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Die Solarfirma MEP aus München hat Kunden mit geschönten Zahlen getäuscht. Zu diesem Ergebnis kommen Recherchen des Magazins „defacto“ im hr-fernsehen.

MEP vermietet in Hessen und bundesweit Solaranlagen an Privatpersonen. In Verkaufsgesprächen sind den potentiellen Kunden mitunter deutlich höhere sogenannte Eigenverbrauchsquoten präsentiert worden als in der Realität erreicht werden können, so die Recherchen. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben 9.000 Kunden.

Mit der Eigenverbrauchsquote wird angezeigt, wie hoch der Anteil des selbst genutzten Stroms am produzierten Strom einer Solaranlage ist. Das heißt: Je mehr Strom der Verbraucher selbst produziert, desto weniger muss er zukaufen. Eine hohe Eigenverbrauchsquote macht eine Anlage attraktiver und wirtschaftlicher für den Verbraucher.

Die MEP-Werke hätten in etlichen Verkaufsgesprächen gegenüber ihren potentiellen Kunden mit Eigenverbrauchsquoten zwischen 70 und 80 Prozent geworben, teilweise sogar noch höher, moniert der Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein Westfalen, Thomas Wennmacher. „Man kann sagen, dass sie durch die Bank zu optimistisch gerechnet sind.“ Realistisch seien aber Eigenverbrauchsquoten von „20 bis 30 Prozent“.

Ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens werfen der IT-Abteilung der MEP Werke sogar vor, die Werte absichtlich zu hoch angesetzt zu haben: „Ich denke, dass das schon manipulativ war und man diese hohen Zahlen präsentieren wollte, um entsprechende Abschlüsse zu kreieren“, sagt ein ehemaliger Vertriebsmitarbeiter im Interview. Ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter spricht zudem von einem immensen Druck, der im Unternehmen geherrscht habe, pro Tag und pro Woche möglichst viele neue Kundenverträge für die Solaranlagen abzuschließen.

Das Unternehmen selbst bestreitet, mit zu hohen Werten gerechnet zu haben. „Im Schnitt liegt die von uns angenommene Eigenverbrauchsquote ohne Speicher bei 30 bis 38 Prozent und damit deutlich unter den Annahmen, welche von Mitbewerbern verwendet werden“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber defacto. Die Validität der Daten sei „von der unabhängigen meteocontrol GmbH bestätigt“ worden. „Sämtliche für die Wirtschaftlichkeitsberechnung relevanten Datenquellen und Basiswerte sind einsehbar und nachvollziehbar.“

Das hr-Fernsehen zeigt den Beitrag zum Thema heute um 20.15 Uhr im landespolitischen Magazin „defacto“.

Michael Draeger
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Pressereferent hr-fernsehen und hessenschau
Michael Draeger
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