Der AfD-Bundestagsabgeordnete Jan Nolte.

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Jan Nolte hat sich gegenüber „defacto“, dem Politmagazin des hr, erstmals zu Vorwürfen gegen seinen Mitarbeiter Maximilian T. geäußert. Der hat Zugang zu vertraulichen Unterlagen des Verteidigungsausschusses.

Jan Nolte ist Mitglied des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages, der rechte Strukturen in der Bundeswehr untersucht. Sein Mitarbeiter und Bundeswehroffizier Maximilian T. war wegen Terrorverdachts ins Visier der Ermittler geraten. T. ist als Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Nolte in der Lage, sensible Akten und Protokolle des Verteidigungsausschusses einzusehen. Im Interview mit dem Politmagazin „defacto“ des Hessischen Rundfunks räumt Jan Nolte erstmals ein: „Mein Mitarbeiter könnte Protokolle einsehen, das geht. Aber mein Mitarbeiter zählt ja nicht zu rechten Kreisen.“

Im Verteidigungsausschuss ist auch Franco A. Thema. Informationen aus dem Ausschuss könnte Maximilian T. theoretisch an Franco A. weitergeben. Denn die beiden kennen sich. Der Offenbacher und der Seligenstädter haben in der gleichen Kaserne in Frankreich nahe der deutschen Grenze gedient. Gegen beide wurde ermittelt. Die Strafverfolger hatten Maximilian T. vorgeworfen, Komplize von Franco A. zu sein. Jener Bundeswehroffizier, der sich als syrischer Flüchtling ausgegeben hatte. Mit Hilfe dieser Identität soll er mutmaßlich Anschläge geplant haben, glaubten die Ermittler. T. war in Wien dabei, als Franco A. auf dem Wiener Flughafen eine Pistole in einer Toilette versteckte.

Jan Nolte erklärt, sein Mitarbeiter Maximilian T. habe von der Waffe nichts gewusst. Im Interview mit „defacto“ bestätigt Nolte aber die Existenz eines Fotos von der Toilette, in der die Waffe von Franco A. versteckt wurde. Dieses Foto war von ihm in einer Chatgruppe gepostet worden, in der auch Maximilian T. Mitglied war. Maximilian T. wurde im Frühsommer 2017 verhaftet, kurz nach Franco A., und T. kam in eine mehrwöchige Untersuchungshaft. Die Ermittlungen gegen Franco A. laufen noch in Teilen, die gegen T. wurden inzwischen eingestellt. Ähnlich wie Franco A. soll auch Maximilian T. eine Liste geführt haben mit Namen von Personen und Organisationen. Sie könnte, so vermutete die Bundesanwaltschaft, mögliche Anschlagsziele enthalten. Angesprochen auf diese Liste entgegnet Nolte: Das sei keine Liste, sondern nur eine Aufstellung: „Das waren einfach Aufzeichnungen über die politmedialen Zusammenhänge in der Flüchtlingskrise, und man hat sich eben nur dieses eine Blatt herausgenommen. Er hat aber viele Aufzeichnungen zu politischen Geschehnissen gemacht.“

Laut Medienberichten sollen Maximilian T. sowie Franco A. Mitglieder in mehreren rechten Chat-Gruppen gewesen sein. Jan Nolte bestätigt die Mitgliedschaft Maximilian T.s in den rechten Chat-Netzwerken, doch sei sein Mitarbeiter „wie viele andere Kameraden auch hinzugefügt [worden] von einem anderen ohne das eigene Zutun.“ Er sei, wie fast alle anderen, wieder ausgetreten. Maximilian T. fühlt sich laut Nolte durch Politik und Medien vorverurteilt, weshalb er das Interview durch seinen Vorgesetzten, Jan Nolte, führen lässt. „Hier werden Konstrukte aufgebaut, hier werden Geschichten zusammengesponnen, die einfach völlig jeder Grundlage entbehren. Das gilt für die gesamte Geschichte, für die gesamten Vorwürfe, die man ihm ursprünglich gemacht hat.“

Den kompletten Beitrag zeigt das Politmagazin „defacto“ heute um 20.30 Uhr im hr-fernsehen.