauenbeauftragte?

Sinaida Thiel: Vereinfacht gesagt achtet eine Frauenbeauftragte darauf, dass Frauen und Männer die gleichen Chancen im Beruf haben. So achte ich als Frauenbeauftragte vom Hessischen Rundfunk darauf, dass Männer und Frauen im hr die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten haben.  

Anica, Emily und Kim: Warum braucht man eine Frauenbeauftragte?

Sinaida Thiel: Es gibt ein Gesetz, das den hr und viele andere Unternehmen dazu verpflichtet, eine Frauenbeauftragte anzustellen. Momentan sieht es in unserer Gesellschaft so aus, dass Frauen oft weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Außerdem bleiben Frauen wegen der Kinder meist zu Hause und verzichten auf Karriere. Darauf versucht eine Frauenbeauftragte Einfluss zu nehmen, indem sie beispielsweise dafür sorgt, dass alle das Gleiche verdienen, und dass Frauen nach einer Kinderpause leichter in den Beruf zurückfinden.  

Anica, Emily und Kim: In welcher Situation kann man zu Ihnen kommen?

Sinaida Thiel: Zu mir kann jeder kommen, der ein Problem hat und Beratung von einer neutralen Person braucht, die nicht Chef oder Kollege ist. Solche Fälle sind beispielsweise sexuelle Belästigung, oder wenn Frauen sich beruflich verändern wollen. Wenn Mitarbeiter Mütter oder Väter werden, mache ich eine Elternberatung in Gesprächen unter vier Augen.

Anica, Emily und Kim: Warum gibt es keinen Männerbeauftragten?

Sinaida Thiel: Das ist eine interessante Frage! In vielen Unternehmen gibt es Gleichstellungsbeauftragte, wobei diese Positionen dann auch Männer besetzten können. Nach dem hessischen Gleichstellungsgesetz muss die Stelle eines/einer Gleichstellungsbeauftragten von einer Frau besetzt sein und explizit Frauenbeauftragte heißen. Das wurde deshalb so eingerichtet, weil laut Gesetzt Frauen und Männern zwar gleiche Rechte haben, das jedoch in der Realität nicht überall erfüllt wird.  

Anica, Emily und Kim: Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?

Sinaida Thiel: Der klassische Weg ist, an der Universität das Studienfach "Gender Studies" zu wählen. Dabei geht es darum, welche Rollen Männer und Frauen haben und wie dieses Rollenverständnis in Berufswahl und sämtliche Entscheidungen mit einfließt. Ich habe etwas ganz anderes studiert und danach die Online-Seite von hr-iNFO betreut. Anschließend habe ich für hr-iNFO gearbeitet. Als dann die Stelle der Frauenbeauftragten ausgeschrieben war, dachte ich: Das sind genau meine Interessen, da würde ich gerne arbeiten!  

Anica, Emily und Kim: Gibt es die Frauenbeauftragte nur im hr?

Sinaida Thiel: Nein, die gibt es in ganz vielen Unternehmen: Zum Beispiel alle Krankenhäuser, Sparkassen und Gerichte müssen eine Frauenbeauftragte haben – also alle Unternehmen und Firmen, die öffentlich-rechtlich sind.  

Anica, Emily und Kim: Was haben Sie mit dem Girls' Day zu tun?

Sinaida Thiel: Der Girls' und Boys' Day ist ein Projekt, das von meinem Büro organisiert wird. Da geht's um Rollen: Mädchen lernen Berufe kennen, die zurzeit eher von Männern ausgeübt werden. Und Jungs lernen Berufe kennen, die momentan eher von Frauen besetzt sind. Die Jungs sind heute im Kindergarten, in den Sekretariaten und bei der Betriebskrankenschwester – die Mädchen sind in der Kfz-Werkstatt, in der Online-Redaktion oder in anderen technischen Bereichen des hr, wo wir gerne mehr Frauen hätten.  

Anica, Emily und Kim: Was gefällt Ihnen am Girls' Day?

Sinaida Thiel: Die Idee finde ich klasse. Es ist toll, dass junge Leute ganz früh Ideen bekommen, die sie vielleicht im späteren Leben weiter bringen. Außerdem können sie hier erleben, wie die anderen Kids drauf sind. Es ist einfach ein spannender Tag und ein großes Projekt!

Das Interview führten Anica Berg, Emily Wilhelmi und Kim Weber.