Die Energieökonomin Claudia Kemfert befürchtet, dass sich die derzeit unfreiwillig erzielten Emissionsrückgänge ins Gegenteil verkehren können. Im hr1-Talk macht sie aber auch Hoffnung auf positive Effekte für Umwelt und Gesellschaft in einer Zeit „nach Corona“.

Claudia Kemfert mag sich über die aktuell weltweit deutlich sinkende Schadstoffbelastung nicht so recht freuen. „Keiner wollte diese schreckliche Krise haben. Das sind Klimaschutzeffekte, die wir so nicht wollten“, sagt sie im hr1-Gespräch mit Uwe Berndt am kommenden Sonntag. „Das ist kein Erfolg, den wir uns auf die Fahne schreiben können.“

Schlimmstenfalls könne sich die Klimabilanz bei einer Normalisierung nach der Krise sogar ins Gegenteil verkehren. „Da kann es sogenannte ‚Rebound-Effekte‘ geben. Das heißt, man überschießt wieder und es gibt hinterher sogar mehr Emissionen, als man vorher eine Zeitlang eingespart hat.“

„Solidarität ist die Lösung für die Krise“


Persönlicher Klimaschutz müsse nicht unbedingt Verzicht bedeuten, sagt die Professorin, die am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) die Abteilung „Energie, Verkehr, Umwelt“ leitet. „Es geht überhaupt nicht darum, zu verbieten, was Spaß macht. Wir sehen doch momentan, dass etwa Fahrradfahren enorm viel Spaß machen kann, gerade, wenn wir nicht permanent vom Autoverkehr beeinträchtigt werden.“ Es gehe gerade darum, Dinge zu machen, die „uns allen gut tun. Freiheit bedeutet, wenn wir in einer intakten Umwelt leben“.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin sieht in der möglichen Überwindung der Corona-Krise Parallelen zur erfolgreichen Bewältigung des Klimawandels. Es komme hier wie da auf jeden an, alle seien gefordert, mitzumachen. „Gelebte Solidarität ist die Lösung für die Krise. Wir müssen die Demokratie stärken und nicht schlechtreden. Wir haben es alle selbst in der Hand“, appelliert Claudia Kemfert in hr1.

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Sendung und Podcast

Das ganze Gespräch mit Claudia Kemfert und Moderator Uwe Berndt sendet hr1 am Sonntag, 26. April, von 10 bis 12 Uhr. Der hr1-Talk kann auch als Podcast abonniert werden: www.hr1.de.

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Hartmut Hoefer


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