Ein Mann vor dem Jobcenter in Wiesbaden.
Wie mit dem Kopf gegen die Wand: Ein Mann vor dem Jobcenter in Wiesbaden. Bild © picture-alliance/dpa

Bei der Mehrzahl der Bundesbürger hat Hartz IV ein negatives Image. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap im Auftrag des Hessischen Rundfunks (hr).

Demnach stimmen gut drei Viertel aller Befragten der Aussage zu, mit Hartz IV sei das Risiko gewachsen, im Alter arm zu sein (76 Prozent).  Und 65 Prozent sind der Meinung, dass, seit es Hartz IV gibt, die Angst vor sozialem Abstieg gewachsen sei. Auch für die Entwicklung des prekären Arbeitsmarktes macht die Mehrzahl der Deutschen Hartz IV mit verantwortlich: Seit der Reform würden mehr Menschen zu Niedriglöhnen arbeiten als vorher. 66 Prozent, also zwei Drittel der Befragten, glauben das. Die Umfrage wurde für die Dokumentation „Der Hartz IV-Report“ (Montag, 29. Juli, 22.55 Uhr im Ersten) durchgeführt. Die hr–Produktion hinterfragt Erfolgsmeldungen und Kritik an Hartz IV. Die Argumente für das Gelingen oder Scheitern der Sozial- und Arbeitsmarktreform erscheinen 15 Jahre nach deren Einführung gegensätzlicher denn je.


Nur Minderheit sieht positive Effekte

Die in der Öffentlichkeit immer wieder vorgetragenen Argumente, wonach Hartz IV zu Wirtschaftswachstum und geringerer Arbeitslosigkeit beigetragen habe, werden jeweils nur von einem Drittel der Bundesbürger geteilt. Danach stimmen nur 33 Prozent der Aussage zu, Hartz IV habe die Arbeitslosenzahlen gesenkt, 34 Prozent meinen, dass Deutschland ohne Hartz IV wirtschaftlich heute nicht so gut dastehen würde. Die Mehrheit der Bundesbürger glaubt dagegen den Erfolgsmeldungen nicht.


Soziale Gerechtigkeit statt sozialer Hängematte

Die Solidarität mit Hartz IV-Empfängern hat klare Grenzen. Für die große Mehrheit der Befragten gilt: Einer, der arbeitet, muss immer mehr haben, als einer, der nicht arbeitet. Die Deutschen haben eine genaue Vorstellung davon, wo sich im staatlichen Sozialsystem die Gerechtigkeitsfrage stellt. Das zeigt das Umfrageergebnis zu dieser Aussage: „Menschen, die arbeiten, müssen am Ende mehr in der Tasche haben als Hartz IV-Empfänger“: Fast jeder, nämlich 94 Prozent der Bundesbürger, stimmen dieser Aussage zu.

Christian Bender
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