Der frühere Chef der Arbeiterwohlfahrt Hessen Süd, Torsten Hammann, hat aus privaten Geschäften mit dem Verband in sechs Jahren mehr als 1,8 Millionen Euro eingenommen. Das ergeben Berechnungen des Hessischen Rundfunks (hr). Der Wirtschaftsprüfer diente der AWO als Berater und von 2016 bis 2019 als Generalbevollmächtigter.

Die Bruttoeinnahmen von 1.835.000 Euro setzen sich aus Honoraren, Zinsen eines Privatkredits und Gewinn eines Privatunternehmens für Immobilien zusammen. Insgesamt war Hammann nach Recherchen des hr über sieben Unternehmen mit der AWO im Geschäft. Darunter eine Firma, die auf den Dächern von Pflegeheimen Solarstrom erzeugt. Deren Gewinne sind großenteils unbekannt und in die Zusammenstellung nicht eingeflossen. Hammann betreibt eine Kanzlei mit Sitz in Bad König und Pfungstadt.

Hammann hat nicht nur selbst private Geschäfte mit der AWO gemacht, die er gleichzeitig beraten oder als Generalbevollmächtigter vertreten hatte. Er sorgte auch dafür, dass Freunde und Kunden sich an Immobiliengeschäften beteiligen konnten. Gegenüber dem Hessischen Rundfunk erklärt er, das wirtschaftliche Risiko sei hoch gewesen. Der Bezirksverband Hessen Süd der AWO sei wirtschaftlich am Ende gewesen. Er und seine Geschäftspartner hätten mitunter mehr bezahlt, als angemessen gewesen wäre. „Als seriös würde ich es auch heute noch auf jeden Fall bezeichnen“, sagt Hammann im hr-Interview. Es sei freilich „eine untypische Aufgabenstellung“ gewesen.

Ein letzter Beratervertrag mit Hammann wurde Ende Oktober beendet, wofür eine Abstandszahlung von 90.000 Euro an den Wirtschaftsprüfer fällig wurde. Der Bundesverband der AWO hat den langjährigen Bezirksvorsitzenden Willy Jost Mitte November abgesetzt. Unabhängig von den Geschäften des AWO-Bezirksverbandes waren die AWO-Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden wegen Misswirtschaft in Turbulenzen geraten.

Das hr-fernsehen zeigt die Reportage „Warum? AWO & Co außer Kontrolle“ von Erika Becker und Volker Siefert am Donnerstag, 10. Dezember, um 21.45 Uhr. Von da an ist der Film auch jederzeit in der ARD-Mediathek zu sehen.

Michael Draeger

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