Ute Wellstein und der hessische SPD-Vorsitzende und Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel auf der Baustelle der Schiersteiner Brücke
Ute Wellstein und der hessische SPD-Vorsitzende und Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel auf der Baustelle der Schiersteiner Brücke Bild © hr

Thorsten Schäfer-Gümbel, der hessische SPD-Vorsitzende und Spitzenkandidat bei der bevorstehenden Landtagswahl, hält die linke Sammlungsbewegung „Aufstehen“ für ein „verlorenes Projekt“. Das sagte er im Sommerinterview des hr-fernsehens.

Download

Download

zum Download Foto: Thorsten Schäfer-Gümbel im hr-Sommerinterview

Ende des Downloads

Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht seien in der Vergangenheit als Spalter aufgetreten. „Ich glaube, dass sich da nach wie vor ein persönliches politisches Trauma – die eine mit ihrer eigenen Partei, der Linkspartei, der andere mit der Sozialdemokratie – auslebt und austobt. Deswegen ist das für uns und für mich vor allen Dingen überhaupt keine Option. Ich halte das für ein eigentlich schon verlorenes Projekt“, so Schäfer-Gümbel. „Aufstehen“ hat nach eigenen Angaben in den ersten Tagen mehr als 50.000 Unterstützer gewonnen. Die Bewegung wirbt auch um die Mitarbeit von SPD-Mitgliedern.

Schäfer-Gümbel gab zu, dass die SPD „unfassbar viele Fehler in Berlin“ gemacht habe. Die Bewegung zeige deshalb auch, dass die SPD derzeit nicht für eine „fortschrittliche, progressive Politik“ stehe.

„Deswegen werden wir auch grundsätzlichere Fragen klären müssen. Das ist ja das, was wir uns als SPD vorgenommen haben. Ich will offen gestehen: Das geht mir nicht schnell genug. Ich würde mir mehr Dynamik wünschen. Das hat was damit zu tun, dass wir in der Tat eine schwierige Situation auch in Berlin haben.“

Trotz der derzeit niedrigen Werte der SPD in den Umfragen halte er an seinem Ziel fest, Ministerpräsident von Hessen zu werden. Er sei so gut vorbereitet wie nie zuvor und wolle sich den Alltagsthemen der Menschen widmen. Dazu gehörten für ihn große Investitionen in die Verkehrswege, sagte er auf der Baustelle der Schiersteiner Brücke.

„Das wirklich große Projekt, das wir brauchen, ist ein schienengebundener Ringverkehr um den Großraum Rhein-Main. Das ist der Standard in vielen Metropolregionen. Hier in Hessen ist da in letzter Zeit nichts voran gegangen, wir diskutieren über Teilstrecken seit Jahrzehnten, und es kommt nichts voran. Und ich will das ändern, das wird eines der Großprojekte sein, für das ich mich engagieren werde.“

Dafür müsste er jedoch bei der Landtagswahl eine regierungsfähige Mehrheit bilden können. Zwei Anläufe sind bereits gescheitert, es ist Schäfer-Gümbels dritter Versuch, Ministerpräsident zu werden. Wenn das nicht funktioniert, was wäre ihm lieber, ein „vierter Anlauf oder ein Lehrstuhl an der Uni Gießen?“, fragte die Leiterin des Landtagsstudios, Ute Wellstein – und erntete ein lautes Lachen: „Ich kann mir eine akademische Karriere ehrlich gesagt nicht vorstellen.“

Das Interview führte Ute Wellstein, Leiterin des hr-Fernsehstudios im Landtag. Eine Zusammenfassung des Gesprächs zeigt die „Hessenschau“ am heutigen Samstag um 19.30 Uhr. Das gesamte Interview strahlt das hr-fernsehen am Sonntag, 12. August, um 18.15 Uhr aus.

Marco Möller
Marco Möller Bild © hr/Ben Knabe

Pressereferent hr-fernsehen und Das Erste
Marco Möller
Telefon: +49 (0)69 155-4401
E-Mail: marco.moeller@hr.de