Stuhl aus dem Besitz von Artur Lauinger
Stuhl aus dem Besitz von Artur Lauinger Bild © hr

Nach 16jähriger Wanderschaft kehrt die Ausstellung "Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933–1945" nach Frankfurt zurück. Sie wird abschließend im Historischen Museum Frankfurt präsentiert.

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Eine Ausstellung des Fritz Bauer Instituts und des Hessischen Rundfunks mit Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst unter der Schirmherrschaft von Dr. Thomas Schäfer, Hessischer Staatsminister der Finanzen im Historischen Museum Frankfurt am Main Präsentationszeitraum: 17.5.2018 – 14.10.2018

"Mitleidlose, ideologisch prädisponierte Bürokratie"

Die Ausstellung beschäftigt sich mit den Gesetzen und Verordnungen, die ab 1933 auf die Ausplünderung jüdischer Bürger zielten. Sie zeigt, wie das "Deutsche Reich" durch die Reichsfluchtsteuer, zahlreiche Sonderabgaben und schließlich durch den vollständigen Vermögenseinzug am Holocaust verdiente; an den Menschen, die in die Emigration getrieben wurden und an denen, die blieben, weil ihnen das Geld für die Auswanderung fehlte oder weil sie ihre Heimat trotz allem nicht verlassen wollten. Nach den Deportationen kam es überall zu öffentlich angekündigten Auktionen aus "jüdischem Besitz": Tischwäsche, Möbel, Kinderspielzeug, Lebensmittel wechselten die Besitzer.

Die Entstehung der Ausstellung geht zurück auf die Freigabe der Unterlagen der NS-Finanzverwaltung durch den Hessischen Finanzminister Karl Starzacher 1998. "Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Instituts sichteten die Akten im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden: Sie dokumentieren das Wirken einer mitleidlosen, ideologisch prädisponierten Bürokratie und zeigen eindrücklich die Beraubung der jüdischen Bevölkerung Hessens“, sagt Prof. Dr. Steinbacher, Direktorin des Fritz Bauer Instituts. "Die in Zusammenarbeit mit dem hr konzipierte Ausstellung ‚Legalisierter Raub’ macht die Forschung nicht nur für die Bevölkerung zugänglich, das Projekt hat die Bürgerinnen und Bürger immer wieder zu aktiver Spurensuche angeregt.“

140 Geschichten ausgeplünderter jüdischer Familien

Für jeden der bisher 29 Standorte der Ausstellung wurde ein neuer, regionaler Schwerpunkt erarbeitet. Waren es bei der Erstpräsentation 15 Geschichten ausgeplünderter jüdischer Familien, die die Ausstellung erzählte, sind es heute rund 140. Manfred Krupp, Intendant des Hessischen Rundfunks, unterstreicht den Bildungs- und Beteiligungscharakter des Projekts: "Viele Menschen, insbesondere Schülerinnen und Schüler, haben sich mit der Geschichte und Verfolgung von jüdischen Familien in ihren Heimatorten auseinandergesetzt. Bei ihren Forschungen sind sie den Familien sehr nah gekommen und haben zugleich erfahren, dass sich die Verfolgung nicht weit entfernt in den Metropolen München oder Berlin abgespielt hat, sondern auch dort, wo sie zu Hause sind. Letztlich geht es in unserem Projekt um Empathie. Das ist wichtig in einer Zeit, in der sich Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit offen und aggressiv zu Wort melden. Wir müssen verstehen, dass es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, menschfeindlichem Denken und Tun entgegen zu treten.“

Auch Nicole Schlabach, Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, betont die gemeinsame Verantwortung: "Der Holocaust, dessen Bestandteil der ‚legalisierte Raub‘ war, hat die Spuren von tausenden Menschen in hessischen Städten und Dörfern beinahe getilgt. Die Banken und Sparkassen waren an diesen Verbrechen ebenso beteiligt wie die Finanzbehörden. Daher ist es der Sparkassen- Kulturstiftung eine Verpflichtung gewesen, zur öffentlichen Erinnerung an die Verbrechen des Holocaust gerade in den kleineren Orten in Hessen beizutragen.“

Letzte Station der Ausstellung im Historischen Museum Frankfurt

Die Präsentation im Historischen Museum Frankfurt ist die 30. und letzte Station der Ausstellung und zeigt eine Auswahl der erforschten Familiengeschichten aus ganz Hessen. Die Schirmherrschaft hat der hessische Finanzminister, Dr. Thomas Schäfer, übernommen: "Die Geschichte der NS-Finanzverwaltung ist ein Teil unserer gemeinsamen Geschichte in Hessen. Inzwischen wissen wir, dass es kaum eine Institution oder Behörde in Deutschland gab, die keine Rolle in der Umsetzung der judenfeindlichen und rassistischen Politik des NS-Staates spielte. So ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, die Schirmherrschaft über diese Ausstellung zu übernehmen. Sie hat auch Licht in die Geschichte der hessischen Finanzverwaltung geworfen, für die ich heute Verantwortung trage. Leider können wir die Zeit nicht zurückdrehen, um vergangenes Unrecht ungeschehen zu machen. Umso wichtiger ist es aber, gemeinsam fortwährend die Erinnerung daran wachzuhalten, welches Leid behördliches Handeln während der Zeit des Nationalsozialismus verursachte – denn es soll sich nie wieder in unserem Land wiederholen.“

Bettina Leder-Hindemith
Bild © hr/Ben Knabe

Pressereferentin Ausstellungen
Bettina Leder-Hindemith
Telefon: +49 (0)69 155-4308
E-Mail: bettina.Leder-Hindemith@hr.de