Isaac Cheng Ka Long, einer der informellen Sprecher der Hongkonger Demonstranten

Seit vier Monaten reißen die Proteste in Hongkong nicht ab, zu Hunderttausenden gehen die Menschen auf die Straße. „ttt“ war in Hongkong, um mit Aktivisten, Künstlern und Beobachtern über die Demonstrationen zu sprechen.

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Seit vier Monaten reißen die Proteste nicht ab, die Hongkonger gehen auf die Straße, Woche für Woche. Zehntausende, Hunderttausende, manchmal Millionen. Eine enorme Energie liegt in der Stadt, eindrucksvoller und überwältigender hat noch keine Gesellschaft den Willen ihrer Zivilbevölkerung demonstriert. Zur nächsten angekündigten Großdemonstration am 15. September werden zwei Millionen Menschen erwartet. Getragen wird der Protest von der jungen Generation Hongkongs, klug, vernetzt, schwarmintelligent und schwarmkreativ. Das Gesetz, das die Proteste ausgelöst hatte – es sollte die Auslieferung beschuldigter Hongkonger an China erlauben –, wurde von der Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam komplett zurückgenommen. Aber die Proteste gehen weiter. „Fünf Forderungen – nicht eine weniger“, schallt es durch die Straßen der Stadt. Die Demokratiebewegung vertritt diese Forderungen mit großer Unerbittlichkeit. Die Regierung soll zurücktreten, freie Wahlen sollen gesetzlich verankert und durchgeführt werden, die Polizeigewalt soll unabhängig untersucht werden, die Behörden sollen aufhören, die Proteste als Krawalle zu bezeichnen, und die inzwischen mehr als 1.000 festgenommenen Demonstranten frei lassen. Einen Dialog mit der Regierung lehnen die Demonstranten bis zur Erfüllung ihrer Forderungen ab. Tatsächlich eskaliert die Gewalt. Wenn es Abend wird, marschiert in Hongkong die „Riot-Police“ auf, und der militante Teil der Demonstranten liefert sich heftige Straßenschlachten mit ihr, nicht ohne Verständnis vieler Hongkonger Bürger. „Wenn sie hart zu uns sind, sind wir hart mit ihnen“, sagt uns einer der informellen Sprecher der Demonstranten, Isaac Cheng Ka Long. Er gehört zu der ersten Generation der großen Hongkonger Mittelschicht, die für sich keine Zukunft mehr sieht.

„ttt – Titel, Thesen, Temperamente“ war in Hongkong, um mit Aktivisten, Künstlern und Beobachtern über die Proteste zu sprechen. Worum geht es den Demonstranten? Welche Rolle spielen dabei Kunst und Kultur? Ist ein gewalttätiger Ausgang unvermeidlich, oder ist ein Kompromiss mit der chinesischen Regierung vielleicht doch noch möglich? Die Sendung kommt am Sonntag, 15. September, vom Hessischen Rundfunk (hr) und ist um 23.05 Uhr im Ersten zu sehen; es moderiert Max Moor.

Außerdem bei „ttt“:

Warum es so viel cooler ist, nicht rechts zu sein – Felix Kummer rappt über sein Leben in Chemnitz: „ttt“ trifft den Musiker und Sänger der Band Kraftklub in Chemnitz, das derzeit wie ein Schauplatz der großen gesellschaftlichen Fragen wirkt: Wie wollen wir in Zukunft leben? Für welche Werte lohnt es sich zu kämpfen? Und: Welche Musik wollen wir dabei eigentlich hören?

Warum agieren alle so hilflos gegenüber rechtspopulistischen Parteien wie der AfD? – „Schluss mit der Geduld“ fordert der Aktionskünstler Philipp Ruch in seinem neuen Buch: „ttt“ unterhält sich mit dem Soziologen Matthias Quent und dem Künstler selbst über dessen „Anleitung für kompromisslose Demokraten“, so der Untertitel von „Schluss mit der Geduld. Jeder kann etwas bewirken“.

„Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen“ – Ulrike Herrmann räumt auf mit Mythen: „ttt“ ist mit Herrmann in der Bankenmetropole Frankfurt unterwegs. Im Gespräch erklärt sie, warum wir nicht mal stolz darauf sein können, dass wir Exportweltmeister sind.

Marco Möller

Pressereferent hr-fernsehen und Das Erste
Marco Möller
Telefon: +49 (0)69 155-4401
E-Mail: marco.moeller@hr.de