Er teste für "defacto", zu welchen Konditionen Banken Basiskonten an Obdachlose geben
Er teste für "defacto", zu welchen Konditionen Banken Basiskonten an Obdachlose geben Bild © hr

Seit 2016 sind Banken gesetzlich dazu verpflichtet, finanzschwachen Men-schen wie Obdachlosen, Verschuldeten, Hartz-IV-Empfängern oder Asylsuchenden ein sogenanntes Basiskonto anzubieten.

Doch manche Banken lassen sich die Kontoführung der Basiskonten teuer bezahlen. Das hat eine exklusive Auswertung der Spezialisten des Finanzdienstleisters Biallo für das Fernsehmagazin „defacto“ des Hessischen Rundfunks ergeben. Befragt wurden 97 Geldhäuser in Hessen, davon 90 regionale und sieben überregionale Banken. Das sind 90 Prozent aller Banken in Hessen.

Bei 27 Geldhäusern sind die Basiskonten teurer als die klassischen Girokonten in Filialen. Darunter acht Sparkassen und 14 Volks- und Raiffeisenbanken sowie fünf der acht überregionalen Banken. Bei 58 Geldhäusern sind die Preise gleich hoch, und bei zwölf Banken sind die Basiskonten günstiger. Die größte Preisdifferenz zu Ungunsten der „Basiskunden“ gibt es bei den beiden überregionalen Anbietern Santander und Targobank. Die Santander berechnet 77,90 Euro mehr für ein Basiskonto pro Jahr, die Targobank 71,40 Euro pro Jahr. Das liegt daran, dass beide für ihr Filialkonto nur dann kein monatliches Entgelt nehmen, wenn die Kunden 1.200 bzw. 1.000 Euro im Monat als Geldeingang vorweisen können. Die Sparda-Bank Hessen verlangt 60 Euro mehr pro Jahr, die Volksbank Seligenstadt 51,60 Euro und die Sparkasse Hanau 51,30 Euro.

Bei der Erhebung wurde für diese Konten das gleiche Preismodell mit drei Überweisungen am SB-Automaten pro Monat zugrunde gelegt, die Jahrespreise der 97 Geldhäuser ermittelt und mit den Preisen der Basiskonten verglichen. Die Sparda-Bank Hessen und die Santander Bank begründen die höheren Gebühren mit einem erhöhten Aufwand. Dieser ergebe sich aus dem Umstand, so die Santander Bank, dass die Basiskonto-Kunden typischerweise den Bankschalter in der Filiale und nicht das kostengünstigere Onlinebanking nutzten. Die Targobank schreibt, dass das Entgelt für ihr Basiskonto unter dem Entgelt für das vergleichbare Girokonto läge. Die Sparkasse Hanau behauptet, die Gebühren für ihr Basiskonto seien so hoch wie beim Premium-Girokonto, erwähnt dabei aber nicht, dass es noch ein kostengünstigeres Girokonto (Classic) gibt.

Verbraucherschützer kritisieren seit der Einführung der Basiskonten für Bedürftige, dass diese häufig teurer seien als die herkömmlichen Kontomodelle. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat deshalb Klage gegen drei Geldinstitute erhoben. Nach der Klage gegen die Deutsche Bank hat das Landgericht Frankfurt am Main dem Kreditinstitut nun untersagt, für das Basiskonto eine monatliche Grundgebühr in Höhe von 8,99 Euro zu verlangen. Dieses Entgelt sei nicht angemessen. Das Gericht erklärte, dass sich der von der Bank behauptete Zusatzaufwand bei der Bearbeitung von Basiskonten nicht kostenerhöhend auswirken dürfe, weil die Bank mit dem Angebot eines Basiskontos eine gesetzliche Pflicht erfülle. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Die Deutsche Bank hat Berufung eingelegt.

Die Erhebung des Finanzdienstleisters Biallo und des Landesmagazins „defacto“ hat nun ergeben, dass manche hessische Geldinstitute sogar über den von der Deutschen Bank erhobenen monatlichen Gebühren von 8,99 Euro liegen. Die hessische Volksbank Spangenberg-Morschen verlangt von den bedürftigen Kunden eine monatliche Gebühr von 10 Euro. Sie ist damit Spitzenreiter, gefolgt von der Volks- und Raiffeisenbank Werra-Meißner mit monatlich 9,99 Euro und der Deutschen Bank mit monatlich 8,99 Euro. Die Deutsche Bank bestätigt die monatliche Gebühr von 8,99 Euro und begründet dies wie folgt: „Das Entgelt liegt innerhalb der Bandbreite unserer sonstigen Kontoangebote im Privatkundengeschäft“. Auch die Sparkasse Gelnhausen sieht ihre Gebühren für das Basiskonto als marktkonform an.

Das hr-fernsehen zeigt den Beitrag zum Thema heute (Montag) um 20.15 Uhr im landepolitischen Magazin „defacto“.

Hinweis der "defacto"-Redaktion: Der Text der Pressemitteilung wurde im letzten Absatz geändert. In der vorherigen Version wurde die Kreissparkasse Gelnhausen mit einem Monatsbetrag von 9,48 Euro genannt. Die Bank hat um Korrektur der Angabe gebeten, da die monatlichen Kosten für ein Basiskonto dort geringer seien, nämlich 8,90 Euro.

Christian Bender
Christian Bender Bild © hr/Ben Knabe

Pressereferent hr-fernsehen und Das Erste
Christian Bender
Telefon: +49 (0)69 155-2290
E-Mail: christian.bender@hr.de