Matthias Platzeck beim hr1-Talk

Er gilt als sympathisch, authentisch und aufrichtig: Matthias Platzeck war nach der Wende einer der beliebtesten ostdeutschen Politiker und wurde 2005 sogar SPD-Chef. Gesundheitliche Probleme zwangen ihn zur Entscheidung zwischen Bundes- und Landespolitik. Er blieb damals gerne Regierungschef in Brandenburg und ist heute Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums. Im hr1-Talk spricht er über die Notwendigkeit für eine neue Ostpolitik und fordert dringend „eine neue Helsinki-Konferenz“.

Matthias Platzeck ist – wie Kanzlerin Angela Merkel – fest davon überzeugt, dass „die wirklich wichtigen Probleme der Welt, nämlich der Klimawandel, die Terrorabwehr und die Flüchtlingskrise ohne Russland nicht lösbar“ seien. Es gebe für Europa auch geopolitisch gute Gründe, das größte Land der Erde nicht „weiter an den Rand zu drängen“, sagt er im hr1-Talk und skizziert eine mögliche tripolare Weltordnung.

Bipolare oder tripolare Weltordnung?

In den nächsten 15 bis 20 Jahren werde es „einen ganz starken wirtschaftlichen Pol geben“, bestehend aus China, Japan, Südkorea und Vietnam, und „gegen den ist kein Kraut mehr gewachsen“. Den zweiten Pol bilden weiterhin die USA mit Kanada und Mexiko, dieser sei „insbesondere militärisch und finanzwirtschaftlich sehr stark.“ „Wie positioniert sich Europa zwischen diesen beiden Polen?“, fragt Matthias Platzeck, „und haben wir das Zeug, ein dritter Pol zu werden?“ Er gibt auch gleich selbst die Antwort: „Ja, das hätten wir, aber nur mit der russischen Föderation zusammen. Denn wir sind a) zu klein und b) fast völlig rohstofffrei.“

 „Klein-Europa“ oder neuer Helsinki-Prozess?

„Wir drängen Russland durch die Sanktionen Stück für Stück mehr nach  China“, befürchtet Matthias Platzeck. Aber ohne Russland „stünden wir in zwanzig Jahren als kleines Europa relativ allein da“, und das wäre „hochgradig fatal“. Die geopolitische Situation sei heute „explosiver als im alten Kalten Krieg“, mit der Digitalisierung militärischer Systeme steige die Gefahr von „Zufallskriegen“. Der UN-Sicherheitsrat sei „fast nicht mehr arbeitsfähig“, und deshalb „brauchen wir einen neuen Helsinki-Prozess, der die Veränderungen der Welt aufnimmt, neu ordnet und in eine Sicherheitsarchitektur einbaut, die wieder Sicherheit für diese Welt garantiert."

Weitere Informationen

Sendung und Podcast

Das ganze Gespräch mit Matthias Platzeck und Moderator Uwe Berndt sendet hr1 am Sonntag, 17. Mai, von 10 bis 12 Uhr. Der hr1-Talk kann auch als Podcast abonniert werden: www.hr1.de.

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Christian Arndt


Pressereferent hr-iNFO
Christian Arndt
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