Maik Messing

Im „hr3-Sonntagstalk“ bei Bärbel Schäfer sagte Maik Messing über seine Tochter Leonora, die vier Jahre lang im Islamischen Staat (IS) lebte: „Sie ist in unseren Augen Opfer und Täter in einer Person. Wir wissen aber nicht, was sie wirklich getan hat.“

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Leonora Messing und der IS

Leonora Messing aus Breitenbach in Sachsen-Anhalt ist vor vier Jahren mit 15 Jahren nach Syrien ausgewandert. Dort wurde sie Teil der IS-Terrormiliz und heiratete als dritte Frau IS-Mitglied Martin Lemke. Mit ihm hat sie zwei Kinder. Ihr Vater Maik Messing versucht seither, sie zurück nach Deutschland zu holen. Leonora will nach eigenen Angaben zurückkommen, aber sie kann Syrien nicht einfach verlassen. In Deutschland läuft ein Verfahren gegen sie und ihren Mann wegen Mitgliedschaft in einer Terror-Organisation und Spionage. Ob und wann die mittlerweile 19-Jährige zurück nach Deutschland kommt, ist bisher unklar. Die Entscheidung liegt in der Hand der Bundesregierung.

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Für Maik Messing ist klar: „Wir müssen damit rechnen, dass etwas gegen sie vorliegt, warten aber die Ermittlungen ab.“ Einer möglichen Heimkehr nach Hause sieht er mit gemischten Gefühlen entgegen. „Liebe ja, Vorsicht ist aber trotzdem da. Sie hat uns perfekt getäuscht, das kann natürlich wieder passieren. Sie hat mit einem Geheimdienst-Mann gelebt. Wir wissen nicht, was er ihr beigebracht hat oder was sie sich angeeignet hat.“ Er stellte auch klar: „Sie weiß, es wird nicht einfach. Sie will sich den Dingen stellen.“

„Martin Lemke wollte, dass wir Ruhe geben“

Innerhalb der vergangen Jahre hat Maik Messing, der mehrere Bäcker-Filialen betreibt, eine Achterbahnfahrt der Gefühle durchlebt. Ein Tiefpunkt war der angebliche Tod von Leonora. „Martin Lemke wollte, dass wir Ruhe geben. Er hat Leonora für tot erklärt, als der Drohnenkrieg der Amerikaner begann.“

Den Kontakt mit seiner Tochter hielt Maik Messing via WhatsApp. „Man hat sehr viel Alltägliches geschrieben. Wir haben sogar Kochrezepte ausgetauscht.“ Es sei wichtig gewesen, „vorwurfsfrei“ zu sein, um den Kontakt zu ihr nicht zu gefährden.  

Leonora hat heimlich eine Moschee in Frankfurt besucht

Verdacht habe der Vater vor dem Verschwinden nicht geschöpft. Im Nachhinein erfuhr er: „Sie war einmal in Frankfurt am Main in einer Moschee, die einen sehr zweifelhaften Ruf hat. In derer Umgebung auch viele vollverschleiertem Frauen  zu sehen sind. Von dieser Reise wussten wir nichts.“

Maik Messings Einstellung zum Islam hat sich nicht geändert: „Ich habe in den letzten Jahren einige Muslime kennengelernt, Strenggläubige und Liberale. Der Islam hat mit der ganzen Sache nichts zu tun. Er ist benutzt worden, wie es vielen Religionen schon passiert ist. Dem Islam mache ich keine Vorwürfe. Meine Vorwürfe gelten denjenigen, die dieses Kalifat benutzt haben, um sich ein schönes Leben zu machen.“ Vielmehr sei der IS „ein Macho-Staat“. Er ergänzte: „Ein Staat von Männern für Männer, wo auch nur Männer gewinnen konnten. Der IS hat mit dem eigentlichen Islam nichts zu tun.“

„Ich schaue nur noch Qualitätsnachrichten“

Seine Lehre aus den vergangenen vier Jahren: „Ich schaue nur noch Qualitätsnachrichten, zusammengeschusterte Sachen tue ich mir nicht mehr an.“ Für seine Tochter wünscht sich der Bäckermeister, dass sie „langfristig ein normales, glückliches und zufriedenes Leben führen kann.“

Einen Kuchen würde er seiner Tochter bei einer Heimkehr nicht backen.

„Den muss sie selber backen, dann muss sie zeigen, was sie als Drittfrau alles so gelernt hat“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Der Talk als Sendung und Podcast

Das gesamte Gespräch von Bärbel Schäfer und Maik Messing steht unter hr3.de als Podcast zur Verfügung.

Sebastian Hübl

Pressereferent hr3 und YOU FM
Sebastian Hübl
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