Paula Beer (Sabeth) und Matthias Brandt (Walter) bei der Hörspielproduktion zu "Homo faber"
Paula Beer (Sabeth) und Matthias Brandt (Walter). Bild © hr/Susann Schütz

Zu Pfingsten präsentiert hr2-kultur eine Hörspielproduktion der Superlative: Die Hauptfiguren von Max Frischs Klassiker „Homo Faber“ werden von den Schauspielstars Eva Mattes, Matthias Brandt und Paula Beer („Bad Banks“) gesprochen, die hr-Bigband spielte die Musik dazu ein.

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zum Download Matthias Brandt und Paula Beer

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Es ist eines der meistgelesenen Werke des 20. Jahrhunderts, wurde jedoch noch nie als Hörspiel umgesetzt: hr2-Kultur sendet „Homo Faber“, bearbeitet von hr-Hörfunkdirektor Heinz Sommer, zwischen dem 19. und 21. Mai erstmals in dieser Form. „Max Frischs Buch ist einer der großen Klassiker der Moderne. Ich war eigentlich sicher, dass es irgendwann schon einmal eine Hörspielversion gegeben haben müsste, aber wir – Redakteur Hans Sarkowicz, Regisseur Leonhard Koppelmann und ich – haben keine entdeckt. Das war natürlich ein Ansporn“, erklärt Heinz Sommer.

Daraus entstand ein Hörspiel mit hochkarätiger Besetzung: Matthias Brandt spricht die Hauptfigur, den Ingenieur Walter Faber, der sich auf einer Reise unwissentlich in seine Tochter Sabeth, gesprochen von Paula Beer, verliebt. Eine Begegnung, die auch das Leben von Sabeths Mutter und Fabers Jugendliebe Hanna (Eva Mattes) für immer verändert.

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Matthias Brandt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Eröffnungssequenz von "Homo Faber" zum Probehören

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Die Musik der hr-Bigband – unter der Leitung von Jörg Achim Keller – versetzt die Hörerinnen und Hörer mit Ballroom- und Jazz-Stücken in die fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, in denen der Roman spielt.

Neben „Homo Faber“ wurde der Schweizer Schriftsteller Max Frisch mit Theaterstücken wie „Biedermann und die Brandstifter“ oder „Andorra“ weltberühmt. „Homo Faber“ ist eines der bekanntesten Prosawerke Frischs und wurde 1991 von Regisseur Volker Schlöndorff verfilmt.

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Sendetermine

„Homo Faber“ läuft bei „Hört, hört! Das Pfingstprogramm in hr2-kultur“ von Samstag, 19. Mai, bis Montag, 21. Mai, jeweils um 14.04 Uhr und um 18.04 Uhr. Siehe auch www.hr2-kultur.de und www.facebook.com/hr2kultur

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Interview mit Eva Mattes (Hanna)
„In ihrer Zeit ist Hanna so etwas wie eine Feministin.“

Was ist Ihr Eindruck von dem Werk „Homo Faber“?

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zum Download Eva Mattes (Hanna) gehört seit den 1970er Jahren zu den bekanntesten Schauspielerinnen Deutschlands und verkörperte unter anderem „Tatort“-Kommissarin Klara Blum. Für ihre Leistungen als Sprecherin erhielt sie 2018 den „Sonderpreis Lebenswerk” beim Deutschen Hörbuchpreis.

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Eva Mattes: Ich mochte es sehr gern und hatte überhaupt nicht das Gefühl, dass es altmodisch ist. Ich finde es einfach eine unglaubliche Geschichte und auch sehr spannend. Jeder, der Kinder hat, kann sich vorstellen, was das für ein Drama ist. Der Gedanke von einer Männerfantasie kam mir natürlich auch mal kurz – aber natürlich auch der von einer großen Tragödie griechischen Ausmaßes.

Sie haben jetzt in dieser Bearbeitung die Hanna gesprochen, wie würden Sie diese Figur beschreiben?

Eva Mattes: In ihrer Zeit ist sie so etwas wie eine Feministin. Sie ist schon sehr eigenständig, fortschrittlich in ihren Gedanken über Männer, über Verhältnisse im Allgemeinen, darüber, dass man ein Kind als Frau auch alleine haben kann. Das wollte sie ja wohl auch tatsächlich. Sie hat gearbeitet und eben auch ihr eigenes, selbstständiges Leben geführt.

Wie würden Sie die Beziehung zwischen Walter und Hanna beschreiben?

Eva Mattes: Auch als junge Frau war sie schon sehr eigenständig. Als „Halbjüdin“ in der Nazizeit ist es eine große Stärke in so jungen Jahren, dass sie sagt: Ich will dich nicht heiraten, weil ich gar nicht weiß, ob du das willst, und am Ende willst du es nur, weil du nicht als Antisemit gelten möchtest. Also verzichtet sie auf ihre Rettung, das wollte sie nicht. Wahrscheinlich ist sie im Grunde ihres Herzens eine Romantikerin, die wirklich aus Liebe geheiratet werden wollte und nicht aus irgendwelchen anderen Gründen. Sie reagiert auch zurecht ganz empfindlich, als er fragt: Willst du dein Kind? - Er spricht eben von ihrem Kind, deinem Kind, nicht unserem Kind. Das ist das, was für sie den Ausschlag gegeben hat, zu sagen: Gut, dann ist es halt auch mein Kind.

Interview mit Matthias Brandt (Walter Faber)
„Meine erste Märchenplatte war ‚Hui Buh - Das Schlossgespenst‘.“

Was ist für Sie der Reiz am Hörspiel?

