Die Moderatoren Julia Tzschätzsch und Daniel Mauke.
Die Moderatoren Julia Tzschätzsch und Daniel Mauke. Bild © hr/Marco Möller

„Man traut sich nicht, krank zu werden“ – so beschreibt Anna Keil aus Hofgeismar ihre Sorgen. Die Stadt gehört zu jenen Orten in Hessen, in denen es an Ärzten mangelt. Am Mittwoch, 30. Mai, gehen um 21 Uhr die „Wilden Camper“ im hr-fernsehen dem Thema auf den Grund.

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Die Moderatoren Julia Tzschätzsch und Daniel Mauke haben vergangene Woche bei der Aufzeichnung der Sendung ihr Campingmobil auf dem Marktplatz in Hofgeismar geparkt und dort Bürger, Ärzte, Politiker und einen Vertreter der kassenärztlichen Vereinigung an den Tisch geholt.

Hausarzt Dr. Christoph Schmidt aus Trendelburg sagt in der Sendung, in seiner Praxis sei die Taktung durch die Menge der Patienten mittlerweile sehr eng. „Wir haben schon das Gefühl, es könnte was untergehen.“ Die Angst, Fehler bei der Diagnose zu machen, sei da. Aber warum kommen so wenig neue Ärzte in kleine Städte? Wollen sie nicht? Das findet Bürgermeister Markus Mannsbarth zu kurz gegriffen. „Ich glaube, dass wir einen so ungeheuerlichen Bürokratie-Aufwand haben, der gerade junge Ärzte abschreckt.“ Aber Ärzte gezielt dahin schicken, wo es zu wenige gibt, gehe nicht, so Armin Beck von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. „Wir können Ärztinnen und Ärzten nicht sagen, ‚du musst dich in Hofgeismar niederlassen‘. Sie haben das Recht, sich in der ganzen Republik niederzulassen.“ Auf welche Ideen und Lösungen die Runde in Hofgeismar gekommen ist? Das zeigen die „Wilden Camper“ im hr-fernsehen.

Drei Fragen an die „Wilden Camper“ Julia Tzschätzsch und Daniel Mauke:

Was hat sich für euch bei der Recherche ergeben - wie groß ist der Ärztenotstand in Hessen?

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Daniel Mauke: Es ist paradox: Rein zahlenmäßig gibt es genügend Ärzte in Hessen, die Verteilung ist das Problem. Vor allem in ländlichen Gebieten mangelt es an Hausärzten. Allein in Hofgeismar fehlen jetzt schon drei. Wenn bald noch welche in Rente gehen, verschärft sich das Problem.

Julia Tzschätzsch: Wir haben unter anderem in einer Praxis in  Trendelburg gedreht. Dort betreuen zwei Ärzte 2500 Patienten im Quartal, die Praxis ist immer voll. In Hochzeiten bleiben dann nur fünf  Minuten pro Patient.

Warum habt ihr euch entschieden, für diese Sendung nach Hofgeismar zu kommen?

Daniel Mauke: Weil wir erst mal überrascht waren, dass in einer Stadt wie Hofgeismar so ein Ärztemangel herrscht. Man denkt ja, das sei vor allem in kleinen Dörfern ein Problem. Aber selbst eine funktionierende Kleinstadt mit Infrastruktur wie Hofgeismar ist davor nicht gefeit.

Julia Tzschätzsch: Hier lagen die Geschichten buchstäblich auf der Straße. Wir haben zahlreiche Menschen getroffen, die eine „Ärzte-Leidensgeschichte“ hatten. Welche ich nicht vergessen werde: Ein Mann hatte einen Motorradunfall, musste täglich neu verbunden werden, fand aber keinen Arzt. Irgendwann hat es die Nachbarin gemacht, die zum Glück Krankenschwester war.

Welcher Lösungsvorschlag hat euch am meisten beeindruckt?

Daniel Mauke: Es gibt ja verschiedene Ansätze, zum Beispiel einen "Medi-Bus", der in die Orte kommt, oder früh Anreize zu schaffen, damit Medizinstudenten Hausärzte werden. Wir haben einen Gast eingeladen, der mehrere andere Ärzte angestellt hat und so fünf Praxen vor dem Aus retten konnte. Für manche ist die Sicherheit einer Festanstellung im Vergleich zur Selbstständigkeit schon ein Anreiz, auf dem Land zu praktizieren.

Julia Tzschätzsch: Auf die meiste Zustimmung in unserer Camper-Runde stieß dabei die Landarzt-Quote im Studium: Wer sich verpflichtet, nach dem Studium für einige Jahre auf dem Land zu arbeiten, wird bei der Studienplatzvergabe bevorzugt behandelt. Das kann von den Bundesländern eingeführt werden. In Hessen ist das nicht in Planung.

Michael Draeger
Bild © hr/Ben Knabe

Pressereferent hr-fernsehen und hessenschau
Michael Draeger
Telefon: +49 (0)69 155-3527
E-Mail: michael.draeger@hr.de