Petra Bollmann steht umringt von Grundschülern im Klassenraum.

In Deutschlands Grundschulen unterrichten immer mehr Quereinsteiger, die oftmals keine pädagogische Ausbildung haben. Sie werden dennoch als vollwertige Lehrerinnen und Lehrer eingesetzt.

Hintergrund ist, dass die Kultusministerien vieler Bundesländer den Bedarf an Lehrkräften über Jahre hinweg falsch eingeschätzt haben. Der Hessische Rundfunk (hr) beschäftigt sich im Rahmen der ARD-Themenwoche „Zukunft Bildung“ ausführlich mit dieser Problematik.

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In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil neu eingestellter Quereinsteiger  an öffentlichen Schulen deutschlandweit von unter drei Prozent auf 13 Prozent angestiegen. In Hessen hatten am Stichtag 1. Oktober 2018 insgesamt 6.300 Lehrkräfte keine abgeschlossene Lehrerausbildung. An Grundschulen unterrichten 1.500 ohne pädagogische Fachkenntnisse. Das sind zehn Prozent aller Grundschullehrer.

Hessen rechnet genauer als früher

Um dem Lehrermangel begegnen zu können, sind möglichst genaue Prognosen der Länder zur Entwicklung der Schülerzahlen notwendig, was bisher offenbar in vielen Fällen misslang und vor allem nicht regelmäßig genug geschieht.

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Dem hr liegen die neusten Prognosen für den Lehrkräftebedarf an hessischen Grundschulen ebenso vor wie ein Einblick in die bislang zurück gehaltene Methodik der Prognose. Bis 2025 fehlen demnach an den hessischen Grundschulen mindestens 1.945 Lehrer. Für die neue Prognose werden seit einigen Jahren verschiedene Verfahren kombiniert, was die Genauigkeit verbessert hat. Die Prognose beinhaltet neben Geburtenraten auch andere Faktoren, etwa aktuelle politische Maßnahmen, beispielsweise den weiteren Ausbau der Ganztagsschule. Außerdem wird sie bei Bedarf mehrmals im Jahr aktualisiert. Für die Grundschulen sanken dadurch die Abweichungen von bis zu 2,78 Prozent zur tatsächlichen Schülerzahl auf eine aktuelle Abweichung von +0,07 Prozent.

Präsident der Kultusministerkonferenz wehrt sich gegen pauschales Urteil

Pauschal von Lehrermangel zu sprechen – dagegen wehrt sich der Präsident der Kultusministerkonferenz, der hessische Kultusminister Alexander Lorz. Im Interview mit dem hr sagte er, das sei „von Region zu Region unterschiedlich, von Schulform zu Schulform und letzten Endes auch von Unterrichtsfach zu Unterrichtsfach“. Aber auch Lorz räumt ein: „Die Grundschulen beschäftigen uns natürlich in ganz Deutschland im Moment besonders. Wir werden noch ein paar herausfordernde Jahre vor uns haben.“

Bildungsforscher spricht von „De-Professionalisierung des Lehramts“

Die konkreten Folgen des Lehrermangels fasst der Berliner Professor für Grundschulpädagogik Jörg Ramseger gegenüber dem hr so zusammen: „Wir erleben eine De-Professionalisierung des Lehramts, eine Abwertung der Arbeit der Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer in Deutschland, die es in dieser Form seit den 1960er Jahren noch nicht geben hat.“ Ramseger spitzt seine Beschreibung zu: „Und jetzt stellen wir Friseure an und Fleischfachverkäuferinnen und sagen: Macht Ihr mal den Rechtschreibunterricht!“

Der Selbstversuch: Plötzlich Lehrerin

Ohne Ausbildung Grundschüler unterrichten – um zu erleben, was für viele Quereinsteiger Alltag ist, und was das mit den Schülerinnen und Schülern macht, hat hr-iNFO-Reporterin Petra Bollmann-Boberg elf Wochen lang an einer Grundschule in Wiesbaden unterrichtet. 30 Lehrkräften gab es dort, sechs von ihnen waren Quereinsteiger. Deutsch, Musik, Mathe und Sachkundeunterricht standen für Petra Bollmann-Boberg auf dem Unterrichtsplan. Ihr Fazit: „Ich bin weit davon entfernt zu sagen, dass ich hier professionell als Grundschullehrerin arbeiten könnte. Das habe ich nicht geschafft.“

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Die Sendungen und Beiträge in der Übersicht

Montag, 11. November, 22.45 Uhr im Ersten: „Die Story im Ersten: Ungenügend!“
Dienstag, 12. November, 21.45 Uhr im hr-fernsehen: „Plötzlich Lehrerin! Klassenkampf in der Grundschule“
Ab Montag, 11. November, als Reihe in hr-iNFO
Auf tagesschau.de

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Michael Draeger


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Christian Arndt





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