Der Leiter der Polizeidirektion Main-Kinzig, Jürgen Fehler sitz vor Kameras im hr-Interview.

In der hr-Dokumentation „Hanau – Einsatz in der Terrornacht“ äußern sich neben der Polizei erstmals seit dem Anschlag auch Sanitäter und Rettungskräfte. Der Film ist ab Donnerstag, 8. Juli, 5.30 Uhr, in der ARD-Mediathek abrufbar.

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Nach dem rassistischen Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020 sind schwere Vorwürfe gegen die Polizei laut geworden, von Totalversagen ist die Rede. Zum genauen Ablauf der Tat ermittelt der Generalbundesanwalt, gegen die Polizei ermittelt die Staatsanwaltschaft Hanau. Bisher haben sich die Beamten zu den Vorwürfen nicht öffentlich geäußert. Der Leiter der Polizeidirektion Main-Kinzig, Jürgen Fehler, weist die Kritik in der hr-Dokumentation „Hanau – Einsatz in der Terrornacht“ nun erstmals öffentlich zurück: „Die Kollegen haben in dieser Nacht ihr Bestes getan.“ Der Film vom Hessischen Rundfunk (hr) ist ab Donnerstag, 8. Juli, 5.30 Uhr, in der ARD-Mediathek abrufbar.

Einer der Vorwürfe: Die Leitstelle sei nicht ausreichend besetzt gewesen, Notrufe seien nicht durchgekommen. Die Schüsse am zweiten Tatort hätten ansonsten vielleicht verhindert werden können. Dem widerspricht Jürgen Fehler im Gespräch mit der Journalistin und Filmautorin Diana Deutschle vom hr. Die Wache sei nicht unterbesetzt gewesen, die erforderliche Mindeststärke von sieben Beamten sei vorschriftsmäßig eingehalten worden. Nach dem ersten Notruf habe man sich entschieden, alle auf der Wache verfügbaren Beamten zum Tatort zu schicken. Nach zwei Minuten seien sie am ersten Tatort gewesen. Eine Beamtin blieb zurück, um weitere Notrufe entgegenzunehmen.

„Es war die richtige Entscheidung. Draußen spielt sich die Gefahr ab. Die Polizei gehört auf die Straße und hat die Gefahr draußen anzugehen und nicht auf einer Wache zu warten, ob da noch weitere Telefonate eingehen“, so Fehler. Zeitweise war die Anlage überlastet und die Anrufe liefen ins Leere, so auch die Anrufe des späteren Opfers Vili Viorel Păun, der den Täter auf dem Weg zum zweiten Tatort verfolgt hatte, bevor er von ihm erschossen wurde. Normalerweise werden die Anrufe im Falle einer Überlastung an eine Leitstelle weitergeleitet, im Polizeipräsidium Südosthessen gab es diese Technik zum Zeitpunkt des Anschlags noch nicht.

Sechs Minuten nach dem ersten Notruf erreichte die Polizei laut Jürgen Fehler dann der erste Hinweis auf den zweiten Tatort. Die Schüsse dort hätten auch mit einer Weiterleitung der Anrufe nicht verhindert werden können, sagt der Hanauer Polizeichef. Um 21.56 Uhr sei der Notruf zum ersten Tatort am Heumarkt eingegangen, um 22.02 Uhr dann der zum zweiten Tatort am Kurt-Schumacher-Platz. „Das sind sechs Minuten. Das hätten wir nicht verhindern können.“

Auch den Vorwurf, die Polizei habe vor dem Anschlag einen Notausgang am zweiten Tatort verschließen lassen, weist er zurück: „Als Polizeidirektionsleiter kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Polizei jemals eine entsprechende Weisung erteilt, dass ein Notausgang zu verschließen ist. Da versteckt sich ja dahinter, damit die Polizei besser und leichter arbeiten kann. Das halte ich für völlig abwegig. Wenn Polizei Kontrollmaßnahmen durchführen will und ausschließen möchte, dass auch wirklich jeder, der sich in einem Objekt befindet, kontrolliert wird, dann bereitet sie diese Maßnahme sachgerecht vor. Da gibt es einen Plan. Wir begeben uns nicht auf das dünne Eis. Auch im Rahmen von Brandschutzmaßahmen Verstöße zu begehen, das halte ich für völlig absurd.“

In der Dokumentation äußern sich neben der Polizei erstmals seit dem Anschlag auch Sanitäter und Rettungskräfte und berichten, wie sie den Einsatz erlebt haben. Der Film liefert ein Bild der Terrornacht und zeigt bislang unbekannte Einzelheiten zum Anschlag. Er zeigt die Tatnacht aus der Perspektive der Einsatzkräfte und Helfer, wie sie mit den Gefahren eines laufenden Terroranschlags vor Ort umgegangen sind und welche Auswirkungen der Einsatz noch heute auf sie hat.

Die hr-Dokumentation „Hanau – Einsatz in der Terrornacht“ ist ab Donnerstag, 8. Juli, 5.30 Uhr in der ARD-Mediathek zu sehen und wird am Samstag, 10. Juli, um 18.45 Uhr im hr-fernsehen gezeigt.

Christian Bender

Pressereferent hr-fernsehen und Das Erste
Christian Bender
Telefon: +49 (0)69 155-2290
E-Mail: christian.bender@hr.de