Antonella Berta in San Luca d'Aspromonte

Die hr-Dokumentation "Ins Land der geraubten Menschen – Italiens Entführungsindustrie" ist bei den New York Festivals in der Kategorie "Dokumentationen – Geschichte und Gesellschaft" mit dem Bronze-Preis ausgezeichnet worden. Die Preise für die weltbesten TV- und Filmproduktionen wurden am Dienstagabend verliehen.

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Der 50-minütige Film von Antonella Berta ist die bewegende Reise in das Land ihrer Kindheit - in jene Zeit, die geprägt war von Entführungen. Er wurde erstmals im September 2019 gezeigt und beschäftigt sich mit der Entführungsindustrie, die Italien jahrzehntelang in Atem gehalten hat. Wie konnte sie so lange existieren? Die Autorin trifft ehemalige Opfer und reist an die Orte, in denen sie eingesperrt wurden. Es ist ein bedrückendes Zeugnis einer Zeit, die durch die Erzählungen und das Archivmaterial der Rai wieder lebendig wird. Die Dokumentation ist eine hr-Koproduktion mit RaiCultura und RaiStoria in Zusammenarbeit mit Arte. Die Redaktion hatten Sabine Mieder (hr), Bettina Schmidt-Matthiesen (hr) und Peter Gottschalk (Arte). Der Film ist hier zu sehen.

Zum Inhalt:

Siebenhundert Entführungen in 30 Jahren. Die Entführungsindustrie hat zwischen 1970 und 2000 Italien in Atem gehalten. Es traf normale Familien, Kleinunternehmer, Reiche, Industrielle – Männer, Frauen, Verliebte, Kinder. Einige von ihnen blieben bis über zwei Jahre gefangen, sie kamen als gebrochene Menschen zurück. Manche Familien sind an der Last des Schicksals zerbrochen, manche Unternehmen trieben die Lösegeldzahlungen in den Ruin. Von 100 Entführten fehlt jede Spur. Es wurde viel Geld erpresst, der Staat wirkte machtlos, wenige Täter wurden gefangen. Und die N’drangheta hat mit den Entführungs-Millionen den Grundstein für ihr Drogenimperium gelegt. Bis heute reichen die Nachwirkungen dieser Zeit. Die Filmautorin Antonella Berta kennt die TV-Meldungen über Entführungen aus ihrer Kindheit in den italienischen Alpen. Das Thema war damals allgegenwärtig, sie wuchs damit auf. Doch das Ausmaß der Entführungsfälle erfuhr die Autorin erst vor einigen Jahren: 700 Frauen, Männer, Kinder.

Als 1980 sogar drei deutsche Kinder entführt wurden, kam mit dem Schicksal der Familie Kronzucker, die in der Toskana Urlaub machte, das Thema auch in die deutschen Nachrichten. Das ganze Ausmaß der Entführungsindustrie blieb aber verborgen. Auch eher im Stillen verließ die Familie von Carla Bruni Italien Richtung Frankreich, weil sie Angst vor Entführungen hatte. Sie waren nicht die Einzigen.

Wie konnte die italienische Entführungsindustrie so lange Zeit existieren? Was ist aus den Opfern geworden? Und wer sind die Täter? Um Antworten auf ihre Fragen zu finden, begibt sich die Filmautorin auf eine Reise durch ihr Geburtsland – von den Alpen in die Toskana, von Sardinien nach Kalabrien. Sie begegnet ehemaligen Opfern, die monatelang im Wald, in Karsthöhlen oder in Löchern unter der Erde gefangen gehalten wurden. Ihre Familien zahlten exorbitante Lösegeldsummen für sie. Sie alle sind von dieser Erfahrung bis heute gezeichnet. Sie fährt auch an die Orte, an denen die Entführerbanden ihre Opfer einsperrten. In die Barbagia auf Sardinien und ins Aspromonte in Kalabrien.

Michael Draeger

Pressereferent hr-fernsehen und Das Erste
Michael Draeger
Telefon: +49 (0)69 155-3527
E-Mail:
michael.draeger@hr.de