Jasmin Tabatabai (links) und Ulrike Haage

Die Mathematikerinnen Sofja Kowalewskaja (*1850 in Moskau) und Maryam Mirzakhani (*1977 in Teheran) trennt mehr als ein Jahrhundert – eigentlich. Im Hörspieldebüt von Andrea Geißler aber streiten sie über ihre Zukunft in der Mathematik. Jasmin Tabatabai und Valery Tscheplanowa leihen ihnen ihre Stimmen, Regie führte Ulrike Haage. Zu hören am Sonntag, 28. Juni, um 14.04 Uhr in hr2-kultur und ab dann auch als Podcast.

Sofja Kowalewskaja und Maryam Mirzakhani

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zum Download Foto: Sprecherin Jasmin Tabatabai (li.) und Regisseurin Ulrike Haage

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Sofja wurde 1884 in Stockholm die weltweit erste Professorin für Mathematik. Maryam war Professorin in Stanford und wurde als erste Frau mit der höchsten Anerkennung in der Welt der Mathematik, der Fields-Medaille, ausgezeichnet. Liegen auch die Forschungsgebiete der beiden einzigartigen Frauen weit auseinander – Kowalewskaja beschäftigte sich unter anderem mit Bewegungsgleichungen eines besonderen Kreisels, des nach ihr benannten „Kowalewskaja-Kreisels", während Mirzakhani herausragende Beiträge in der hyperbolischen Geometrie leistete – finden sich in ihren beiden Biografien indes erstaunlich viele Parallelen: Beide überwanden große Hindernisse, um in die geschlossene Männerwelt der Mathematik Eingang zu finden, beide heirateten jeweils ebenfalls erfolgreiche Forscherpersönlichkeiten, jede war Mutter einer Tochter – und beide starben mit nur knapp 40 Jahren.

Fiktiver Dialog

Die Autorin Andrea Geißler hat sich gefragt, was sich diese beiden herausragenden Frauenpersönlichkeiten zu sagen hätten, wenn sie aus ihren Zeiten heraus und miteinander ins Gespräch treten könnten. Zu welchen mathematischen Utopien sie wohl gemeinsam in der Lage wären? Und ob sie nicht zusammen die Grenzen überwinden, die ihnen zu Lebzeiten gesetzt waren?

Mathematik zum Klingen bringen

Ulrike Haage, die Regisseurin und Komponistin des Hörspiels, zu dem von ihr kreierten Klang: „Wir haben uns gefragt, wie ein Kreisel in vier Dimensionen klingen könnte. Der Kowalewskaja-Kreisel ist ein mathematisches Konstrukt. Er dreht sich über drei Achsen, und dabei wird seine taumelnde Bewegung zeitlich erfasst. Die Berechnungen sind also Fragmente einer Bewegung, zeitlich begrenzte Ausschnitte tanzender Zufälle. Berechnete Unberechenbarkeit. Um den Klang eines solchen Kreisels nun hörbar zu machen, baute Philipp Fiedler ein Dreifachpendel, das ähnlich gewichtet ist wie der Kreisel Kowalewskajas. Die Maschine ergibt zufällige Rotationsbewegungen, die die Bewegung eines starren Körpers um einen festen Punkt nachzeichnen. Neben dem leisen Rollen der Kugellager sind es vornehmlich die Windströmungen, die den Fluss der Bewegung andeuten und hörbar machen."

Weitere Informationen

„Hyperbolische Körper“

Ursendung am Sonntag, 28. Juni, 14.04 Uhr in hr2-kultur
Das Hörspiel steht ab Sendetermin zum Download unter hr2.de oder in der ARD-Audiothek für 18 Monate zur Verfügung.
Gesamtlänge: 45‘
Nach Motiven aus Texten von Maryam Mirzakhani und Sofja Kowalewskaya
Mitwirkende: Valery Tscheplanowa (Sofja) und Jasmin Tabatabai (Maryam)
Komposition, Regie und Gesamtrealisation: Ulrike Haage
Dramaturgie: Leonhard Koppelmann
Besetzung: Arne Köhler
Ton und Technik: Martin Offik
Regieassistenz: Herta Steinmetz

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Andrea Geißler, geboren 1986, studierte Jüdische Studien und Islamwissenschaft in Heidelberg und Jerusalem, anschließend Dramaturgie in Frankfurt am Main. Sie schreibt und inszeniert Stücke in verschiedenen Kollaborationen, zuletzt „Ruthnotruthnoruthnotruth" an den Landungsbrücken in Frankfurt am Main. Derzeit promoviert sie über Affinitäten zwischen dem europäischen Harlekin und der arabischen Halqa-Praxis. „Hyperbolische Körper" ist ihr Hörspieldebüt.

Ulrike Haage, geboren 1957 in Kassel, bewegt sich an den Schnittstellen von Jazz, Avantgarde, klassischer Musik und Literatur. Neben ihrer Arbeit als Komponistin, Autorin und Regisseurin von preisgekrönten Hörspielen schreibt sie Filmmusik („Grüße aus Fukushima", „Berlin 1945 – Tagebuch einer Großstadt") und ist als Solopianistin tätig. Ihre letzten Hörspielarbeiten sind „True Stories" (BR2, 2019), „A Funeral March for the First Cosmonaut" (Dlf Kultur, 2019) und „Sprache, mein Stern. Hölderlin hören" (rbb, Dlf Kultur, 2020).

Janina Schmid

Pressereferentin hr2-kultur
Janina Schmid
Telefon: +49 (0)69 155-4498
E-Mail: janina.schmid@hr.de