Stephanie Eidt

Die soziale Herkunft und deren Überwindung stehen im Zentrum von Annie Ernaux‘ Roman „Der Platz“. Die gleichnamige hr2-Hörspielproduktion hat am Sonntag, 24. Mai, Premiere in hr2-kultur und ist im Podcast-Channel von hr2 verfügbar.

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zum Download Foto: Sprecherin Stephanie Eidt

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Annie Ernaux‘ Romane haben nicht nur eine große Leserschaft, sondern regen zu akustischen Umsetzungen an. Nach „Die Jahre“ (hr 2018) folgt nun „Der Platz“, ein frühes Werk Ernaux‘ (1983), in dem sich die Autorin mit ihrem Vater und ihrer Herkunft auseinandersetzt. Der Hörspielmonolog wird gesprochen von der Schauspielerin Stephanie Eidt.

 „Der Platz“

Die eigene Geschichte, auch die eigene Familie, ist Annie Ernaux’ literarisches Thema. Nach dem Tod des Vaters schreibt sie, die studiert hat und Gymnasiallehrerin geworden ist, über ihn, den Bauerssohn, Fabrikarbeiter und Kneipenwirt. Sie schreibt, weil sie mit ihrer Herkunft gebrochen hat, weil sie und ihr Vater sich nichts mehr zu sagen hatten. Und doch versucht sie über das Schreiben, über die Sprache, sich wieder ihrem Vater anzunähern, zu erklären, wie sie zur sozialen Überläuferin ins Bürgertum geworden ist. Sie beschreibt, wie sie jetzt das Leben des Vaters aus der Bedeutungslosigkeit zu holen versucht, in die sie es – und damit auch ihr eigenes früheres Leben – verdrängt hatte. Ist das der Preis des sozialen Aufstiegs: die Verleugnung und Verdrängung der Herkunft, des Geschmacks, der Sprache und der Umgangsformen? Es ist ein Schreibprozess, der „selbstverständlich keine Freude“ bereitet und zwischen der Welt des Vaters und der Welt der Tochter balanciert: „Vielleicht sein größter Stolz, sogar sein Lebenszweck: dass ich eines Tages der Welt angehöre, die auf ihn herabgeblickt hatte“, konstatiert Ernaux.

Weitere Informationen

Das Hörspiel „Der Platz“

Von: Annie Ernaux
Regie und Bearbeitung: Erik Altorfer
Dramaturgie und Redaktion: Cordula Huth
Komposition: Martin Schütz
Produktion: hr 2020 / Der Audio Verlag (DAV)
Länge: 78‘15“

Sendung
hr2-kultur, Hörspiel, Sonntag, 24. Mai, 14.04 Uhr und ab Samstag, 23. Mai, im Podcast-Channel auf hr2.de

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Annie Ernaux, geboren 1940, wächst in bescheidenen Verhältnissen in einem kleinen Ort in der Normandie auf. Nach dem Studium der Modernen Literatur wird sie zunächst Lehrerin. Ihr literarisches Werk ist im Wesentlichen autobiografisch: 1974 veröffentlicht sie ihren ersten Roman „Les armoires vides“. „Der Platz (La place)“ erschien 1983. Das Hörspiel „Die Jahre“ (hr 2018) nach Ernaux‘ gleichnamigem Roman wurde mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2020 ausgezeichnet.

Erik Altorfer, Studium der Germanistik und Anglistik, ist Hörspielregisseur und -bearbeiter, Theaterregisseur und Dramaturg unter anderem am Schauspielhaus Zürich, dem Thalia Theater und dem Staatstheater Braunschweig. Für „Dramenprozessor“ erhielt er den Autorenförderpreis beim Schweizer Theaterpreis.

Martin Schütz arbeitet als Improvisator und Komponist mit elektrischem und akustischem Cello und elektronischen Mitteln. Als Komponist und Livemusiker ist er im Theater unter anderem mit den Regisseuren Christoph Marthaler, Luc Bondy und anderen in Erscheinung getreten. Er schreibt und produziert auch regelmäßig Musik für Hörspiel, Tanz und Film.

Janina Schmid

Pressereferentin hr2-kultur
Janina Schmid
Telefon: +49 (0)69 155-4498
E-Mail: janina.schmid@hr.de