Bild: Die Airbase Wiesbaden.

Giftige Schadstoffe aus per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) haben den US-Militärstützpunkt in Wiesbaden verseucht. Die Stoffe, die sich inzwischen auch in der Umgebung ausgebreitet haben und Grundwasser sowie angrenzende Bäche belasten, stammen wahrscheinlich vom Löschschaum, der auf der Air Base bei Übungszwecken der Feuerwehr eingesetzt wurde.

Dies hat das landespolitische Magazin „defacto“ für seine neueste Ausgabe recherchiert, die am Montag um 20.15 Uhr im hr-fernsehen ausgestrahlt wird.

Das Regierungspräsidium Darmstadt schließt neben dem Löschschaum auch weitere Quellen nicht aus. Konkrete Werte finden sich in Unterlagen des Umweltamtes der Stadt Wiesbaden, die das hr-Magazin eingesehen hat. Demnach wurden 2018 im angrenzenden Grundwasser-Brunnen eines Landwirts 46,3 PFC Mikrogramm pro Liter gemessen, an einer anderen Messstelle liegt der Wert bei 63,3 µg/l. Auf dem Militärgelände ist das Grundwasser laut US Army in der Spitze mit 104 µg/l PFC belastet. Zwar gibt es noch keine konkreten gesetzlichen Grenzwerte für diese Chemikalien. Das Umweltbundesamt gibt aber für einzelne, besonders giftige PFC-Stoffe, wie PFOS, einen empfohlenen Leitwert für Grundwasser von 0,1 µg/l an. Die gemessenen Werte liegen hundertfach darüber.

Der Chemiker und PFC-Experte Manfred Santen von Greenpeace Deutschland stuft die Situation in Wiesbaden-Erbenheim als „besorgniserregend“ ein. „Es gibt genügend Beispiele, wo wir sehen, dass Messwerte in dieser Größenordnung ein ernsthaftes Problem darstellen.“ Er kritisiert, dass die Öffentlichkeit über die Belastung bisher nicht informiert wurde. Nach Angaben der US Army trat erstmals im Jahre 2009 ein PFC-Verdacht auf dem Gelände auf.

Auf „defacto“-Anfrage gibt das zuständige Regierungspräsidium Darmstadt an, dass man sich derzeit „noch in der Phase der Erkundung“ befinde und „eine abschließende Gefährdungsabschätzung (...) momentan nicht möglich“ sei. Eine Informationskampagne erscheine "zum jetzigen Zeitpunkt aus Sicht der Wasserbehörde als verfrüht". Nicht nur im Grundwasser ist die PFC-Belastung inzwischen deutlich nachweisbar. Das Umweltamt Wiesbaden hat auch in zwei angrenzenden Gewässern der Air Base - im Käsbach und im Nordenstädter Bach - seit 2017 erhöhte Werte gemessen.

PFC ist zuletzt bei Aushubarbeiten für den Bau des Terminals 3 auf dem Frankfurter Flughafen in die Schlagzeilen geraten.  Dort lagern über 500.000 Kubikmeter giftige Erde. Auch hier wird vermutet, dass die US-Militärs, die bis 2006 diesen Teil des Rhein-Main-Flughafens betrieben, Löschübungen mit dem giftigen Schaum gemacht haben. 

Die Internationale Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation stuft PFC als "möglicherweise krebserregend" ein. PFC sind Stoffe, die von der Industrie besonders wegen ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften geschätzt werden. Die Chemikalien tauchen unter anderem in Kaffeebechern, Sofabezügen, Outdoor-Kleidung und im Backpapier auf und besonders zahlreich in älteren Löschschäumen von Feuerwehren.

Christian Bender

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