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Im vergangenen Jahr sind hessenweit nur rund 72 Prozent der routinemäßigen Lebensmittelkontrollen auch tatsächlich durchgeführt worden. Das hat eine Anfrage des Hessischen Rundfunks (hr) bei den Veterinärämtern im Land ergeben.

Demnach standen 2018 aufgrund gesetzlicher Vorschriften 48.163 Routine-Kontrollen an, davon tatsächlich durchgeführt wurden 72,4 Prozent.

Die Kontrolleure des Landkreises Waldeck-Frankenberg, die auch für die insolvente Firma „Wilke“ zuständig waren, haben nur rund die Hälfte der Kontrollen durchgeführt. (49,91 Prozent). Nur fünf Landkreise haben alle Kontrollen durchgeführt, nämlich die Landkreise Gießen und Offenbach, der Werra-Meißner-Kreis, der Wetteraukreis und der Schwalm-Eder-Kreis. Schlusslicht ist der Landkreis Odenwald, dort wurden 2018 nur rund ein Viertel der Kontrollen durchgeführt (24,96 Prozent). Auf den hinteren Plätzen finden sich zudem die Stadt Darmstadt (39,10 Prozent), der Kreis Bergstraße (48,26 Prozent) und der Main-Taunus-Kreis (48,57 Prozent). Vom Main-Kinzig-Kreis hat es bisher keine Antwort gegeben.

Die Lebensmittelüberwachung ist seit 2005 Aufgabe der Kommunen. Bei den Kontrollen achten die Kontrolleure unter anderem auf die Hygiene und den sicheren Umgang mit Lebensmitteln. Sie können Betriebe unter anderem kurzfristig schließen oder Bußgelder verhängen. Wie oft solche unangekündigten Routinekontrollen anstehen, hängt unter anderem davon ab, wie schnell dort zum Beispiel eine mangelnde Hygiene gefährlich werden kann. Das bedeutet, dass ein Supermarkt mit verpackten Lebensmitteln weniger häufig kontrolliert wird als eine Wurstfabrik, die frisches Fleisch verarbeitet.

Das Regierungspräsidium Kassel als Fachaufsicht der Veterinärbehörde des Landkreises Waldeck-Frankenberg teilte dem hr auf Nachfrage mit, dass die dortige Kontrollquote von 50 Prozent zwar bekannt sei, man könne aber wenig machen: „Das Regierungspräsidium hat (...) nur die Möglichkeit, auf die Diskrepanz zwischen den geforderten und den tatsächlich vollzogenen Kontrollen hinzuweisen. (...) In diesem Falle bedeutet kommunale Selbstverwaltung auch kommunale Selbstverantwortung.“

Michael Draeger

Pressereferent hr-fernsehen und Das Erste
Michael Draeger
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