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zum Download Matthias Brandt, ursprünglich Theaterschauspieler, war regelmäßig als Kommissar Hanns von Meuffels im Münchner „Polizeiruf 110“ zu sehen. Brandt ist mehrfacher Grimme-Preisträger und wurde unter anderem 2014 mit dem Hessischen Fernsehpreis ausgezeichnet.

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Matthias Brandt: Da ich heute hauptsächlich als Filmschauspieler arbeite, allerdings als Theaterschauspieler sozialisiert bin, ist das Hörspiel für mich eine wunderbare Möglichkeit, mich mit literarischen Texten auf eine andere Art zu befassen, als es beim Film meistens der Fall ist. Der Film ist ein Bildmedium, da hat der Text immer etwas Untergeordnetes. Die Arbeit am Hörspiel genieße ich sehr, weil ich gerne mit Sprache umgehe und mich für Sprache sehr interessiere.

Haben Sie als Kind oder Jugendlicher Hörspiele oder Hörbücher gehört?

Matthias Brandt: Hörspiele hörte ich im Radio, es gab noch gar keine CDs oder Kassetten. Als ich ganz klein war, gab es nur Platten, und meine erste Märchenplatte war „Hui Buh - Das Schlossgespenst“, von Hans Clarin gesprochen. Dann hatte ich noch ein paar andere Märchenplatten. Ich denke schon, dass mich das geprägt hat.

Was waren das für Hörsituationen? Hörte man bewusst, oder geschah es nebenbei?

Matthias Brandt: Nebenbei irgendwas zu hören war früher nicht so verbreitet. Es war eher: Ich mache mir das an, dann höre ich es aber auch, dann tue ich auch nur das. Das hatte aber auch mit dem technischen Aufwand zu tun, der mehr Aufmerksamkeit und Konzentration erforderte. Die Seite einer LP war nicht so wahnsinnig lang, selbst wenn viel drauf war, maximal 20 bis 25 Minuten. Dann musste man wieder hin und umdrehen, was einen, bilde ich mir ein, mehr in der Konzentration gehalten hat.

Hören Sie heute immer noch Hörspiele oder Hörbucher?

Matthias Brandt: Das war mir lange fremd, obwohl ich ja selber auch viele Hörbücher gesprochen habe. Aber das heißt ja erst mal nichts. Ich mache das für mich eigentlich abhängig vom Werk, um das es geht. Manchmal ist es ein Gewinn, wenn es mir vorgelesen wird. Und manchmal möchte ich keine wie auch immer geartete Interpretation eines Textes. Dann muss ich ihn selber lesen.

Interview mit Paula Beer (Sabeth)
„Wenn eine junge Frau sich für einen sehr viel älteren Mann interessiert, ist da immer ein Wissensvorsprung.“

Nun mussten Sie sich als Sprecherin der Sabeth neu mit dem Text auseinandersetzen. Sind Ihre Eindrücke gleich geblieben?

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zum Download Paula Beer (Sabeth) ist bekannt aus den Kinofilmen „Le chant du Loup“, „Transit“ und „Das finstere Tal“. Jüngst zu sehen in der ZDF-Serie „Bad Banks“, gewann Beer für François Ozons „Frantz“ den Nachwuchsdarstellerpreis der Filmfestspiele von Venedig.

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Paula Beer: Was Walter an ihr so faszinierend findet, ist, dass sie so jung ist. Zwar etwas naiv, aber wahnsinnig lebenslustig. Bei meiner Arbeit jetzt, wo alles viel mehr auf Dialoge reduziert ist, bringt es einem eine neue Facette der Figur. Trotz alledem versuche ich immer, von der ursprünglichen Romanvorlage ein bisschen wegzukommen. Ich finde es wichtig, dass man sich dann nicht nur in Bildern verliert und denkt: Ich muss jetzt der Sabeth gerecht werden. Vielmehr versuche ich dem Text und den Mitsprechern zu vertrauen.

Wie würden Sie die Figur der Sabeth beschreiben?

Paula Beer: Sabeth ist jemand, der schon sehr eigenständig ist, sie reist in der damaligen Zeit allein. Sie ist ein junger, sehr lebensbejahender Mensch, der sich in Abenteuer begibt, ohne darüber nachzudenken. Als die Diskussion um die Gefährlichkeit des Trampens entfacht, sagt sie: Was soll mir schon passieren. Ich will die Welt sehen. Das finde ich ganz toll an ihr. Dieses wache und immer weiter nach vorn Gehende, gepaart mit ganz viel Liebe für ihr Umfeld und der Faszination für Sachen, die sie nicht kennt. Ich finde, sie hat etwas ganz, ganz Wahres und Waches.

Was glauben Sie, findet sie an Walter spannend?

Paula Beer: Wenn eine junge Frau sich für einen älteren, sehr viel älteren Mann interessiert, ist da ja immer ein Wissensvorsprung. Man ist fasziniert von jemandem, der schon so viel gesehen hat. Sie will reisen, er war schon an ganz vielen Orten. Es gibt die Stelle, wo sie nach Indien und China fragt, ob er da war, und er antwortet, dass er natürlich da gewesen sei. Ich glaube, dieser große Vorsprung zu dem, was sie sich auch wünscht, macht viel von der Faszination aus. Aber auch, dass er so anders ist. Er kennt sich in der Technik so gut aus, sie gar nicht. Er hat auch einen schönen Humor.

Die Interviews führte Regieassistentin Susann Schuetz für hr2-kultur.

Hanni Warnke
Hanni Warnke Bild © hr/Ben Knabe

Pressereferentin hr2-kultur
Hanni Warnke
Telefon: +49 (0)69 155-4403
E-Mail: hanni.warnke@hr.de