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In Hessens Skigebieten fällt im Winter immer weniger Schnee. Zu diesem Ergebnis kommt eine datenjournalistische Auswertung des Hessischen Rundfunks (hr).

Schneehöhen von 25 Zentimetern und mehr werden dadurch nur noch selten und in manchen Wintern gar nicht mehr erreicht. Die Auswertung hessischer Wetterdaten zeigt, dass die Winter in Hessen seit 1882 im Trend um 1,5 Grad wärmer geworden sind, dass es in Hessen an weniger Tagen im Jahr schneit und dass die Schneemengen in Hessen abnehmen.  Auch die Zahl der Eistage (konstant unter 0 Grad) und der Frosttage (zeitweise unter 0 Grad) gehen zurück. hr-Meteorologe Tim Staeger: „Schneereiche Winter werden seltener. Auf die lange Sicht muss man sich damit abfinden, dass Wintersport in Hessen immer schwieriger werden wird.“

Ohne Beschneiungsanlage kein lohnender Skiliftbetrieb

Das größte hessische Skigebiet, Willingen, setzt seit 2007 auf weiträumige Beschneiung mit Schneekanonen und konnte damit die Tage mit Skibetrieb von durchschnittlich 28 Tagen Anfang 2000 auf jetzt 82 Tage ausweiten. Doch auch die Schneekanonen funktionieren nur bei Minusgraden. Ist es wärmer, muss der Schnee für das Willinger Skispringen mit vielen Lastwagen von weit her geholt werden. Die Willinger Bergbahnen rechnen damit, dass es im Durchschnitt alle 25 Jahre ein Grad wärmer wird.

Bei anderen Anlagen wie etwa dem Kasseler Lift „Hohes Gras“ ist Skibetrieb nur noch an wenigen Tagen im Jahr möglich. Wirtschaftlich ist das schon lange nicht mehr. Ähnlich sieht es an den Liften auf dem Hoherodskopf, im Taunus oder im Odenwald aus. Am Kasseler Lift gibt es jetzt Pläne, im Sommer Mountainbikefahrer auf den Berg zu ziehen - das könnte die Anlage gerade noch vor einer Schließung retten.

Auswirkungen auf  Fauna und Flora

In der Rhön kann man auch schon Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt beobachten. Weil es selbst in den Höhenlagen nicht mehr richtig kalt wird, geht Vögeln wie dem Wiesenpieper wertvoller Lebensraum verloren. Rotmilane, die eigentlich im Winter in den Süden ziehen, sind schon beim Überwintern in der Rhön beobachtet worden. Zudem sorgen die milderen Winter für mehr Niederschläge. Das macht Probleme bei der Holzernte, weil die schweren Forstfahrzeuge auf den aufgeweichten Böden nicht fahren können. Mehr Winterstürme wiederum lassen die Fichten in der Rhön umknicken wie Streichhölzer. Sie sollen durch Misch- und Laubwälder ersetzt werden.

Weitere Informationen

Das Thema in allen hr-Kanälen

Der hr veröffentlicht die Recherche am Montag, 29. Januar 2018, ab morgens 6 Uhr auf hessenschau.de/schnee. Dort können die Daten zu Schnee und Temperaturentwicklung in den hessischen Skigebieten in einem interaktiven Tool nachvollzogen werden. Außerdem zeigt der hr hier in einer Multimediareportage die Folgen dieser Entwicklung.

Das hr-fernsehen bildet die Recherche in einem „Hessenreporter“ ab, der am Montag , 29. Januar, um 21.45 Uhr ausgestrahlt wird. Titel: „Schnee in Hessen“. Auch die Hessenschau wird darüber berichten.

Der hr-Hörfunk berichtet in seinen Programmen hr1, hr3, hr4 und hr-iNFO. Dabei geht es um die Fragen, wie das größte hessische Skigebiet Willingen auf diese Entwicklungen reagiert, welche Folgen es bereits für die Natur im Biosphärenresvervat Rhön gibt und wie es sich in Taunus, Vogelsberg und Odenwald auswirkt, wenn der Schnee weiter zurückgeht.

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Hartmut Hoefer
Hartmut Hoefer Bild © hr/Ben Knabe


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