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Nach dem Tod eines Zweijährigen erheben die Eltern des Kindes und deren Anwalt schwere Vorwürfe gegen die Uniklinik Gießen-Marburg. Da hr-Politmagazin "defacto" berichtet am Montag, 16. März, um 20.15 Uhr über den Fall.

Das Kind war bereits am Vortag von einem niedergelassenen Kinderarzt als dringender Fall angekündigt worden, weil der Verdacht einer Herzmuskelentzündung bestand. Trotzdem hätten die Eltern tags darauf mehrere Stunden in der Uniklinik warten müssen, bevor man sich um ihr Kind gekümmert habe, erzählen sie im Interview mit dem hr-Politmagazin „defacto“. Ausgestrahlt wird der Beitrag am Montag, 16. März, um 20.15 Uhr.

Dem Jungen sei zunächst Blut abgenommen worden, obwohl dies bereits am Vortag durch den Kinderarzt erfolgt war. Ihr Kind habe dabei Angst entwickelt und sei stark unruhig geworden. Der behandelnde Arzt habe dem Kind dann starke Beruhigungsmittel verabreicht, anschließend habe ihr Kind einen Atemstillstand erlitten. Nach Aussagen der Eltern habe kein für eine Beatmung notwendiger Beatmungsschlauch zur Verfügung gestanden. Der sei erst nach etwa 20 Minuten beigebracht worden. Da sei ihr Sohn allerdings schon verstorben.

Zusammen mit einer herbeigerufenen Freundin der Eltern, einer Fachkrankenschwester, hätte man die eingetroffenen Polizeibeamten gebeten, das Kind nicht von einem Gerichtsmediziner der Uniklinik Gießen obduzieren zu lassen, da man nach dem Erlebten kein Vertrauen mehr in die Klinik habe. Dem sei man aber nicht nachgekommen, so die Eltern im hr-Interview. Das Kind sei rasch abtransportiert worden. In dem anschließend vom Gutachter verfassten und der Gießener Staatsanwaltschaft vorgelegten Gutachten konnte kein schuldhaftes Verhalten der Klinik oder des behandelnden Arztes festgestellt werden. Die Staatsanwaltschaft stellte daraufhin ihre Ermittlungen ein.

Der Weilburger Rechtsanwalt Dr. Burkhard Kirchhoff, der die Familie vertritt und bereits kurz nach dem Tod des Kindes Strafanzeige erstattet hatte, spricht bei „defacto“ von einem skandalösen Vorgehen. Die Uniklinik Gießen-Marburg wollte sich dem hr gegenüber nicht konkret zu dem Fall äußern. Auf Nachfrage schreibt sie, man habe sich intern „mit diesem tragischen Todesfall beschäftigt und die Ursachen aufgearbeitet. Auch uns ist daran gelegen, die Gründe für den Todesfall zum frühestmöglichen Zeitpunkt offenzulegen. Da wir uns aber in einem laufenden Strafverfahren befinden, können wir gegenwärtig leider keine Aussagen tätigen."

Nach der Beschwerde des Anwalts erfolgt nun eine nochmalige Überprüfung des Falles durch die Staatsanwaltschaft.

Michael Draeger

Pressereferent hr-fernsehen und Das Erste
Michael Draeger
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