Platzhalterbild PM hr allgemein

Der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill hat sich bei Derege Wevelsiep entschuldigt. Der Deutsch-Äthiopier Wevelsiep war vor acht Jahren bei einem Polizeieinsatz beleidigt und verletzt worden. Wie Wevelsiep und die Polizei dem Hessischen Rundfunk bestätigten, fand Mitte August ein Treffen im Polizeipräsidium statt.

Wevelsiep äußerte sich im hr-Interview begeistert über das Treffen: „Diese zwei Stunden Gespräch, das war wie eine Therapie für mich. Das war ein tolles Gespräch.“ Er habe den ganzen Vorfall aus einer Sicht schildern können. Bereswill habe sich bei ihm entschuldigt und er habe die Entschuldigung angenommen. Die Sache sei für ihn nicht vergessen, aber vergeben.

Bereswill selbst wollte sich auf hr-Anfrage nicht äußern. Sein Sprecher teilte mit: „Herr Bereswill hat gegenüber Herrn Wevelsiep zum Ausdruck gebracht, dass es ihm sehr leidtue, dass Herr Wevelsiep das Vertrauen in die Polizei verloren hat und sich die Situation für ihn so dargestellt und er dies so erlebt hat.“ Wenn Herr Wevelsiep das als Entschuldigung auffasse, dann sei das in Ordnung, so der Sprecher.

Im Oktober 2012 war Wevelsiep zu einer strittigen Fahrkartenkontrolle im U-Bahnhof Bornheim-Mitte hinzugetreten. Es kam zu einem Wortgefecht, Wevelsiep selbst rief die Polizei. Daraufhin eskalierte die Situation, über den genauen Ablauf gibt es unterschiedliche Darstellungen. Wevelsiep wurde danach drei Tage im Krankenhaus behandelt, wegen Prellungen, einer Platzwunde und einer Gehirnerschütterung. Wevelsiep sagt, ein Polizist habe ihn grundlos beleidigt und geschlagen, möglicherweise aus rassistischen Motiven. Der Polizist behauptete dagegen vor Gericht, Wevelsiep habe sich selbst verletzt. Er sei beim Einsteigen ins Polizeiauto mit dem Kopf gegen die Dachkante gestoßen. Der Polizist wurde 2016 zu einer Geldstrafe verurteilt, allerdings nur wegen Beleidigung. Die mutmaßliche Körperverletzung sah das Gericht als nicht zweifelsfrei erwiesen an. Unstrittig ist, dass Wevelsiep während des Einsatzes völlig friedlich blieb.

Michael Draeger

Pressereferent hr-fernsehen und Das Erste
Michael Draeger
Telefon: +49 (0)69 155-3527
E-Mail:
michael.draeger@hr.de