Platzhalterbild PM Hörfunk
Bild © hr/Ben Knabe/Grafik

Der Schriftseller Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“, „Tyll“) – gerade in Bad Homburg mit dem Hölderlin-Preis ausgezeichnet – äußerte sich in hr2-kultur über die politische Lage in seiner derzeitigen Wahlheimat USA.

„Im Grunde ist die Verzweiflung über die Macht Trumps im liberalen Amerika, etwa in New York oder in Washington, gar nicht so groß. Die Checks and Balances funktionieren. Hier kann er keine Diktatur errichten.“

Wie ein Sonnenkönig

Außenpolitisch sieht die Lage laut Kehlmann deutlich bedrohlicher aus: „Es stellt sich heraus, dass die Macht des Präsidenten nach außen eine absolute ist - wie die eines Sonnenkönigs. Er kann jeden Vertrag absagen, er kann jeden Krieg erklären. Er kann Zölle verhängen, weil ihm das gerade durch den Kopf geht – wie wir gesehen haben. Ich habe das Gefühl, die liberalen Amerikaner sind sogar weniger erschrocken und verzweifelt, als viele vernünftige Europäer. Weil wir außerhalb von Amerika eher merken, was es heißt, dass Amerika als Pfeiler der liberalen Weltordnung nicht mehr zur Verfügung steht.“

Keine Beziehung zur Wahrheit

„Auch als Person hat Donald Trump“, so der Bestsellerautor, „nicht das Zeug für ein Shakespeare-Drama, wo es ja immer um bedeutende Menschen geht, selbst wenn sie Verbrecher sind. Wenn man ihn beobachtet, bekommt man doch sehr stark das Gefühl, dass ihm ein Teil des menschlichen Seelenlebens fehlt. Er hat keine Beziehung zur Wahrheit, er hat keine Beziehung zur Wahrhaftigkeit, er ist wirklich bis ins Tiefste eine Witzfigur.“

Zitate aus der Meldung frei bei Nennung von hr2-kultur. Das komplette Gespräch wurde am Dienstag, 5. Juni, aufzeichnet, war am Sonntag, 10. Juni, um 9.10 Uhr in der Sendung „Kulturfrühstück“ zu hören und ist weiterhin als Podcast auf www.hr2-kultur.de abrufbar.

Hanni Warnke
Hanni Warnke Bild © hr/Ben Knabe


Pressereferentin hr2-kultur
Hanni Warnke
Telefon: +49 (0)69 155-4403
E-Mail: hanni.warnke@hr.de