Auf den beiden Bildern sind zum einen Keime in einer Petrischale zu sehen und zum anderen eine Frau, die Wasserproben einem Gewässer entnimmt.

In zahlreichen hessischen Gewässern sind multiresistente Keime nachgewiesen worden. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung im Auftrag des Hessischen Rundfunks (hr).

Dabei sind neben multiresistenten Keimen auch solche Erreger gefunden worden, die gegen sogenannte Reserve-Antibiotika resistent sind. Besonders belastet waren die Lahn bei Marburg und die Alte Wehre bei Eschwege.

Für die Untersuchung wurden Ende Mai insgesamt elf Proben in hessischen Gewässern entnommen, unter anderem in der Nidda, der Lahn, dem Main, der Fulda, der Gersprenz, der Alten Wehre in Eschwege und im Diemelsee. Alle Entnahmestellen lagen in der Nähe von Krankenhäusern, Kläranlagen oder Tiermastbetrieben. In fünf Proben wurden Erreger gefunden, die gegen drei Antibiotika-Wirkstoffklassen resistent sind, in zwei Proben sogar Resistenzen gegen vier Wirkstoffklassen.

Außerdem wurden in der Lahn, der Gersprenz, der Alten Wehre, der Fulda, im Main sowie in einem kleinen Bach im Schwalm-Eder-Kreis Erreger nachgewiesen, die eine Resistenz gegen die Reserve-Antibiotika Imipenem und Colistin zeigten. Diese Wirkstoffe werden von Medizinern als letztes Mittel eingesetzt, wenn andere Antibiotika nicht mehr helfen.

Der Leiter der Untersuchung, Professor Dr. Thomas Schwartz vom Karlsruher Institut für Technologie, bewertet diese Funde im hr-fernsehen als besonders kritisch: „Wenn Menschen sich damit besiedeln, und es kommt zu einer Krankheit, dann ist diese nur sehr schwer therapierbar.“ Die zunehmende Verbreitung resistenter Erreger kann dazu führen, dass Patienten mit Antibiotika nicht mehr behandelbar sind.

Die Auswertung erfolgte durch die Abteilung für Mikro- und Molekularbiologie im Institut für Funktionelle Grenzflächen des Karlsruher Instituts für Technologie. Wie groß die konkrete Gesundheitsgefahr durch resistente Bakterien in den Gewässern ist, kann derzeit wissenschaftlich nicht beantwortet werden. Die Untersuchung zeigt allerdings, wie verbreitet diese Bakterien in der Umwelt bereits sind. Verantwortlich dafür sind unter anderem der starke Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin und in der Tiermast. Experten fordern daher, die Menge der eingesetzten Antibiotika zu reduzieren.

Über die Ergebnisse der Untersuchung und die Folgen berichten mit unterschiedlichen Schwerpunkten die hr-Fernsehmagazine „defacto“ am Montag, „mex – das Marktmagazin“ am Mittwoch und „Alles Wissen“ am Donnerstag, jeweils um 20.15 Uhr.

Michael Draeger

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