Philosoph Richard David Precht

Autor Richard David Precht spricht in der neusten Ausgabe von „ttt“ am kommenden Sonntag um 23.35 Uhr im Ersten über künstliche Intelligenz und den Sinn des Lebens.

„Unsere Smartphones sind uns näher als Tiere und Pflanzen“, sagt Richard David Precht. Eine mächtige Selbsttäuschung, gerade hat uns ein Virus aus diesem technotopischen Schlummer – wie Precht es nennt – gerissen und uns unmissverständlich deutlich gemacht, wie sehr wir zuallererst biologische und dann auch soziale Wesen sind. Precht hat ein buchdickes Essay mit dem Titel „Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“ geschrieben zu den brisantesten Fragen der Zeit – zu ungebremstem technischen Fortschritt und ungebremster Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen. Im Mittelpunkt die Frage: Was heißt es, Mensch zu sein? Keinesfalls seien Menschen defizitäre Maschinen, sagt Precht, so wie die Tech-Größen des Silicon Valley und ihre Forschungslabore es begreifen: der Mensch – nur ein Zwischenschritt der Evolution, die Menschheit lediglich eine Spezies, die die Bühne bereitet für etwas Größeres, das den Menschen schon bald überwinden wird. Für die Tech-Gurus der digitalen Welt gehört die Zukunft einer neuen Spezies, der AGI (artificial general intelligence), einer Künstlichen Intelligenz, die – einmal programmiert – ihre eigenen exponentiell wachsenden Fragen und Antworten entwirft, den Menschen und ihrer Intelligenz tausendfach überlegen, eine digitale Superintelligenz. Precht hält dagegen: Die Leistung von Rechnern sei überhaupt nicht mit der des Menschen vergleichbar. Menschliche Intelligenz sei durchzogen von Emotionalität, Intuition, Spontaneität und Assoziation, nicht das logische Denken mache die Menschlichkeit aus: „Ohne unsere Gefühle wüsste unser Verstand überhaupt nicht, was er tun sollte“, so Precht.

Die Diskussion um technischen Fortschritt ohne „Sinn-Dimension“ gehe an den Menschen vorbei, unsere Selbstdeutung brauche eine Revision, ein neues „Wohin?“ und ein neues „Wozu?“, so Richard David Precht in der aktuellen Ausgabe von „ttt – Titel, Thesen, Temperamente“. Die Sendung kommt am Sonntag, 21. Juni, vom Hessischen Rundfunk (hr) und ist um 23.35 Uhr im Ersten zu sehen; es moderiert Evelyn Fischer.

Außerdem bei „ttt“:

  • Das HipHop-Duo „Run the Jewels“ – Chronisten der brutalen amerikanischen Gegenwart: „ttt“ hat die beiden Musiker interviewt. Im Gespräch verrät Killer Mike, dass er einen Vorschlag hätte, um die systemische Ungleichheit zwischen Schwarz und Weiß aufzulösen – und warum er dennoch kein Leader sein will.
  • Die „Königin der Kurve“ und ihr Vermächtnis – Die Architekturrevolutionärin Zaha Hadid: „ttt“ stellt einen der bildgewaltigsten Hingucker dieses Bücher-Sommers vor.
  • Das langsame Sterben der Clubs – Was uns gerade im Verborgenen verloren geht: „ttt“ über die Frage, was uns verloren gehen könnte, wenn die Clubkultur hierzulande stirbt, und warum Städte wie Berlin und Frankfurt sich Konzepte einfallen lassen müssen, um ihre subkulturellen Orte vor immer hochpreisigeren Mietkosten zu schützen.
Marco Möller

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Marco Möller
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